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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 51. Gilserberg

Heimbach

Ortsteil · 315 m über NN
Gemeinde Gilserberg, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Gerichtsplatz

Lagebezug:

16 km westlich von Ziegenhain

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss, das sich vom auslaufenden Nordhang des Burgberges (s. u. Raubenburg) bis in die Talniederung des Heimbachs zieht. Kirche auf einem Geländeabsatz im sogenannten Oberdorf.

Straße von Schiffelbach trifft westlich des Ortes in zwei Strängen auf die Bundesstraße 3 (alte Landstraße Frankfurt (Main) - Kassel).

Ersterwähnung:

1243

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa 1360/67 (S 635 ZU II).

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Wüstung Raubenburg (Heimburg),
  • Wüstung Heisterscheid.

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1924/1956

Älteste Gemarkungskarte:

1755

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3500513, 5644031
UTM: 32 U 500439 5642213
WGS84: 50.93155217° N, 9.006241263° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634006030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 532 stellbares Land, 154 Wiesen, 18 Gärten, 136 Triesche.
  • 1885 (Hektar): 370, davon 135 Acker (= 36.49 %), 38 Wiesen (= 10.27 %), 157 Holzungen (= 42.43 %)
  • 1961 (Hektar): 394, davon 159 Wald (= 40.36 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 20 (Hausgesesse?).
  • 1630: 8 Einläufige genannt.
  • 1639: keine Angaben.
  • 1681: 7 Hausgesesse.
  • 1747: 26 Hausgesesse.
  • 1838 (Familien): 18 Ackerbau, 2 Gewerbe, 5 Tagelöhner.
  • 1838: 166, 1885: 134 Einwohner.
  • 1861: 154 evangelisch-reformierte Einwohner, 1 evangelisch-lutherischer Einwohner.
  • 1885: 134, davon 134 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1925: 138, 1939: 131, 1950: 177, 1961: 126 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 57 Land- und Forstwirtschaft, 10 produzierendes Gewerbe, 6 Handel und Verkehr, 3 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 126, davon 122 evangelisch (= 96.83 %), 2 katholisch (= 1.59 %)

Diagramme:

Heimbach: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1276: fuldische bzw. hersfeldische Vogtei Wohra der Grafen von Ziegenhain (Klosterarchiv V Nr. 642)
  • 1312 und 1319: Gericht Heimbach
  • 1364 und noch 1538: Amt Gemünden/Wohra
  • 1556 und später: Amt Schönstein
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Gemünden
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Treysa
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

  • 1822: Justizamt Treysa.
  • Seit 1867: Amtsgericht Treysa.
  • 1933-1943: Amtsgericht Gemünden.
  • 1943-1968: Amtsgericht Kirchhain.
  • Seit 1968: Amtsgericht Treysa.
  • Gericht Heimbach:
  • 1312 und 1319 bildet Heimbach ein eigenes Gericht, das sich die von Heimbach und deren Ganerben auch nach Verkauf des größten Teils ihres örtlichen Besitzes an Kloster Haina (vgl. Besitz) diesem gegenüber ausdrücklich vorbehalten.
  • Vor 1357 ist das Gericht zur Hälfte mainzisches Mannlehen Ritter Johannes von Heimbach, 1357 Graf Johanns VII. von Ziegenhain.
  • Die andere Hälfte des Gericht dürfte schon zuvor in ziegenhainischen Besitz gegangen sein; denn 1358 bezeichnet Graf Gottfried Heimbach als sein Dorf.
  • 1424 ist Heimbach an die von Schutzbar verpfändet.
  • 1528 versetzt der Landgraf Heimbach an Philipp Riedesel zu Josbach; die riedeselischen Untertanen sollen in Rechtssachen an das landgräfliche Gericht zu Gemünden gehen.
  • villicus 1312 (Weiss S. 182).

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden zur neuen Gemeinde Gilserberg zusammengeschlossen, deren Ortsteil Heimbach wurde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1243 verzichtet Widukind von Naumburg auf alle Ansprüche gegen Kloster Haina wegen Gütern in Heimbach.
  • 1268 erwirbt Haina von Ritter Rudolf genannt von Marburg dessen sämtliche Güter im Dorf Heimbach.
  • 1276 bestätigen die Grafen von Ziegenhain Kloster Haina den Besitz seiner durch Kauf, Tausch, Vermächtnis oder auf andere Art erworbenen Güter in Heimbach, die in ihrer Vogtei Wohra gelegen sind.
  • 1289 verzichtet Konrad von Heimbach auf sämtliche Ansprüche wegen aller Güter zu Heimbach, die seine Eltern mit Zustimmung ihrer Miterben dem Kloster Haina übergeben hatten. Seiner Mutter wird der lebenslängliche Besitz ihrer Güter wie bisher bestätigt.
  • 1301 übereignet der mit den von Heimbach verschwägerte Ritter Kraft von Hatzfeld dem Kloster Haina seine Rechte im Dorf Heimbach.
  • 1307 bestätigt Adelheid, Witwe des Ritters und Konversen zu Haina, Bruno von Heimbach, die vor mehr als 30 Jahren durch Bruno und sie selbst zu gesamter Hand mit Brunos verstorbenen Brüdern und mit Zustimmung ihrer Söhne gemachte Schenkung ihrer sämtlichen Güter in Dorf und Gemarkung Heimbach an Kloster Haina, von dem sie die Güter gegen Zins zu Landsiedelrecht innehat.
  • 1312 und 1319: Erneute Verzichtleistung der von Heimbach; ausgenommen bleiben jedoch das Gericht über das Dorf (vgl. Gericht), ihre Leibeigenen, deren Waldrecht sie jedoch nach dem Tod der Leute nicht beanspruchen dürfen, sowie 3 Hufen, die sie einigen Leuten mit dem Waldrecht abgekauft haben; sie dürfen diese 3 Hufen bewohnen, versprechen jedoch, darauf kein befestigtes Gebäude zu errichten und auch künftig weder Güter noch Waldrecht in der Gemarkung zu kaufen oder anzunehmen. Nach dem Tod Ritter Konrads von Heimbach oder seiner Frau Adelheid soll eine der Hufen zu ihrem Seelenheil dem Kloster zufallen. Die Aussteller geloben, das Kloster im Besitz aller Güter, Zehnten, Hörigen und Gerichtbarkeiten, die es von ihnen oder ihren Vorfahren erworben hat, zu fördern, und verzichten auf alle Ansprüche gegen das Kloster, vor allem wegen einer Pfründe, die der ehemalige Klosterkellner Eckehard von Gerwigshain angeblich ihrer Tochter versprochen hatte.
  • 1360/67 beziehen die Grafen von Ziegenhain Einkünfte von 24 1/2 Hufen in Heimbach.
  • 1576 waren 24 Hufen landgräflich.
  • 1630 umfassen die den Landgrafen zu leistenden Frondienste in Heimbach 1 1/2 Wagen (Fuhren).
  • Einen freien Hof zu Heimbach besaßen 1569 die Klauer (S 59).

Zehntverhältnisse:

Der Zehnte zu Heimbach war vor 1264 reichenbachisches Lehen der von Nordeck und ihrer Ganerben, der Schenken von Schweinsberg. Diese verkaufen mit Einwilligung Graf Gottfrieds von Reichenbach ihren Anteil von 2 Dritteln des Zehnten an Kloster Haina.

1268 verzichtet Graf Gottfried auf alle Ansprüche am Zehnten zu Heimbach,

1269 schließlich auch Guntram Schenk zu Schweinsberg.

Ortsadel:

1257-1354.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1312: plebanus(Klosterarchiv VI Nr. 196).

Pfarrzugehörigkeit:

Noch 1557 Pfarrei (S 591).

1569 und später: Filiale von Sachsenhausen.

1624-1673: Filiale von Josbach, dann wieder Filiale von Sachsenhausen.

1868-1872 und 1893-1903: Filiale des Vikariats Lischeid.

Seit 1903: Filiale von Lischeid.

Patronat:

Der Patronat der Pfarrei war 1556 landgräflich.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Grüßen

Juden:

Flurname Judenkirchhof 0,3 km nördlich des Ortes.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Heimbach, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4609> (Stand: 16.10.2018)
 
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