Hessian World War I Primary Sources

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↑ Johannes Struckmann, Mobilmachung und erste Kriegswochen des Thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6 aus Hanau
Abschnitt 12: Abschnitt 12
◀ [66] Nicht immer gingen die Zusammenstöße mit dem Feinde so glimpflich ab. In einem Gefecht der sich zusammenschließenden Patrouillen des Leutnants von Ibell, des Sergt. Vackert der 4. Esk. und des Untfz. der Res. Israel der 2. Esk. (als Fliegeroffizier am 30. 5. 1918 den Heldentod gestorben) mit französischen 2. Husaren bei Vauce am 13. August fiel der Ulan Schlingloff der 2. Esk. Der Gefr. Bloch, Ulan Gerhardt II. der 2. Esk., die Ulanen Kemmerzell, Böttcher und Weil der 4. Esk. wurden verwundet. Vier französische Husarenpferde wurden hierbei erbeutet.
Am 14. August abends erhielt die 2. Esk. unter Rittmeister Freiherr Hiller von Gaertringen, verstärkt durch einen Zug des Jnf.-Regts. 88 unter Leutnant Herpel auf Automobilen, den Auftrag bis in die Gegend nördlich NeufchLteau vorzustoßen, zur genauen Erkundung der Wege und Straßen für den Vormarsch. Dieser erste frischfröhliche Ritt einer der Ulaneneskadrons entbehrte durch die ungewohnte Beigabe der Autos mit je 6 strammen Musketieren nicht des Humors. Die Autos waren in Arlon in Eile aufgetrieben, doch mangelte es z. T. an geeigneten Chauffeuren, da man doch nicht gut auch die belgischen Chauffeure mitrequirieren konnte. Zum Glück befanden sich in der Eskadron zwei geübte Autoführer, Leutnant Borgnis und Vizewachtmeister der Res. Hauck, die dann auch bald den Führersitz zweier Autos einnahmen. Nachdem nach etwa 20 Klm. Marsch zwei der Wagen endgültig gestreikt und die insitzenden Infanteristen unter Führung eines tüchtigen Ulanengefreiten den vorzeitigen Rückmarsch angetreten hatten, funktionierte mit den anderen fünf Autos die Sache aber gut. Sprungweise ging es vor, wobei einer aus den anderen wartete, denn die Beine der braven Ulanenpferde konnten sich ebensowenig dem Tempo der Autos anpassen, wie umgekehrt die Autos keine Schrittreprisen einlegen konnten. So wurde die Infanterie für die Unternehmung zu einer recht wirksamen Vermehrung der Feuerkraft der Eskadron. Am 14. um 3 Uhr morgens wurde der Ritt angetreten und ging über Attert—Martelange—Fauvillers bis zu einem Waldstück südlich der Straße Fraimont—Ehene. Von hier aus wurden mittags Patrouillen zur Erkundung des Wege- und Straßennetzes entsandt.
Merkwürdigerweise wurde die Tätigkeit der Eskadron vom Feinde, von dem starke Kavallerie in und um NeufchLteau festgestellt war, nicht gestört. Nur die Patrouille des Leutnant Arnolds (am 29. 8. 1914 beim Verfolgungs-gefecht der 2. Eskadron in der Vorhut des Regiments in Chemery durch Hals- schuß gefallen) erhielt am Bahnhof Longlier heftiges Feuer. Der schwer ver-wundete und nicht transportfähige Ulan Müller III (Heinrich) mußte in einem Bauernhof zurückgelassen werden, wo er gut behandelt wurde. Er hatte das Glück, nach dem siegreichen Vormarsch der folgenden Tage in einem deutschen Feldlazarette Aufnahme zu finden. Zur Nacht ging die Eskadron nach Fauvillers. Die Infanterie übernahm die Sicherung des Ortes. ▶
| Persons: | Struckmann, Johannes |
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| Keywords: | Thüringisches Ulanen-Regiment Nr. 6 · Ulanen-Regiment Nr. 6 |
| Recommended Citation: | „Johannes Struckmann, Mobilmachung und erste Kriegswochen des Thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6 aus Hanau, Abschnitt 12: Abschnitt 12“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/en/purl/resolve/subject/qhg/id/91-12> (aufgerufen am 05.05.2026) |
