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Hessian Biography

Portrait

Victor Amadeus Landgraf von Hessen-Rotenburg
(1779–1834)

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GND-ID

189532912

Hessen-Rotenburg, Victor Amadeus Landgraf von [ID = 10075]

* 2.9.1779 Schloss Rotenburg, † 12.11.1834 Zembowitz (Polen), Begräbnisort: Rauden heute Radawie (Polen) Schloss, katholisch
Other Names | Activity | Family Members | References | Life | Citation
Other Names

Other Names:

  • Hessen-Rotenburg, Viktor* Amadeus Landgraf von
  • Ratibor, Victor* Amadeus Herzog von
  • Corvey, Victor* Amadeus Fürst von
Activity

Career:

  • 18.3.1812: Nachfolger seines verstorbenen Vaters als Landgraf von Hessen-Rotenburg
  • Im Zuge der Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress musste Victor Amadeus dann 1815 die zu Hessen-Rotenburg gehörenden Restgebiete am Rhein (St. Goar und Rheinfels) an das Königreich Preußen abgeben. Dafür erhielt er als Entschädigung 1815 das Fürstentum Corvey in Westfalen.
  • Daraufhin verlegte er 1825-1833 die Rotenburger Hofbibliothek mit 36.000 Bänden nach Corvey.
  • 1799: Eheschließung mit Leopoldina von Fürstenberg-Stühlingen
  • 10.9.1812: Eheschließung mit Elise Eleonore Charlotte Prinzessin zu Hohenlohe-Langenburg
  • 1831: Eheschließung Eleonore von Salm-Reifferscheidt-Krautheim

Role:

  • Hessen-Rotenburg, Landgraf, 1812-1834

Places of Residence:

  • Kassel; Zembowitz, heute Zębowice (Polen)
Family Members

Father:

Hessen-Rotenburg, Carl Emanuel* Landgraf von, 1746–1812

Mother:

Liechtenstein, Maria Leopoldine Prinzessin von und zu, * 1754, † 1823

Partner(s):

  • Fürstenberg-Stühlingen, Leopoldina von, † 1806, Heirat 1799
  • Hohenlohe-Langenburg, Elise Eleonore Charlotte Prinzessin zu, * Langenburg 22.11.1790, † Holitsch (Ungarn) 6.10.1830, Heirat Langenburg 10.9.1812, Tochter von Carl Ludwig Fürst zu Hohenlohe-Langenburg
  • Salm-Reifferscheidt-Krautheim, Eleonore von, † 1851, Heirat 1831

Relatives:

References

Bibliography:

Image Source:

Landgraf Victor Amadeus, Ölbild von Seb. Weygandt, Museumslandschaft Hessen Kassel, Kassel Inv. LM 1955/113 (Foto: M 40554) (beschnitten), in: Franz, Das Haus Hessen, Darmstadt 2012, S. 225

Life

Victor Amadeus trat 1812 die Nachfolge seines Vaters an. 1815 wurde er zum sardinischen Generalleutnant ernannt. Neben zahlreichen anderen Orden erhielt er 1814 den kurhessischen Orden vom Goldenen Löwen und 1821 den preußischen Großen Roten-Adler-Orden 1. Klasse. Die ihm 1812 angetragenen Annahme des Kammerherrenschlüssels des Königs von Westphalen verweigerte er, was zu Spannungen, Prozessen wegen seiner Lehen und schließlich zur Einquartierung von französischen Soldaten im Rotenburger Schloss führte. Letztendlich überließ Victor Amadeus König Jérôme das Rotenburger Palais in Kassel und wurde von ihm dafür als Prinz bestätigt.

Laut Beschluss des Wiener Kongresses und des 1815 zwischen Preußen und Kurhessen geschlossenen Vertrages hatte Preußen im Austausch gegen das Großherzogtum Fulda das rechtsrheinische Gebiet der Niedergrafschaft Katzenelnbogen, das 1816 von Preußen an Nassau abgetreten wurde, und die Herrschaft Plesse samt Kloster Höckelheim und dem Amt Neuengleichen erhalten, die nachfolgend an Hannover abgetreten wurden. Victor Amadeus war dem preußisch-hessischen Vertrag beigetreten und hatte dafür eine Entschädigungsgarantie des preußischen Königs erhalten. Da eine Territorialentschädigung innerhalb Kurhessens nicht durchzusetzen war, hatte Victor Amadeus unter der Voraussetzung der Allodifizierung eingewilligt, eine Herrschaft unter preußischer Oberhoheit anzunehmen. Neben den 1820 von Preußen übereigneten Domänen im vormaligen Stift Corvey kaufte Victor Amadeus von Kurfürst Wilhelm II. für 1.255.600 Taler das säkularisierte Zisterzienserkloster Rauden in Oberschlesien samt den ehemaligen Stiftsgütern in und um Ratibor, die der damalige Kurprinz 1812 erworben hatte, und wurde vom preußischen König 1821 zum Mediat-Herzog von Ratibor ernannt. Zusätzlich wurde die Allodifikation des hessen-rotenburgischen Anteils an der Ganerbenschaft Treffurt bewilligt, eine Schuld von 45.500 Talern erlassen und die Rente aus dem Rheinschifffahrtszoll von Preußen mit 312.500 Talern abgelöst.

Schon 1799 hatte Victor Amadeus mit Dispens des Prager Erzbischofs die ihm im zweiten Grad verwandte Prinzessin Leopoldine von Fürstenberg geheiratet, die keine Kinder bekam und 1806 noch vor Abschluss des bereits eingeleiteten Scheidungsverfahrens verstarb. Auch die Zweitehe mit Prinzessin Elisabeth von Hohenlohe-Langenburg blieb, wenn man von einer tot geborenen Tochter absieht, kinderlos. Ein Jahr nach Elisabeths Tod ehelichte der inzwischen 52jährige Witwer, um den Fortbestand seiner Linie besorgt, 1831 die zwei Jahrzehnte jüngere Prinzessin Eleonore von Salm. Als er nur drei Jahre später auf Schloss Zembowitz bei Ratibor verstorben und in der Fürstengruft zu Rauden beigesetzt worden war, erklärte die Witwe tatsächlich, sie sei schwanger und erwarte die Geburt eines Posthumus. Um eine befürchtete Kindesunterschiebung zu verhindern, ließ sie der Kasseler Regent Friedrich Wilhelm mit Militäreinsatz nach Rotenburg holen und dort solange von einer sogenannten Windelwache kontrollieren, bis die Witwe, der ständigen Überwachung müde, eingestand, dass die Schwangerschaft nur vorgetäuscht war.

Damit war klar, dass die Linie Hessen-Rotenburg erloschen und der Hausbesitz innerhalb des Kurfürstentums an die Hauptlinie heimgefallen war. Der Allodialbesitz ging – nicht ohne Protest und rechtliche Anfechtung aus Kassel – an die Erben der zweiten Frau des Landgrafen, Prinz Victor (1818–1893) und seinen Bruder Chlodwig zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst (1819–1901), letzterer der spätere bayerische Ministerpräsident und deutsche Reichskanzler. Landgräfin Eleonora überlebte ihren Mann um siebzehn Jahre und starb 1851 in der Nähe von Brünn nach einem Sturz aus dem Wagen.

Uta Löwenstein

(Text identisch mit: Franz, Das Haus Hessen, S. 225-227)

Citation
„Hessen-Rotenburg, Victor Amadeus Landgraf von“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/189532912> (Stand: 13.10.2020)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde