Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Nieder-Schleidern

Stadtteil · 397 m über NN
Gemeinde Korbach, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

9 km südwestlich von Korbach

Lage und Verkehrslage:

Dorf mit einfachem Grundriss und geringer Siedlungsdichte am Oberlauf der Aar (Wilde Aar) dicht an der nordrhein-westfälischen Grenze. Kirche nach Verlegung 1958 vor Hochwasser geschützt im Norden des Ortes. Jüngere Siedlungsentwicklung nach Nordwesten entlang der Bräumecke. Verkehrsverbindung nach Oberschledorn und Eppe (L 3437)

Weitere Namen:

  • Schleidern, Nieder-
  • Niederschleidern

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Bei den älteren Belegen vor 1300 ohne das Bestimmungswort Nieder- ist kaum zu entscheiden, ob sie diesem oder dem 2,2 km westlich in Nordrhein-Westfalen gelegenen Oberschledorn zuzuordnen sind (vgl. Ortsnamen Hochsauerlandkreis, S. 369-371).

Historische Namensformen:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3482397, 5679158
UTM: 32 U 482330 5677326
WGS84: 51.24702903° N, 8.746835177° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635015110

Flächennutzungsstatistik:

  • 1961 (Hektar): 545, davon 210 Wald (= 38.53 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1541: 10 Häuser
  • 1770: 17 Häuser, 123 Einwohner
  • 1895: 210, davon 115 evangelisch (= 54.76 %), 95 katholisch (= 45.24 %)
  • 1961: 222, davon 130 evangelisch (= 58.56 %), 92 katholisch (= 41.44 %)

Diagramme:

Nieder-Schleidern: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1489: Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg, Freigrafschaft Düdinghausen
  • 1546: Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg, Freigrafschaft Düdinghausen
  • 1663: Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg
  • 1712: Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg
  • 1755/1757: Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg
  • bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Eisenberg
  • 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt des Eisenbergs (Sitz in Korbach)
  • 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt Eisenberg (Sitz in Korbach)
  • 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis des Eisenbergs
  • 1919-1929: Freistaat Waldeck, Kreis des Eisenbergs
  • 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis des Eisenbergs
  • 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Waldeck

Gericht:

  • 1537: Bauergericht von den Herren von Dorfeld beanspucht
  • 1814: Oberjustizamt des Eisenbergs in Korbach
  • 1850: Kreisgericht Korbach
  • 1868/69: Amtsgericht Korbach

Herrschaft:

1334 erwerben die Grafen Waldeck pfandweise von den Herren von Büren zwei Drittel der Freigrafschaft Düdinghausen, zu der zahlreiche Freistuhls- und alle sonstige Gerichtsbarkeiten in Dörfern zwischen Medebach und Korbach gehören. Im 16. und 17. Jahrhundert sind diese Herrschaftsrechte zwischen Kurköln und der Grafschaft Waldeck strittig. 1663 treten die Kölner Kurfürsten den Grafen von Waldeck nur die Dörfer Eppe und Hillershausen, die mit Niederschleidern das Kirchspiel Eppe bildeten, ab. Die übrigen Dörfer der Freigrafschaft Düdinghausen (Oberschleidern, Düdinghausen, Referinghausen, Titmaringhausen, Deifeld und Wissinghausen treten die Grafen an Kurköln ab.

Gemeindeentwicklung:

Am 01.07.1970 als Stadtteil in die Stadt Korbach eingemeindet.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1313 hat Wilhelm von Dorfeld Güter in Nieder-Schleidern als Lehen von Graf Wilhelm von Arnsberg.
  • 1580 überlassen die Brüder von Wolmeringhausen dem Kloster Bredelar ihren Erbhof zu Nieder-Schleidern gegen ein klösterliches Erbgut zu Ober-Waroldern.
  • 1524 verkauft Johann Wald eyger zu Nieder-Schleidern drei Höfe wiederkäuflich.
  • Das Waldeckische Landregister von 1537 nennt mit Gütern in Nieder-Schleidern: die von Dorfeld, von Wolmeringhausen, von Rhene und die Kranen von Medebach.

Zehntverhältnisse:

1537 fällt kein Zehnter an, da dort nur freie Güter sind

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1482: Gründung der Kapelle unter bischöflicher kölnischer Religion und Weihe des Altars (Anton Führer, Geschichtliche Nachrichten über Medebach, S. 107, Nr. 577)
  • 1731 evangelische Kirche in Fachwerk errichtet. Ursprünglich am Südrand im Talgrund im Überschwemmungsgebiet gelegen, 1958 mit verlängertem Schiff in die Ortsmitte verlegt
  • 1894/95 Katholischer Schulbau, der von Anfang an auch, seit 1938 ausschließlich für katholische Gottesdienste genutzt wird

Patrozinien:

  • St. Ursula (1540)

Pfarrzugehörigkeit:

1539, 1633 und später zum Kirchspiel Eppe gehörig, 1994 zum Kirchspiel Nieder-Ense und Eppe eingepfarrrt

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Eppe, Einführung der Reformation vermutlich um 1530. 1626 Rekatholisierung, seitdem vorwiegend katholisch. 1654 wird den Katholiken von Nieder-Schleidern gestattet, die katholischen Kirchen der benachbarten Orte zu nutzen.

Wirtschaft

Mühlen:

Dorfmühle an der Aar am Nordrand des Ortes mit 1 oberschlächtigen Wasserrad zum Betreiben einer Mahl- und Schlagmühle, 1931 abgerissen

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Nieder-Schleidern, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1663> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde