Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Nieder-Roden

Stadtteil
Gemeinde Rodgau, Landkreis Offenbach 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

8,5 km südwestlich von Seligenstadt

Lage und Verkehrslage:

Bahnhof der Eisenbahnlinie Offenbach am Main – Reinheim ("Rodgaubahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.10.1896).

Historische Namensformen:

  • [zu den frühen Belegen, die nicht immer differenzieren, vgl. Ober-Roden]
  • Rotahen superiore et inferiore (791)
  • Rotaha (10. Jahrhundert)
  • inferior Rotaha (1208-1223) [HStAD Bestand A 1 Nr. 181/1]
  • Nidirn Rota (1303)
  • Nidern Rodauw (1371)
  • Niddern Rode (1435)
  • Niddern Rodauwe (1480)
  • Niddern Rodawe (1500)
  • Nidern Roda (1523)
  • Nidder Roden (1550)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Die Pforten des befestigten Dorfes wurden 1812 niedergelegt.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3490929, 5540035
UTM: 32 U 490858 5538259
WGS84: 49.9965839° N, 8.872442506° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

438011040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 5420, davon 2677 Acker, 419 Wiesen, 2325 Wald
  • 1961 (Hektar): 1530, davon 782 Wald (= 51.11 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1576: 66 Familien
  • 1638: 7 Haushaltungen
  • 1829: 787 Einwohner
  • 1961: 3923, davon 727 evangelisch (= 18.53 %), 3120 katholisch (= 79.53 %)
  • 1970: 9651 Einwohner

Diagramme:

Nieder-Roden: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • (786): moynecgowe in fine ut marcha Raodora
  • 1393: Herrschaft Eppstein, Zubehör von Steinheim
  • 1425: Erzstift Mainz
  • 1787: Erzstift Mainz, Oberes Erzstift, Oberamt Steinheim, Amtsvogtei Dieburg
  • 1803: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Provinz Starkenburg, Amtsvogtei Dieburg
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Dieburg
  • 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Dieburg;
  • 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk Langen;
  • 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landkreis Offenbach;
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Dieburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Dieburg
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Offenbach

Altkreis:

Dieburg

Gericht:

  • 1303: Centgericht Nieder-Roden
  • 1821: Landgericht Langen
  • 1853: Landgericht Seligenstadt
  • 1879: Amtsgericht Seligenstadt
  • 1905: Amtsgericht Dieburg

Gemeindeentwicklung:

Am 1.1.1977 zur Gemeinde Rodgau (Kreis Offenbach).

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 791 schenkt Erlulf dem Kloster Lorsch seinen Besitz in Nieder-Roden. (1210-1220) schenkt Gerlind dem Kloster Patershausen 2 Malter Acker.
  • Ursprünglich zur Herrschaft Münzenberg gehörig gelangt Nieder-Roden 1371 verpfändet Eberhard von Eppstein u.a. auch Nieder-Roden an seinen Neffen Ulrich von Hanau. 1393 Verkauf von Nieder- und Ober-Roden an Walter und Frank von Kronberg als Zubehör von Steinheim.
  • 1425 Verkauf an den Erzbischof von Mainz, der 1681 die geistliche und weltliche Obrigkeit innehat.
  • 1803 fällt der Besitz des Erzstifts an Hessen-Darmstadt.
  • Des weiteren waren in Nieder-Roden die von Wasen und von Wallbrunn begütert.

Zehntverhältnisse:

1413 Folrad von Seligenstadt (Institut für Stadtgeschichte Frankfurt RS 1 1399)

Zehntherr ist später der Erzbischof von Mainz. 1567 haben Walbrunn von Ernsthofen und Johann Oiger Brendel von Homberg je die Hälfte des Zehnten zu Lehen inne.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1289: Mengotus von Rotaha (plebanus)
  • 1436: Priester
  • 1542: Vergrößerung und Erhöhung der Umfassungsmauern
  • 1896 ist der Neubau im neugotischen Stil (Architekt Röder) abgeschlossen

Patrozinien:

  • Matthias (1298)

Pfarrzugehörigkeit:

Mutterkirche ist Ober-Roden; 1346 Erhebung zur Pfarrei

1576 hat das Dorf einen eigenen Pfarrer mit Pfarrhof;

1681 wird die Pfarrei vom Pfarrer aus Ober-Roden betreut

Patronat:

Im 16. Jahrhundert: Grafen von Hanau-Lichtenberg

1681 hat der Graf von Hanau das ius praesentandi, der Kurfürst von Mainz das ius confirmandi

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Name nicht bekannt, gestorben 1548, Pfarrstelle gegen den Willen der Gemeinde anschließend nicht wieder mit einem lutherischen Pfarrer besetzt.

Katholischer Bekenntniswechsel: 1551, um 1558-1576 wieder lutherisch, 1576 endgültig katholisch nachdem der Erzbischof von Mainz den Grafen Philipp von Hanau-Lichtenberg zwingt, einen katholischen Pfarrer zu präsentieren.

Kirchliche Mittelbehörden:

Erzdiözese Mainz, Archidiakonat St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg, Landkapitel Rodgau

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Das Centgericht umfasste Nieder- und Ober-Roden, Dudenhofen, Jügesheim, Messel, Urberach, Dietzenbach, Hainhausen, Messenhausen, Patershausen, Richolfshausen, Ippinghausen, Hartcheshof und Neuhof (vgl. das Weistum Landgericht Nieder-Roden, STAD C3 84 ,85/2 bzw. J. Grimm „Weistümer“ 4 (1957) S.42 ff)

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Nieder-Roden, Landkreis Offenbach“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/14186> (Stand: 16.10.2018)
 
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