Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Gembeck

Ortsteil · 375 m über NN
Gemeinde Twistetal, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

9 km nordöstlich von Korbach

Lage und Verkehrslage:

Dorf mit einfachem Grundriss und geringer Siedlungsdichte an der Nebenstraße Korbach-Vasbeck (L 3297) im Tal der zur Twiste fließenden Gembecke. Kirche in der Mitte des Ortes

Ersterwähnung:

1011

Weitere Namen:

  • Nieder-Gembeck
  • Niedergembeck

Siedlungsentwicklung:

In den älteren Quellen ist unter Gembeck das heutige Dorf Gembeck zu verstehen, das bisweilen auch als Niedergembeck bezeichnet wird. Obergembeck ist hingegen eine spätere Meierei, die im 15. Jahrhundert greifbar wird.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • predium (1100)
  • curtis; villa (1137)
  • villula (1182)
  • villa (13. Jahrhundert)
  • Dorp (1463)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • In den älteren Quellen ist unter Gembeck das heutige Dorf Gembeck zu verstehen, das bisweilen auch als Niedergembeck bezeichnet wird. Obergembeck ist hingegen eine spätere Meierei, die im 15. Jahrhundert greifbar wird.

Älteste Gemarkungskarte:

1854

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3492969, 5691043
UTM: 32 U 492898 5689207
WGS84: 51.35408565° N, 8.898008663° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635018030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1895 (Hektar): 1034
  • 1961 (Hektar): 1035, davon 489 Wald (= 47.25 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1541: 12 Häuser
  • 1620: 16 Häuser
  • 1650: 4 Häuser
  • 1738: 19 Häuser
  • 1770: 23 Häuser, 173 Einwohner
  • 1895: 292, davon 286 evangelisch (= 97.95 %), 6 katholisch (= 2.05 %)
  • 1961: 360, davon 334 evangelisch (= 92.78 %), 21 katholisch (= 5.83 %)

Diagramme:

Gembeck: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1182: Klostervogtei Arolsen
  • 1538: Grafschaft Waldeck, Amt Mengeringhausen
  • 1712: Fürstentum Waldeck, Amt Arolsen
  • 1755/57: Fürstentum Waldeck, Amt Arolsen
  • bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Arolsen
  • 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt der Diemel (Sitz in Arolsen)
  • 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt der Twiste (Sitz in Arolsen)
  • 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis der Twiste (Sitz bis 1857 in Mengeringhausen, dann in Arolsen)
  • 1919-1929: Freistaat Waldeck, Kreis der Twiste
  • 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis der Twiste
  • 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Waldeck

Gericht:

  • 1512: Freistuhl Landau
  • 1537: Freigericht Mengeringhausen; der Graf von Waldeck hat das Bauergericht inne
  • 1816: Oberjustizamt der Twiste (Sitz in Arolsen)
  • 1850: Kreisgericht Arolsen
  • 1868/69: Amtsgericht Arolsen

Herrschaft:

Durch umfassende Besitzerwerbungen des Klosters Flechtdorf (vgl. Besitz) gelingt es den Grafen von Waldeck erst vergleichsweise spät in Konkurrenz gegen die Abtei Corvey ihre Herrschaft über Gembeck durchzusetzen. 1463 schliesst Graf Otto IV. von Waldeck mit dem Kloster Flechtdorf einen Vertrag über die beiden Dörfer Gembeck, wonach die dortigen Klostergüter frei und unbeschwert von allen Diensten sein sollen. 1483 belehnt der Graf von Waldeck seine getreuen Diener Hermann von Twiste und Hermann Schreiber mit Dorf und Mark Gembeck.

Gemeindeentwicklung:

Seit dem 1.1.1974 ist Gembeck Teil der Gemeinde Twistetal, deren Gemeindeverwaltung sich in Twiste befindet.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1011 verleiht König Heinrich II. der bischöflichen Kirche in Paderborn die Grafschaft des verstorbenen Hahold mit dem darin befindlichen Gembeck. Nach der Corveyer Heberolle werden zum Anfang des 11. Jahrhunderts aus dem zur Villikation Twiste gehörenden Gembeck Zinsen gezahlt (Kaminsky, Reichsabtei Corvey, S. 36).
  • Ein Gut in Gembeck gehört zur Gründungsausstattung des Klosters Flechtdorf. Bis zum Jahre 1120 kann der Besitz um zwei Vorwerke und eine Hufe vermehrt werden. 1137 gibt Flechtdorf einen Hof in Gembeck im Tausch an das Kloster Corvey. In den folgenden Jahrhunderten gelingt es dem Kloster, seinen Besitzstand in Gembeck durch Erwerb, Tausch oder Schenkung zu vermehren. Hierzu zählten Güter der Edlen von Gudenberg (1228, 1240) und von Escheberg (1285, 1294). Eine Intensivierung der Besitzarrondierung erfolgt im 15. Jahrhundert, u.a. durch den Erwerb des Eigenhofes von Kloster Volkhardingehauen 1452 und eines halben Hofes der Herren von Dalwig 1456.
  • 1182 bestätigte Papst Lucius III. dem Kloster Arolsen seine Besitzungen u.a. in Gembeck. 1456 verkaufen Propst und Konvent des Klosters Arolsen wiederkäuflich an Kloster Flechtorf ein Gut in Gembeck für zehn Gulden.
  • Nach der Einführung der Reformation befinden sich in Gembeck adlige Güter der von Hessinghausen, genannt Schreiber, und der von Horhusen, genannt von Twiste.

Zehntverhältnisse:

In einem im 13. Jahrhundert in den Liber vitae der Abtei Corvey eingetragenen Verzeichnis wird Gembeck als Zehntbesitz der Abtei aufgeführt. Im 14. und 15. Jahrhundert sind die von Horhusen mit dem Zehnten von Corvey belehnt. 1473 verpfändet Johann von Horhusen seinen ganzen Zehnten zu Niedergembeck für 70 Gulden dem Kloster Flechtdorf, 1482 schenkt er ihm den Kloster zu ewigem Besitz.

1537 haben die Herren von Twiste den Zehnten von der Abtei Corvey zu Lehen.

1574 belehnt der Abt von Corvey den Johann von Hessinghausen mit dem Zehnten. 1624 gelangt der Zehnte durch einen Gütertausch mit Corvey in den Besitz der Grafen von Waldeck.

Ortsadel:

1240

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1194: ecclesia
  • Romanischer Kirchbau aus kurzem Schiff mit eingezogenem quadratischen Chor. 1457 und Mitte des 17. Jahrhunderts Wiederaufbau nach Beschädigungen. 1957/58 neugestaltet, 2006 renoviert

Patrozinien:

  • Maria; Johannes evangelista; Katharina; Antonius; Erasmus

Pfarrzugehörigkeit:

Anfang des 16. Jahrhunderts selbstständige Pfarrei, 1954 und 1966 Filial von Mühlhausen, jedoch von Vasbeck aus versehen. Nach Auflösung der Pfarrstelle Mühlhausen 1970 Filialgemeinde des Kirchspiels Vasbeck

Patronat:

Patron war der Abt von Flechtdorf, noch im 16. Jahrhundert wird es der Graf von Waldeck

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Grafschaft Waldeck ab 1526.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Mainzer Kirchenprovinz, Diözese Paderborn, Archidiakonat Horhausen (Niedermarsberg)

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Gembeck, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1543> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde