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Grabdenkmäler

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Kuno von Falkenstein 1333 und Anna geb. von Nassau 1329, Lich

Lich · Gem. Lich · Landkreis Gießen | Historisches Ortslexikon
Standort | Merkmale | Beschreibung | Inschrift | Nachweise | Zitierweise
Standort

Standort:

Lich

Gebäude:

Lich, Marienstiftskirche

Heutiger Aufbewahrungsort:

Lich, Evangelische Marienstiftskirche.

Im Chorumgang.

Merkmale

Datierung:

1329, 30. Juli; 1333, 14. Mai

Typ:

Tumbenplatte (?)

Material:

Sandstein

Erhaltung:

erhalten

Größe:

136 x 268 cm (B x H)

Größe der Buchstaben:

4-5 cm

Beschreibung

Beschreibung:

Die jugendlichen Figuren stehen auf einer Standplatte über dreimal gekehlter Konsole mit Rosetten, die Köpfe ruhen auf Kissen. Kuno von Falkenstein trägt ein Obergewand, bis fast auf die Knöchel reichend. Die Ärmel, welche die Unterarme freilassen, hängen vom Ellenbogen ab in langen Enden frei herunter. Darüber ein ärmelloser Überwurf bis fast in Kniehöhe mit Kapuze. Seine Linke ist höfischer Geste über den Oberkörper geführt, mit der Rechten hält er ein Schwert. Er blickt bei leichter Kopfwendung zur linken Seite. Die Haartracht ähnlich dem Stein für Philipp III. von Falkenstein.

Die Wiedergabe der Anna geb. von Nassau nimmt im Rahmen der Skulptur dieser Zeit einen besonderen Rang ein. Die Falten des am Boden aufliegenden Gewandes werden zunächst leicht nach links geführt. Über der Körpermitte wird bei geradlinigem Verlauf das Obergewand von ihrer linken Hand etwas hochgezogen, wobei die Gewandteile eng aufeinander liegen, der Verlauf der Falten kaum unterbrochen wird. Durch das von ihrem rechten Ellenbogen eng an den Körper gehaltene Gewand entstehen Schüsselfalten untereinander, welche im geschlossenen Kontur auch die formale Einbindung des Armes gewährleisten. Ihre rechte Hand, welche in das schleierartig um den Kopf gelegte Tuch fasst, leitet die Neigung ihres Kopfes nach links ein. Mithin bedingt ihre Körperhaltung im Zusammenspiel mit der Gewandführung ab der Sockelpartie die Wahrnehmung einer zarten Schwingung, die in Richtung zu Kuno von Falkenstein ausklingt und hat damit wesentlichen Teil daran, dass die beiden Figuren zusammen gesehen werden.

Auf dem nach außen schräg abfallenden Schriftrand Umschrift in Majuskeln, die über dem Kopf Kunos beginnt und gegen den Uhrzeigersinn mit den Buchstabenfüßen nach außen verläuft.

Zum Erhaltungszustand: Das Schwert des Ritters, dessen Nase ergänzt wurde, weist anstelle der gegebenenfalls hier erhabenen Umwicklung Einkerbungen auf.

Zu den mit Riemen umwickelten Schwertern vgl. z. B. die Grabplatte des Johann von Falkenstein in Arnsburg und in der Literatur bei Fischel, Abb. XIV und XXX.

Beispiele zu Rosetten bzw. Blüten im Katalog "Die Parler und der Schöne Stil 1350-1400", Band 3, Abb. S. 226 und Text S. 220. Zum Blütenkranz auf dem Haupt der Grabfigur Heinrichs III. von Sayn siehe Kahsnitz, S. 66 ff.

Darstellung:

figürlich

Geschlecht, Alter, Familienstand:

weibliche Person(en) · Ehepaar · männliche Person(en)

Stand:

Adlige

Enthaltene Wappen:

Zu Füßen des Mannes Wappen des Hauses Münzenberg-Falkenstein (Schildhaupt), zu Häupten der Frau das des Hauses Nassau ( Löwe in mit Schindeln bestreutem Feld), zu Füßen der Frau das des Hauses Bickenbach (schräg rechts gestellte Doppelreihe Rauten). Die Wappen sind keine Ahnenwappen, sondern beziehen sich nur auf die Personen selbst, deshalb blieb der Schild zu Häupten Kunos leer. Kuno aber hatte zwei Frauen: Anna von Nassau, gest. 1329, und Imagina (Mena) von Bickenbach, gest. um 1366/67 als Gräfin von Rieneck. Die zweite Frau ist also nur mit ihrem Wappen vertreten.

Dargestellte Personen:

Kuno von Falkenstein, gestorben am 14. Mai 1333, und seine Gemahlin Anna geb. Gräfin von Nassau, gestorben am 30. Juli 1329. Kunos Vater war Philipp III. von Falkenstein.

Inschrift

Umschrift:

ANNO D(OM)]NI M / C°C°C° X° X° X° III° II IDVS MAII O(BIIT) CVNO DE FALKINSTEIN D(OMI)N(V)S IN MIN / ZINBERG + + ANNO D(OMI)NI M / C°C°C° XXIX° III K(A)L(ENDAS) AVG(VSTI) O(BIIT) D(OMI)NA ANNA CO(N)THORAL(IS) D(OMI)NI CVNONIS DE / FALKENSTEY[N] +

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1333, an den 2. Iden des Mai, starb Cuno von Falkenstein, Herr zu Münzenberg. Im Jahre des Herrn 1329, an den 3. Kalenden des August, starb Frau Anna, Ehefrau des Herrn Cuno von Falkenstein.

Schrift:

Gotische Majuskel

Nachweise

Literatur:

  • Schaum-Benedum, Christa: Die figürlichen Grabsteine des 14. und 15. Jahrhunderts in Hessen, 1969, S. 186 f.
  • Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Hessen, bearb. von Magnus Backes, 2. Aufl. München 1982, S. 516
  • Küther, Waldemar: Das Marienstift Lich im Mittelalter, Lich 1977, S. 135, Abb. 11 mit (fehlerhafter) Inschrift
  • Walbe, Heinrich (Bearb.): Die Kunstdenkmäler im Freistaat Hessen – Provinz Oberhessen – Kreis Giessen, Band 3: Südlicher Teil ohne Arnsburg, Darmstadt 1933, S. 263 ff.
  • Fischel, L.: Mittelrheinische Plastik des 14. Jahrhunderts, München 1923, Abb. XIV und XXX
  • Katalog Die Parler und der Schöne Stil 1350-1400, Band 3, Köln 1978, Abb. 226 und Text S. 220
  • Kahsnitz, R.: Die Gründer von Laach und Sayn. Fürstenbildnisse des 13. Jahrhunderts, Nürnberg 1992, S. 66 ff.
  • Körner, H.: Grabmonumente des Mittelalters, Darmstadt 1997, S. 106 f.

Personen:

Bickenbach, Imagina (Mena) von, verheiratete von Falkenstein · Falkenstein, Imagina (Mena) von, geb. von Bickenbach

Sachbegriffe:

Rosetten · Kissen · Schwerter, umwickelte · Wappen · Ehepaare · Männer · Adlige · Frauen

Wappen:

Münzenberg-Falkenstein · Nassau, Grafen · Bickenbach

Bearbeitung:

Christa Benedum, Gießen, und Andreas Schmidt, HLGL

Zitierweise
„Kuno von Falkenstein 1333 und Anna geb. von Nassau 1329, Lich“, in: Grabdenkmäler <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/844> (Stand: 14.12.2011)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde