Hessian World War I Primary Sources

Contents
- 10.9.1914: Brief des Joseph Preis an seine Mutter
- ...
- 28.4.1915: Brief der Mutter an Joseph Preis
- Anf. Mai 1915: Brief der Mutter an Joseph Preis
- 1.5.1915: Brief der Mutter anJoseph Preis
- 5.5.1915: Brief der Mutter an Joseph Preis
- 24.5.1915: Brief eines Neffen an Anna Gertrud Preis
- 2.6.1915: Brief des Jägers Krähling aus Langensalza
- 15.5.1915: Brief des Pfarrers aus Gau-Odernheim
- 15.5.1915: Brief des Präses Kaiser in Dinsheim
- Zurückgekommene Briefe der Mutter
Illustrations
↑ Briefwechsel des Roßdorfer Musketiers Joseph Preis mit seiner Mutter, 1914-1915
Abschnitt 25: 15.5.1915: Brief des Pfarrers aus Gau-Odernheim
◀ (16) Gau - Odernheim, den 15. V. 1915
Liebe Frau Preis !
Schmerzerfüllt über die mir gewordene traurige Mitteilung von dem Heimgange Ihres lieben und guten Sohnes Joseph, beeile ich mich Ihnen meine aufrichtige und innige Anteilnahme auszusprechen. Ich verstehe die Größe Ihres Schmerzes und bringe Ihnen mein herzlichstes Mitgefühl entgegen. Täglich gedenke ich Ihrer am Altar, damit der liebe Gott Sie in Ihrem herben Leid und bitteren Weh trösten möge, mit seiner Gnade werden Sie auch diesen Schmerz ertragen und gottergeben die heiligen Ratschlüsse Gottes, die uns unerforschlich sind, anbeten.
Mögen Sie mit dem geduldigen Job ausrufen: „ Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen, der Name des Herrn sei gebenedeit. " Möge Sie der Gedanke und das Bewußtsein trösten, daß der gute Joseph nicht bloß den Heldentod, sondern als braver frommer Katholik zugleich den Märtyrertod gestorben ist. Durfte er auch nicht in den Armen seiner treubesorgten guten Mutter sterben in der irdischen Heimat - dafür ruht er jetzt aus in der ewigen Heimat am Vaterherzen Gottes und genießt den Lohn in der ewigen Glückseligkeit für ein frommes gottseliges Leben. Kann er hier auf Erden seine gute liebe Mutter nicht mehr trösten, dann tut er es vom Himmel aus und fleht am Throne Gottes für Sie himmlischen Trost. Nichtsdestoweniger wollen wir fleißig für ihn beten und seine lieben Angehörigen mit einschließen.
Heute habe ich das I. Feierliche Requiem mit Tumba etc. für den in Gott ruhenden Joseph gehalten. Die mir von Ihnen zugesandten Gelder (25 und 50 M.) werden alle so verwendet, wie Sie es bestimmt haben.
Als ich am Sonntag den Leuten auf der Kanzel den Tod Josephs mitteilte, haben alle geweint. Die ganze Pfarrgemeinde nimmt innigen Anteil.
Wegen der Einquartierung (ich habe 3 Mann) wie den anderen Arbeiten konnte ich Ihnen nicht eher schreiben. Im Sommer werde ich Sie ganz gewiß besuchen. Sollten Sie vorher hierher kommen, so sind Sie mir jederzeit herzlich willkommen und mein Haus mit meiner Gastfreundschaft steht Ihnen stets offen. Schreiben Sie mir bald wieder.
Mit herzlichem Gruß und Segen bin ich in inniger Teilnahme Ihr ergebendster
Frz. Schreiner, Pfarrer. ▶
| Persons: | Preis, Joseph · Preis, Anna |
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| Recommended Citation: | „Briefwechsel des Roßdorfer Musketiers Joseph Preis mit seiner Mutter, 1914-1915, Abschnitt 25: 15.5.1915: Brief des Pfarrers aus Gau-Odernheim“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/en/purl/resolve/subject/qhg/id/74-25> (aufgerufen am 06.05.2026) |


