Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Jüdische Grabstätten

Isserlin, Josua (1911) – Bad Soden am Taunus

Grab Nr. 176 → Lageplan (PDF), Bad Soden am Taunus, Jüdischer Friedhof, Gemarkung Bad Soden am Taunus | Historisches Ortslexikon
Äußere Merkmale | Inschrift | Verstorbene(r) | Indizes | Nachweise | Zitierweise
Äußere Merkmale

Material:

Basalt, schwarz, poliert

Platzierung:

stehend

Beschreibung:

oben halbkreisförmig Psalm 112,9

Bemerkungen:

Im alphabetischen Namensverzeichnis des Protokollbuches (S. 189) ist eine falsche laufende Nummer (137) und ein falsches Geburtsdatum (2.6.1834) angegeben, das auf dem Grabstein angegebene Datum ist eindeutig: 24. Ab 5595 = Mittwoch, 19. August 1835. Der Todestag, 14. Tischri 5672 = Freitag, 6.10.1911 stimmt mit der Angabe im Protokollbuch überein (5. Oktober 1911), wenn man davon ausgeht, dass der Tod am Donnerstag abends eintrat, der ja schon zum Freitag zählt. Da am 7. und 8. Oktober 1911 die beiden Festtage Sukkot waren, an denen nicht beerdigt werden durfte, erfolgte die Beerdigung sofort am nächsten Tag.

Sonstiges:

Abkürzungen: ר֗ = רבי / רמ֗א֗ = רבי משה אסרלש/מ׳נ אב = מנחם אב

Inschrift

Hebräische Inschrift:

Text Vorderseite

פזר נתן לאביונים צדקתו עמדת לעד

פה ינוח

סמל דמות הנדיבות והצדקה

התום והיושר הטהרה והענוה

בישראל גדול שמו

הרב ר֗ ישראל איסר יהושע

בן הרב ר֗ יונה איסרלין מסלוצק

מגזע הרמ֗א֗

נולד כ״ד מ׳נ אב ת֗ק֗צ֗ה֗

נפטר י״ד תשרי ת֗ר֗ע֗ב֗

ת֗ נ֗ צ֗ ב֗ ה֗

Reichlich gab er den Armen, seine Gerechtigkeit besteht für immer.

Hier ruht

ein symbolhaftes Vorbild der Großzügigkeit und Gerechtigkeit,

bescheiden und geradlinig, rein und demütig,

groß ist sein Name in Israel,

der Herr Rabbi Israel Isser Josua

Sohn des Herrn Rabbi Jona Isserlin aus Slutsk (1),

ein Nachfahre des Rabbi Mose Isserles (2).

Er wurde geboren am 24. Menachem-Ab [5]595,

er starb am 14. Tischri [5]672.

Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens.

Sprache der Vorderseite:

hebräisch

Verstorbene(r)

Personendetails:

  1. Isserlin, Josua

    Geburtstag

    19.8.1835

    Sterbetag

    5.10.1911

    Bestattungsdatum

    9.10.1911

    Geschlecht

    männlich

    Familienstand

    verwitwet

    Herkunftsort

    Slutzk, Minsk, Russland

    Wohnort

    Prosken, Ostpreußen

    Sterbeort

    Bad Soden am Taunus

    Beruf

    Kaufmann

    Funktion

    Mohel

    Weitere Angaben

    (1) Slutsk/Sluzken in Weißrußland (Cлуцк, polnisch Słuck) am Fluß Slutsch, eine der ältesten Städte der Rus. Er hatte seinen Wohnsitz in Prostken, Ostpreußen, und war dort als Beschneider (Mohel). tätig. Er starb in der Klinik seines Sohnes Max (Markus) in Bad Soden. Sein Sohn ließ wohl auch den Grabstein errichten, weshalb die Daten sicher richtig sind. Seine Mutter war Debora Sirkin. Er war verheiratet mit seiner Nichte Reizia-Bruna (1833-1889 Prostken), einer Tochter von Salomo Schachna Isserles und Sheina Rachel Padwa. In der Zeitschrift „Der Israelit“ (19.10.1911, Nr. 42, S. 9) steht ein Nachruf in dem es u.a. heißt: „Am Vorabend Sukkot wurde in Soden ein Mann zu Grabe getragen, der als ein wahrer „Vollkommener Gerechter“ bezeichnet werden darf. Herr Issor Josua Isserlin. Einer hochangesehenen jüdischen Familie entstammend . . . bemühte er sich sein ganzes Leben im Sinne seiner großen Ahnen zu wirken und widmete sich von Jugend auf nur den drei Tugenden, die einen wahren Jehudi kennzeichnen, der „Lehre, dem Gottesdienst und der Wohltätigkeit“ . . . Fast sprichwörtlich war an der russischen Grenze seine . . . Ehrlichkeit im Geschäftsleben . . .“. Er starb in der israelitischen Kuranstalt von Bad Soden, die sein Sohn Dr. med. Max (Markus) Isserlin, geb. am 08.12.1874 in Prostken (Kreis Lyck, heute Prostki in Polen – Ermland/Masuren), von 1900 bis zum Novemberpogrom 1938 als Chefarzt leitete. Dr. Max Isserlin war von 1907 bis 1938 der Gemeindevorsteher in Bad Soden am Taunus und Leiter des Ärztevereins. Er, seine Ehefrau Regina, sein Sohn Bruno und seine Tochter Ruth Rose konnten nach England auswandern, Max Isserlin starb am 20.08.1965 in Manchester. (1) Jona Isserlin (1771-1849) war der Sohn von Abraham Isserles und seiner Frau Rebekka, er war zweimal verheiratet, zunächst mit Zissel Lifschitz und nach deren Tod mit Debora Sirkin, die eine direkte Nachfahrin des berühmten Rabbi BaCH war (Joel ben Samuel Sirkin, einem namhaften Talmudisten, nach seinem Hauptwerk Bajit Chadasch genannt, 1561-1640, Rabbiner in Belz, Brest-Litowsk und Krakau). Aus der ersten Ehe gingen 2 Söhne hervor, aus der zweiten Ehe ein Sohn und zwei Töchter. In Gedenken an seine Mutter gründete Jona Isserlin eine Talmudschule in Slutsk. Er war ein äußerst erfolgreicher Kaufmann, der im Auftrag der Fürsten Radziwill und Wittgenstein Handel (Holz) bis nach Königsberg betrieb und dadurch auch eine Niederlassung in Prostken hatte. Im Slutsker Memorbuch ist vermerkt, daß er der Stadt 75.000 Rubel stiftete. Das Geschäft wurde von seinem Sohn weitergeführt. In der Berufszählung Gesamt-Preußen vom 15. Juni 1895 wird in Prostken ein Spediteur J. J. Isserlin aufgeführt, wohl der Verstorbene. (2) Moses ben Israel Isserles (um 1525 – 1. Mai 1572 in Krakau), war ein bedeutender Gelehrter, er wurde als Maimonides des polnischen Judentums bezeichnet, er studierte an der Jeschiwa von Schalom ha-Cohen Schachna, (1480-1558 Lublin), der mit Golda Isserles verheiratet war und deren Tochter Golda er später heiratete. Er ist unter dem Akronym ha-Rema (Rabbi Moses Isserles) bekannt. Zu seinen Nachfahren gehörten Moses Mendelssohn und dessen Enkel Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Indizes

Personen:

Rav Israel Isser Jehoshua ben HaRav Rabbi Isserlin aus Slutzk

Orte:

Prosken, Ostpreußen · Slutzk, Minsk, Russland

Nachweise

Bearbeitung:

Dr. Lothar Tetzner 2017

Bildnachweise:

Sven Thomas Hammerbeck, Bad Soden am Taunus

Fotos:

Zitierweise
„Isserlin, Josua (1911) – Bad Soden am Taunus“, in: Jüdische Grabstätten <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/juf/id/16689> (Stand: 15.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde