Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Simmersbach

Ortsteil · 370 m über NN
Gemeinde Eschenburg, Lahn-Dill-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

11 km nordöstlich von Dillenburg

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss und dichter Gehöftanordnung im Talschluss des Simmersbachs. Wehrhafte Chorturmkirche in zentraler, erhöhter Lage. Moderne Bebauung im Norden und Westen des Ortes. Durch den Ort führt die B 253. Ein alter Höhenweg vom Niederrhein nach Thüringen führte auf der Lahn-Dill-Wasserscheide nordöstlich an Simmersbach vorbei.

Ersterwähnung:

1323

Historische Namensformen:

  • Symmersbach, von (1323) [Siegener Urkundenbuch 1, S. 96, Nr. 155)
  • Symmerßbach (1339) [Kopiar; Staw 171 Nr. Z 813 Heldmann Nr. 91]
  • Smerbach (1398) (anders Lennarz S. 21, der die Namensform mit einer weiter nicht bekannten Wüstung Smerbach in Verbindung bringt)
  • Simmerspach (1630)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3456372, 5632010
UTM: 32 U 456315 5630197
WGS84: 50.82184873° N, 8.379807279° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

532009050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 2909, davon 1642 Acker (= 56.45 %), 487 Wiesen (= 16.74 %), 623 Wald (= 21.42 %)
  • 1885 (Hektar): 722, davon 157 Ackerland (= 21.75 %), 129 Wiesen (= 17.87 %), 176 Holz (= 24.38 %)
  • 1961 (Hektar): 722, davon 201 Wald (= 27.84 %)
  • Umlegung: 1872/77
  • Älteste Gemarkungskarte: 1826/28

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 29
  • 1630: 23 Hausgesesse
  • 1677: 21 Männer, 2 Witwen, 2 Jungmannschaften, 8 ledige Mannschaften
  • 1742: 48 Haushalte
  • 1830: 369 evangelische Einwohner
  • 1885: 428 evangelisch, 0 katholisch
  • 1961: 964, davon 905 evangelisch (= 93.88 %), 49 katholisch (= 5.08 %)
  • 1970: 1070Einwohner
  • Um 1480: 18 nassauische Eigenleute

Diagramme:

Simmersbach: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1502: Gericht Lixfeld
  • 1577: Gericht Lixfeld
  • 1821-1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Gladenbach
  • 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (Umbenennung)
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg
  • 1933: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Biedenkopf
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Dillkreis
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis

Altkreis:

Biedenkopf

Gericht:

  • 1821: Landgericht Gladenbach
  • 1851: Landgericht Biedenkopf
  • 1867: Amtsgericht Biedenkopf

Herrschaft:

1502 und noch 1531 beanspruchen die Grafen von Nassau die Landeshoheit in dem unterhalb des Weigelsbornes gelegenen Teil des Dorfes.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.7.1974 im Zuge der hessischen Gebietsreform der neu gebildeten Gemeinde Eschenburg eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1339 ist der Zehnte in Simmersbach nassau-dillenburgisches Lehen der von Hohenfels
  • 1516 löst Ludwig von Hohenfels den Zehnten zu Simmersbach für 100 Goldgulden von den Grafen von Nassau.
  • 1577 in nassauischen Besitz
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Im 16. Jahrhundert als Pfarrei bestehend (ohne Beidörfer)

Pfarrzugehörigkeit:

1628 bis 1. Hälfte 18. Jahrhundert und seit 1954: Filiale Roth eingepfarrt

Patronat:

Bis 1582 von Hohenfels (Todesjahr von Johanns von Hohenfels), seitdem landgräflich

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Georg Becker vor 1570 bis ca. 1573

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Breidenbach

Kultur

Historische Ereignisse:

Bei der so genannten Philippsbuche am Staffelböll (536 m) nordöstlich Simmerbachs wurde 1910 ein Gedenkstein (Philippstein) zur Erinnerung an die Rückkehr Philipps des Großmütigen aus seiner fünfjährigen Gefangenschaft in den Niederlanden errichtet. Am Staffelböll hatte Philipp auf seinem Heimritt von Mecheln über Jülich, Köln und Siegen zuerst wieder hessischen Boden betreten.

Wirtschaft

Wirtschaft:

1630 befinden sich in und bei Simmersbach 3 Mühlen; 2 jeweils mit 1 Mahlgang; 1 mit Mahl- und Schlaggang. 1830: 2 Mühlen, davon 1 mit Schlaggang. 1854: 1 Mühle (ca. 1 km südlich des Ortes am Simmersbach; heute verschwunden). 1830 und 1854 werden in der Gemeinde Schiefersteine gebrochen (Schiefergrube Wolfsschlucht am östlichen Gemeinderand)

1630: 2 zweispännige, 14 einspännige Ackerländer, 7 Einläufige. (einschließlich Witwen). 1867 (Erwerbspersonen): 76 Landwirtschaft, 1 Forstwirtschaft, 4 Bergbau und Hüttenwesen, 18 Gewerbe und Industrie, 4 Verkehr, 1 Erziehung und Unterricht, 1 Kirche und Gottesdienst, 3 Gemeindeverwaltung. 1961 (Erwerbspersonen): 218 Land- und Forstwirtschaft, 265 produzierendes Gewerbe, 31 Handel und Verkehr, 29 Dienstleistungen und sonstiges

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Simmersbach, Lahn-Dill-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/7990> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde