Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Burg Breuberg

Burg; Schloss · 300 m über NN
Gemarkung Neustadt, Gemeinde Breuberg, Odenwaldkreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Burg; Schloss

Lagebezug:

17,6 km nördlich von Erbach

Lage und Verkehrslage:

Wird zur Zeit bearbeitet

Auf steilem Bergkegel in einem Bogen des Mümlingtals gelegen.

Burgtyp Höhenburg; Lehensburg;Vogteiburg/Residenz

Laufzeit: Ende 12. / Anfang 13. Jahrhundert - (erhalten)

Besitzgeschichte: Wohl im Auftrag der Abtei Fulda von den Herren von Lützelbach erbaut. Die Herren von Lützelbach, welche die Burg von der Abtei Fulda zu Lehen erhielten, nannten sich fortan nach ihrer neuen Stammburg. 1222 sind die Herren von Breubach erstmals als Vögte der Abtei Fulda bezeugt. Im Jahre 1323 erlosch mit dem Tod Eberhards III. das Geschlecht der Herren von Breuberg. Das Erbe ging zur Hälfte an die Herren von Trimberg und je ein Viertel an die Herren von Weinsberg und die Grafen von Wertheim. In der Folgezeit Ganerbschaft mit mehrfachen An- und Verkäufen von Burganteilen. Ende des 15. Jahrhunderts (1489 und 1497) erwarb Graf Michael II. von Wertheim (regierte von 1482-1531) die letzten Ganerbenteile und wurde alleiniger Besitzer. 1556 erlosch mit dem Tod Graf Michaels III. von Wertheim (regierte von 1531-1556) das Wertheimer Grafenhaus. Nach langwierigen Auseinandersetzungen der Erben (Grafen von Erbach und Grafen von Stolberberg-Königstein) war die Burg zu Beginn des 17. Jahrhunderts im Gemeinschaftsbesitz der Grafen von Löwenstein und Erbach. Die 'formale' Lehnshoheit von Fulda blieb bis 1802 bestehen. Heute im Besitz des Landes Hessen.

Funktion: Vogteisitz und Stammburg der Herren von Breuberg. Residenz der Grafen von Wertheim. Heute befindet sich in der Kernburg eine Jugendherberge.

Baugeschichte: Ende des 12. / Anfang des 13. Jahrhunderts wurde Burg Breuberg errichtet, wohlmöglich an der Stelle einer älteren fuldischen Befestigung. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts erfolgte ein umfassender Ausbau der Burganlage. So wurde u.a. der Kernburg ein Zwinger vorgelagert, im Westen die erste Vorburg errichtet und das Vortor (Torzwinger) der Kernburg ausgebaut. Im ausgehenden 15. und frühen 16. Jahrhundert wurde die Burganlage erweitert, umgebaut und festungsmäßig verstärkt. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde u.a. die erste Vorburg umgebaut, das Torhaus der Vorburg neu errichtet (1499; 1550 erneut umgebaut) und im Westen eine weitere Vorburg angelegt. Zudem wurden vier Geschütztürme um die Burganlage erbaut - 1482 „Wilhelmsturm“, 1504 „Michelsturm“, 1505 „Vordere Turm“, 1507 „Rote Turm“. Im 16. und frühen 17. Jahrhundert weitere Bautätigkeit. Aufgrund des zunehmenden Zerfalls der Burganlage erfolgten Mitte des 19. und 20. Jahrhunderts Instandsetzungsarbeiten. Von 1985-1988 weitere Sanierungsarbeiten.

Baubeschreibung: Für eine ausführliche Baubeschreibung siehe Antonow. Kernburg mit zwei Vorburgen, Zwingern und Geschütztürmen. Im Zentrum der im Grundriss polygonalen (etwa fünfeckigen) Kernburg der freistehende quadratische Bergfried (Seitenlänge: 8,9 m; Mauerstärke: 2,6 m; Höhe: ca. 25 m). Der Bergfried hat einen erhöhten Eingang (Höhe: 9,5 m) und seit 1612 einen quadratischen Aufsatz. An der Westseite des Bergfrieds ein (Brunnen/Zisterne) mit ca. 85 m Tiefe. Abschnitte der Ringmauer der Kernburg waren nach Antonow im 13. Jahrhundert wohl mit hölzernen Wighäusern bewehrt. Der seit 1411 belegte hölzerne Wehrgang wurde nach Antonow wohl in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts angelegt. Die aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammenden Gebäude der Kernburg auf die Ringmauer aufgesetzt. Die ursprünglichen, wohl hölzernen Gebäude wurden im Rahmen von Umbaumaßnahmen abgebrochen (- zu den einzelnen Gebäuden der Kernburg siehe Antonow, Burgen, S. 42-43). Im Westen der Kernburg das Tor mit Vortor bzw. Torzwinger. Neben dem Vortor ein quadratischer Wehrturm („Hexenturm“). Im Norden, Osten und Süden ist der Kernburg im Abstand von 4-6 m eine Zwingermauer vorgelagert. Im Osten der Zwingermauer ein rechteckiger Turm aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Westlich schließt sich der Kernburg die erste Vorburg an, die Platz für die Wohnstätten der Ganerben bot. Die Gebäude der Vorburg stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Dem im Süden der ersten Vorburg gelegenen Tor mit Torhaus, Zugbrücke und Steinbrücke (bis 1812 Holzbrücke) ist südlich, jenseits des Grabens, ein Vorwerk bzw. Zwinger mit Tor vorgelagert. Westlich der ersten Vorburg eine zweite großflächige Vorburg. Im Südosten („Wilhelmsturm“; zur Burgseite offen), Osten („Michelsturm“; freistehend, zur Burgseite offen), Südwesten („Vordere Turm“; die Südwestecke der zweiten Vorburg bildend) und im Norden („Rote Turm“; beim Zusammentreffen der beiden Vorburgen) rondellartige Geschütztürme. Die drei erstgenannten mit einem Durchmesser von etwa 14,5 m, der letztgenannte von etwa 20 m. Die gesamte Anlage war von einem Graben umfasst.

Ersterwähnung:

um 1200

Historische Namensformen:

  • Burberc (um 1200)
  • Prewberg (1310)
  • Bruberg (1323)
  • Bruberg (1397)
  • Brwberg (1530)
  • Breuberg (1538)
  • Breuberg (1556)
  • Breuburgk (1578)

Burgen und Befestigungen:

  • Zentrum der Kernburg bildet der ca. 25 m hohe Bergfried (Seitenlänge 8,90 m; Mauerstärke 2,60 m). Der Eingang zum Bergfried - eine tonnengewölbte Türnische - befand sich in einer Höhe von 9,50 m an der Ostseite. Verkleidung mit Buckelquadern. Die Kernburg umfassende Ringmauer (Kleinquaderbau) hatte einen fünfeckigen Grundriss. Im 13. Jahrhundert waren zur Verteidigung der einzelnen Mauerabschnitte hölzerne Wighäuser (Kampfhäuser) auf die Mauer aufgesetzt. Der seit 1411 belegte hölzerne Wehrgang der Ringmauer wurde nach Antonow wohl in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts erbaut. In der Westseite der Ringmauer das Tor (mit Pechnase). Wohn- und Wirtschaftsgebäude aus der Entstehungszeit haben sich nicht erhalten. Die inseitig an die Ringmauer angebauten Wohn- und Nutzgebäude stammen sämtlich aus späterer Zeit (links neben dem Tor der sog. "Altbau" mit einer etwa 85 m tiefen Zisterne. An der Mitte der nördlichen Ringmauer der "Neubau" bzw. "Kapellenbau" mit Burgküche im Erdgeschoss und ursprünglich gotischen Kapelle im Obergeschoss. An der Ostseite der Ringmauer der sog. "Obere Saalbau" (mehrfach umgebaut) mit Festsaal im Obergeschoss aus der Mitte des 16. Jahrhunderts An der südlichen Ringmauer das 1568 erbaute "Erbacher Herrenhaus", in der Südwestecke die in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtete "Rentschreiberei".
  • Im 14. Jahrhundert wurde der Torbau um ein Vortor mit einem danebengelegenen viereckigen Wehrturm ergänzt. Wohl gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde das Vortor durch Torhaus und Zugbrücke verstärkt, der Ringmauer im Norden, Osten und Süden eine Zwingermauer im Abstand von 4-6 m vorgelagert und eine Vorburg westlich der Kernburg errichtet.
  • 1. Vorburg:
  • In der Vorburg wurden Wohnstätten für die Ganerben errichtet.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3502972, 5520404
UTM: 32 U 502896 5518635
WGS84: 49.82015145° N, 9.040255723° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

43700402004

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1787: Grafschaft Erbach-Schönberg, Herrschaft Breuberg (halb). Die andere Hälfte gehörte zum Fürstentum zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Souveränitätslande, Provinz Starkenburg, Amt Breuberg (zur Standesherrschaft Löwenstein-Wertheim gehörig)
  • bis 1822: Großherzogtum Hessen, Souveränitätslande, Provinz Starkenburg, Amt Breuberg (zur Standesherrschaft Löwenstein-Wertheim gehörig)
  • 1821-1848: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk Breuberg (ab 1837 mit Sitz in Neustadt)
  • 1971: Kreis Erbach
  • 1971: Odenwaldkreis

Altkreis:

Erbach

Gericht:

  • Zentgericht Höchst
Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Wohl im Auftrag der Abtei Fulda von den Herren von Lützelbach Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut - wohlmöglich auf einer früheren Befestigung. Die Herren von Lützelbach wurden von der Abtei Fulda mit der Burg belehnt und nennen sich fortan nach ihrer neuen Stammburg. Die Lehnshoheit blieb bis 1802 (Säkularisierung der Fürstabtei) bei Fulda.
  • 1323: Mit dem Tod Eberhards III. von Breuberg ging die Burg im Erbgang zur Hälfte an die Herren von Trimberg und je ein Viertel an die Herren von Weinsberg und die Grafen von Wertheim. In der Folgezeit Ganerbschaft mit mehrfachen An- und Verkäufen von Burganteilen.
  • Ende des 15. Jahrhunderts (1489 und 1497) konnte Graf Michael II. von Wertheim (regierte von 1482-1531) die letzten Ganerbenteile aufkaufen und machte die Burg zur Residenz der Grafschaft Wertheim.
  • 1556: Mit dem Tod von Graf Michael III. von Wertheim (regierte von 1531-1556) erlosch das Wertheimer Grafenhaus. Nach langwierigen Auseinandersetzungen der Erben war die Burg zu Beginn des 17. Jahrhunderts im Gemeinschaftsbesitz der Grafen von Löwenstein und Erbach.

Ortsadel:

1323 sterben die Herren von Breuberg aus.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1273: capella, capellanus

Patrozinien:

  • Maria

Pfarrzugehörigkeit:

Mutterkirche ist Sandbach

Patronat:

1394 ist das Patronatsrecht in den Händen der Schenken von Erbach

Kirchliche Mittelbehörden:

Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Montat

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Sitz eines in drei Zenten, nämlich Höchst, Kirch-Brombach und Lützelbach (zuzüglich des ausgesparten Burgfriedensbereiches Neustadt), eingeteilten Herrschaftsbereiches, der ein Amt bildet.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Burg Breuberg, Odenwaldkreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/14088> (Stand: 17.4.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde