Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Viermünden

Stadtteil · 280 m über NN
Gemeinde Frankenberg (Eder), Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

5 km nordöstlich von Frankenberg

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaften, gewachsenen Grundrissmerkmalen und geringer Siedlungsdichte am linken Zufluss von zwei Bächen in die Eder. Kirche in zentraler Lage. Östlich des Ortes auf der anderen Seite der Eder verläuft die Bundesstraße 252. Verbindungsstraßen führen nach Schreufa und Oberorke.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Korbach – Arfeld ("Edertalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.5.1900) bis zur Stilllegung der Strecke 1993.

Ersterwähnung:

850

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (994)
  • predium (1016)
  • Dorf (1577)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1903

Älteste Gemarkungskarte:

1875-1904

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3488080, 5662981
UTM: 32 U 488011 5661156
WGS84: 51.10176745° N, 8.828762826° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635011110

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1173, davon 475 Acker (= 40.49 %), 155 Wiesen (= 13.21 %), 390 Holzungen (= 33.25 %)
  • 1928: Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Treisbach
  • 1961 (Hektar): 1174, davon 104 Wald (= 8.86 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 46 Hausgesesse
  • 1747: 63 Haushaltungen
  • 1885: 456, davon 456 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1961: 698, davon 593 evangelisch (= 84.96 %), 100 katholisch (= 14.33 %)

Diagramme:

Viermünden: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 850: in provincia quam Hessi inhabitant
  • 994: Hessengau (in comitatu Thancmari comitis et in pago Hassiae situm)
  • 1016: zwei Gerichtstermine jährl. (duo legitima placita)
  • 1341: medietatem jurisdictionis in V.
  • 1377: Gericht Viermünden
  • 1577: Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Frankenberg-Wolkersdorf, Gericht Viermünden
  • 1754-1786: Verwaltet durch den Rentmeister von Hessenstein
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Oberhessen, Amt Frankenberg
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Oberhessen, Amt Frankenberg
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Werradépartement, Distrikt Marburg, Kanton Frankenau
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Oberhessen, Amt Frankenberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Frankenberg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Frankenberg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Frankenberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Frankenberg

Gericht:

  • 1016: Sitz des Gerichts Viermünden (zum Umfang s. Mittelpunktfunktion)
  • Hauptort und Sitz des Gerichts Viermünden
  • 1535 hat das Gericht Viermünden seinen Oberhof in Frankenberg. Zuständig für hohe und niedere Gerichtsbarkeit
  • 1810: Friedensgericht Frankenau
  • 1821: Justizamt Frankenberg
  • 1832: Justizamt Frankenau
  • 1853: Justizamt Frankenberg
  • 1867: Amtsgericht Frankenberg

Herrschaft:

In den Fuldaer Traditionen ist schon im 9. Jahrhundert Reichsgut nachweisbar, das als Grundlage der Vogtei derer von Keseberg dient. Um 1324 gelangt das Gericht durch Adoption von Widekind von Keseberg an dessen Schwiegersohn Volpert von Hohenfels. Von seinen Erben gelangen durch Verpfändung und Verkauf ein Teil des Gerichts an die Ortsadligen von Viermünden (1341-1382), der andere an die von Dersch (1453-1487). Der Versuch derer von Dersch, das ganze Gericht in ihre Hand zu bekommen, führt im 16. Jahrhundert zu einem Streit der beiden Lehnsherren Nassau und Hessen. Ein Vergleich von 1575 spricht Hessen die Lehenshoheit über das Gesamtgericht zu.

Nachdem die Landgrafen 1588 die Hälfte derer von Viermünden eingezogen haben, fällt ihnen mit dem Aussterben derer von Dersch 1717 auch deren Anteil anheim. Von 1719-22 ist das Gericht im Besitz der landgräflichen Maitresse Marquise de Langallerie, dann ein von Dalwigksches Lehen, bis es 1754 erneut heimfiel.

Von nun an Staatsdomäne, wurde Viermünden 1784-86 den Landgrafen aus der Linie Hessen-Rumpenheim übertragen. Von diesen wurde die Oberförsterei 1927 an den Landkreis Frankenberg verkauft.

Gemeindeentwicklung:

Seit dem 31.12.1970 gehört Viermünden als Stadtteil zur Stadtgemeinde Frankenberg.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 850 überträgt Gozmar dem Kloster Fulda seinen Besitz in Viermünden. König Otto III. schenkt 994 dem Kleriker Burchard eine Hufe, die vorher Graf Hermann als Lehen innehatte, sowie zwei Hörige mit ihren Familien.
  • Bischof Burchard von Worms schenkt 1016 dem Kloster Nonnenmünster bei Worms seine Güter in Viermünden.
  • Nach 1144 ergänzt Graf Poppo zu Reichenbach die Ausstattung des neu gegründeten Kloster Aulesburg, später Haina um Güter in Viermünden. 1215 bestätigt der Mainzer Erzbischof Siegfried dem Kloster Haina den Besitz in Viermünden. Um 1263 verkauft Widekind Vogt von Keseberg mit Zustimmung seiner Brüder Güter in Viermünden an Abt und Konvent von des Klosters Georgenberg bei Frankenberg. 1266 überlässt Graf Gottfried V. von Ziegenhain zu seinem Seelenheil Rechte an Einkünften in dem Dorf Viermünden demselben Kloster.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1298: plebanus von Viermünden
  • 1376: Kirche (Klosterarchive 6: Kloster Haina, Bd. 2,1, S.293-294, Nr. 751)
  • Ursprünglich vermutlich frühromanische Basilika mit Haupt- und nördlichem Seitenschiff; 1671 Grabgruft derer von Dersch angelegt. Umfassende Umbauarbeiten 1770-1780.

Patrozinien:

  • Petrus

Pfarrzugehörigkeit:

Mittelalterliche Pfarrei, von der 1555 und später Oberorke Fililagemeinde ist. 1577: Schreufa, zugehörige Kapelle seit 1558 erwähnt. 1780 ist Treisbach eingepfarrt. 1871 ist Oberorke Filial, eingepfarrt sind Ederbringhausen, Niederorke, Hommershausen und Schreufa. 1925 und später sind Oberorke und Ederbringhausen Filialgemeinden

Patronat:

1312: Stift Wetter

1527: Landgrafen von Hessen

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Wiedenhofer 1531-1564

Die Pfarrei wurde 1527-1529 von dem Frankenberger Diakon Nikolaus Groll und 1529-1530 von dem Frankenauer Pfarrer Conrad Hahn versehen.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Geismar

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1016 gehörten zum Gericht Viermünden neben dem Ort Viermünden selbst die Nachbarorte Hommershausen, Orke, Schreufa, Treisbach sowie einige Wüstungen. 1393 werden als zugehörig genannt: Viermünden, Ober-Schreufa, (Nieder-) Schreufa, Ober-Orke, Allershausen, Treisbach, Hof und Wüstung Elkershausen, genannt Breidenhain sowie die zwei Mühlen auf den Nune. 1571 besteht das Gericht nur noch aus Viermünden, Schreufa und Ober-Orke.

Mühlen:

Im Osten der Ortsgemarkung an einem von der Eder abgezweigten Mühlkanal befindet sich eine Mühle, deren Anfänge bis ins 16. Jahrhundert reichen.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Viermünden, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1433> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde