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Herzogtum Nassau 1819 – 46. Wiesbaden

Nordenstadt

Stadtteil · 175 m über NN
Gemeinde Wiesbaden, Stadt Wiesbaden 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

7,5 km südöstlich von Wiesbaden

Lage und Verkehrslage:

Geschlossene Siedlung auf der Lößfläche des westlichen Main-Taunus-Vorlandes. Kirche am Ostrand.

Ersterwähnung:

950

Siedlungsentwicklung:

Am 1. Januar 1977 Eingemeindung in die Stadt Wiesbaden.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Burgen und Befestigungen:

  • 1492 ist der Ort mit Zäunen und Gräben befestigt.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3452997, 5547798
UTM: 32 U 452941 5546019
WGS84: 50.06458672° N, 8.342480177° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

414000250

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 745, davon 665 Acker (= 89.26 %), 29 Wiesen (= 3.89 %), 0 Holzungen
  • 1961 (Hektar): 693, davon 0 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1457: 69 Häuser
  • 1492: 61 Häuser
  • 1570: 109 Herdstätten
  • 1592: 78 Häuser
  • 1610: 103 Haushaltungen
  • 1630: 60 Männer, 10 Witwen, 12 Vormundschaften
  • 1637: 17 Haushaltungen
  • 1656: 43 Familien und 3 Witwen in 37 Häusern
  • 1667: 64 Haushaltungen
  • 1775: 127 Familien mit 451 Personen
  • 1794: 510 Einwohner
  • 1817: 642
  • 1885: 872, davon 806 evangelisch (= 92.43 %), 18 katholisch (= 2.06 %), 48 Juden (= 5.50 %)
  • 1946:1384
  • 1950:1448
  • 1956:1497
  • 1961: 1622, davon 1292 evangelisch (= 79.65 %), 303 katholisch (= 18.68 %)
  • 1967:1740
  • 1970: 1913
  • 1985: 7569

Diagramme:

Nordenstadt: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • um 1101: in pago Cuningessunderint
  • 950: in pago Kunigessundera vocato in comitatu prefati Gerungi comitis (Königssondergau in der Grafschaft des Grafen Gerung)
  • 970: in pago et comitatu Kuningessundra cui Immat comes preesse (in Gau und Grafschaft Königssondergau)
  • 1433: Herrschaft Eppstein-Münzenberg
  • 1492: Landgrafschaft Hessen, Herrschaft Eppstein
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Herrschaft Eppstein, Amt Wallau
  • 1803: Nassau-Usingen, Herrschaft Eppstein
  • 1806: Herzogtum Nassau
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Hochheim
  • 1849: Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden,Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Amt Hochheim
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Wiesbaden (Main-Kreis)
  • 1928: Main-Taunus-Kreis
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wiesbaden
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wiesbaden
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Wiesbaden
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Stadt Wiesbaden

Altkreis:

Main-Taunus-Kreis

Gericht:

  • 1476: Landgericht Mechtildshausen
  • 1816: Amt Wallau
  • 1817: Amt Hochheim
  • 1849: Justizamt Hochheim
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Hochheim
  • 1867: Amtsgericht Hochheim
  • 1879: Amtsgericht Wiesbaden

Herrschaft:

1318 bezeichnet Graf Gerlach von Nassau den Ort als villa nostra. Die Ortsherrschaft war allerdings zwischen den Herren von Eppstein und den Grafen von Nassau heftig umstritten. 1375 konnte Eberhard I. von Eppstein das Dorf von Agnes von Bommersheim kaufen. 1418 erhielt Graf Adolf II. von Nassau in einem Vergleich mit Gottfried von Eppstein den von ihm beanspruchten Einzu zugesprochen, womit alle Zuziehenden seine Leibeigenen wurden. 1433 erhielt bei der Eppsteiner Bruderteilung Gottfried den Ort. 1457 war der Ort an verschiedene Herren verpfändet. 1492 erst Verpfändung, dann Verkauf an Hessen, vorbehaltlich der Rechte von Nassau. 1497 belehnt Landgraf Wilhelm von Hessen Graf Adolf von Nassau-Idstein mit seiner Gerechtigkeit des Dorfes Nordenstadt. 1588 verkafut Nassau seine Leibeigenen (die Hälfte der Einwohner) und sonstigen Rechte an Hessen.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 950 hat König Otto I. Besitz in Nordenstadt. 970 schenkt Kaiser Otto I. dem Kloster des heiligen Johannes in Magdeburg das Eigengut des Guntram in Wicker und Nordenstadt. Um 1101 schenkt Kaiser Heinrich IV. dem Kloster des heiligen Jakob zu Mainz drei Hufen in Nordenstadt. Zu den von Propst Reginhard von St. Alban erworbenen Gütern und Einkünften gehört auch ein Schilling aus Nordenstadt. 1223 erwarb das Domkapitel ein Gut von den von Haselstein.
  • Zu den Grundherren zählten weitere geistliche Einrichtungen in Mainz, so St. Mariengraden, St. Agnes, St. Joahnnes und das Altmünsterkloster. Kleineren Besitz hattendie Ninoriten, die Kartäuser und der Deutsche Orden. Kloster Eberbach erhielt 1361 ein Gut.
  • Weltliche Grundherren waren neben den Herren von Eppstein die Grafen von Nassau sowie die Herren von Kronberg und Sonnenberg.

Zehntverhältnisse:

1263 hat das Stift St. Mariengraden in Mainz den Zehnten inne. 1365 verkauft Gerhard von Sulzbach dem Ulrich von Kronberg den Zehnten zu Nordenstadt und Kostloff, die Lehen von Kloster Altmünster sind.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1107: Pfarrei
  • 1236: pastor ecclesie
  • 1637 ist die Kirche bis auf das Chorgewölbe abgebrannt
  • 1649 ist der Wiederaufbau erfolgt
  • 1718: Abbruch der Kirche
  • 1721 Weihe des Neubaus
  • 1962: Katholische Christ-König Kirche

Pfarrzugehörigkeit:

1107: Pfarrei, zu der 1145 Wildsachsen als Tochterkirche gehörte. Medenbach war noch um 1465 der Mutterkirche unterstellt und wurde 1491 selbständig.

Patronat:

1223 kauft das Mainzer Domkapitel das Patronatsrecht von den Rittern von Haselstein.

1236 Inkorporation der Kirche in das Domkapitel.

1240 Streit um das Patronatsrecht zwischen dem Domkapitel und den Herren von Eschborn.

1557 sind die Domherren Kollatoren und haben das Patronatsrecht inne.

1608 tritt das Mainzer Domkapitel sein Patronatsrecht an Hessen ab.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Georg Göckel um 1530, der nach der Reformation auch die Pfarrstellen in Igstadt und Medenbach versah.

Nordenstadt gehörte zur Herrschaft Eppstein, die seit 1492 Teil der Landgrafschaft Hessen war. Moritz der Gelehrte führte um 1620 das reformierte Bekenntnis ein, unter darmstädtischer Herrschaft wurde der Ort 1624 wieder lutherisch.

Nach dem Übergang der Herrschaft Eppstein an Nassau wurde 1818 die Union des lutherischen und reformierten Bekenntnisses zu einer evangelischen Kirche eingeführt.

Kirchliche Mittelbehörden:

Archidiakonat des Propstes von St. Peter in Mainz, Dekanat Kastel

Kultur

Schulen:

Um 1600 Errichtung einer Schule.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Nordenstadt, Stadt Wiesbaden“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11163> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde