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Grabdenkmäler

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Philipp Gewend 1605, Wetzlar

Wetzlar · Gem. Wetzlar · Lahn-Dill-Kreis | Historisches Ortslexikon
Standort | Merkmale | Beschreibung | Inschrift | Nachweise | Zitierweise
Standort

Standort:

Wetzlar

Gebäude:

Wetzlar, Dom.

Heutiger Aufbewahrungsort:

Wetzlar, Dom.

Im nordwestlichen Querschiff an der südwestlichen Wand.

Merkmale

Datierung:

6. März 1605

Typ:

Grabplatte

Material:

roter Sandstein

Erhaltung:

erhalten

Größe:

75 x 200 cm (B x H)

Beschreibung

Beschreibung:

Hochrechteckige Platte. Im vertieften Feld oben nebeneinander zwei Wappenschilde, darüber wohl die Initialen des Bildhauers (A), darunter eine große rechteckige Rollwerkkartusche mit Inschrift (B) und je einem geflügelten Engelsköpfchen am oberen und unteren Ende.

Geschlecht, Alter, Familienstand:

männliche Person(en)

Stand:

Amtspersonen

Enthaltene Wappen:

Der linke Wappenschild zeigt einen schräggestellten Flößerhaken, begleitet von zwei Sechssternen, der rechte Schild einen Pfeil und einen Löffel ins Kreuz gelegt.

Beide Wappen sind auch an dem von den Eltern Philipp Gewends erbauten Haus in Langsdorf dargestellt. Dort ist das zuerst beschriebene mit den Initialen "J G W" (= Johann Gewend, Vater Philipps), das zweite mit "J K", für Johanns Frau Juliana geb. Koch stehend, bezeichnet (siehe Walbe, S. 203, der jedoch die Initialen der Frau fälschlich mit "J R" angibt). Ein fast gleiches Koch-Wappen führte auch der 1555 verstorbene Keller zu Hungen Peter Koch von Langsdorf (siehe dessen Grabplatte in Hungen), der der Vater Julianas gewesen sein könnte.

Dargestellte Personen:

Philipp Gewend (Gwend), hessischer Vogt zu Wetzlar, gestorben am 6. März (pridie nonas Martii) 1605 im Alter von 49 Jahren, 5 Monaten und 7 Tagen (demnach geboren Ende September 1555).

Der Verstorbene war ein Sohn des aus Bad Homburg (Homburg vor der Höhe) stammenden und 1544 in Marburg immatrikulierten Johann(es) Gewend und seiner Frau Juliana geb. Koch (Historisches Archiv der Stadt Wetzlar, Stammtafeln von Siegfried Rösch). Johann(es) Gewend ist 1560-1563 in gräflich solmsischen Diensten nachweisbar und lebte offensichtlich in Langsdorf bei Lich, wo er in den Jahren 1561-1563 das Haus "Im Hegerich", Reichgasse 23, einen bedeutenden Fachwerkbau mit niedersächsischen Einflüssen errichten ließ (Walbe, S. 191 und 200ff.).

Philipp Gewend, der Verstorbene, wurde 1566 als Philippus Gewendus ohne Herkunftsangabe an der Universität Marburg immatrikuliert (Falckenheiner). Als Vogt zu Wetzlar ist er z. B. 1598 nachweisbar (Bock, S. 318). Seine Ehefrau Anna Elisabetha, die er zu unbestimmter Zeit heiratete, war eine geborene Schwartz. Ihre Grabplatte hat sich in Wetzlar ebenfalls erhalten. Aus der Ehe gingen - soweit bekannt - fünf Kinder hervor (Reihenfolge unsicher):

1. Dorothea, die um 1610 einen Georg Raab heiratete und das Haus in Langsdorf erbte (Walbe, S. 200),

2. Elisabeth, geboren am 19. August 1588 in Wetzlar, verheiratet in Wetzlar am 16. August 1608 mit Hermann Schomler aus Siegen, nassauischem Rat und Stadtschultheißen zu Siegen (Historisches Archiv der Stadt Wetzlar, Stammtafeln von Siegfried Rösch).

3. Philipp Jacob, geboren am 17. Juni 1594 in Wetzlar (Historisches Archiv der Stadt Wetzlar, Stammtafeln von Siegfried Rösch), weiteres unbekannt.

4. Margaretha, geboren am 30. Januar 1596 in Wetzlar (Historisches Archiv der Stadt Wetzlar, Stammtafeln von Siegfried Rösch), die in erster Ehe am 6. Dezember 1613 in Wetzlar den aus Laubach stammenden hessischen Kanzler Dr. Georg Terhell heiratete (Clemm, S. 160, und Eckhardt) und nach dessen 1624 erfolgtem Tod am 30. Mai 1626 mit dem fürstlichen Rat zu Darmstadt Adam Leuth die Ehe schloß (Eckhardt),

5. Anna Maria, die in erster Ehe am 19. August 1623 Dr. Martin Leuth, Kammermeister zu Darmstadt, einen Halbbruder Adam Leuths, ehelichte (Eckhardt) und in zweiter Ehe mit Dr. jur. Martin Schickhard, gräflich nassau-katzenelnbogischem Rat und Advokat zu Frankfurt, verheiratet war (Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Bestand Alten-Limpurg, Nr. 137).

Inschrift

Umschrift:

A:

C • B F

B:

VIRTVTE ERVDITIONE ET /

LINGVARVM COGNITIONE /

PERVARIAS EVROPAE REGIO,, /

NES PEREGRINANDO COMPA,, /

RATA PRAESTANTIS, VIRI DO,, /

MINI PHILIPPI GWENDEN, /

ILLVSTRISS: HASSIAE PRINCI,, /

PVM IN VRBE HAC IMPERIALI /

ADVOCATI VVLGO VOIGTEN /

CVM VIXISSET ANNOS XLIX /

MENSES V DIES VII PRIDIE /

NONAS MARTII ANNO MDCV /

IN SERIA INVOCATIONE ET /

ET CONSTANTI FIDEI IN CHRIS,, /

TVM MERITORVMQVE EIVS /

PROFESSIONE PIE ET PLACIDE /

REBVS HVMANIS EXEMPTI COR /

PVS SVB HOC LAPIDE RECONDI /

TVM EST ANIMA AD CHRISTVM /

REDEMTOREM IPSIVS /

TRANSLATIA(M)

Übersetzung:

Der vortreffliche Mann Herr Philipp Gwenden, der sich durch seine Reisen in den verschiedenen Ländern Europas Tüchtigkeit, Bildung und Sprachkenntnis erworben hatte, war in dieser Reichsstadt Vogt des durchlauchtigsten Fürsten von Hessen. Als er 49 Jahre, 5 Monate und 7 Tage gelebt hatte, verließ er am 6. März 1605 unter ernstem Gebet, im festen Glauben an Christus unter Anerkennung von dessen Verdiensten fromm und sanft das irdische Leben. Sein Leib ist unter diesem Stein bestattet, seine Seele ist zu ihrem Erlöser Christus übergegangen.

Kommentar:

Das F in Inschrift A könnte, falls nicht zum Namen des Bildhauers gehörig, für FECIT (= hat es gemacht) stehen. Übersetzung der Inschrift B nach Gloël.

Schrift:

Kapitalis

Nachweise

Literatur:

  • Gloël, Heinrich: Die alten Wetzlarer Grabsteine und Epitaphien, in: Mitteilungen des Wetzlarer Geschichtsvereins 9 (1925), S. 3-80, hier S. 8 f.
  • Walbe, Heinrich (Bearb.): Die Kunstdenkmäler im Freistaat Hessen – Provinz Oberhessen – Kreis Giessen, Band 3: Südlicher Teil ohne Arnsburg, Darmstadt 1933
  • Falckenheiner, Wilhelm: Personen- und Ortsregister zu der Matrikel und den Annalen der Universität Marburg 1527-1652, Marburg 1904
  • Bock, Hartmut: Die Chronik Eisenberger (= Schriften des Historischen Museums Frankfurt am Main, Bd. 22), Frankfurt am Main 2001
  • Clemm, Ludwig: Das Stammbuch des Superintendenten Johannes Vietor (1574-1628), in: Mitteilungen der Hessischen Familiengeschichtlichen Vereinigung 1 (1925/28), S. 130ff.
  • Eckhardt, Albrecht: Der hessische Kanzler Dr. Georg Terhell (1576-1624), in: Hessische Familienkunde 13 (1976/77), Sp. 37-40

Personen:

Gewend, Johann(es) · Gewend, Juliana, geb. Koch · Koch, Juliana, verheiratete Gewend · Gewend, Anna Elisabetha, geb. Schwartz · Schwartz, Anna Elisabetha, verheiratete Gewend · Gewend, Dorothea, verheiratete Raab · Raab, Dorothea, geb. Gewend · Raab, Georg · Terhell, Georg · Terhell, Margaretha, geb. Gewend · Leuth, Margaretha, geb. Gewend · Leuth, Adam · Gewend, Margaretha, verheiratete Terhell und Leuth · Leuth, Martin · Gewend, Anna Maria, verheiratete Leuth und Schickhard · Leuth, Anna Maria, geb. Gewend · Schickhard, Anna Maria, geb. Gewend · Schickhard, Martin · Schomler, Hermann · Schomler, Elisabeth, geb. Gewend · Gewend, Elisabeth, verheiratete Schomler · Gewend, Philipp Jakob · Koch (von Langsdorf), Peter

Orte:

Bad Homburg · Darmstadt · Frankfurt · Homburg vor der Höhe · Hungen · Langsdorf · Laubach · Lich · Marburg · Siegen

Sachbegriffe:

Wappenschilde · Engelsköpfe · Wappen · Rollwerkkartuschen · Flößerhaken · Löffel · Pfeile · Signaturen · Männer · Vögte

Wappen:

Gewend · Koch

Bearbeitung:

Andreas Schmidt, HLGL

Zitierweise
„Philipp Gewend 1605, Wetzlar“, in: Grabdenkmäler <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1416> (Stand: 5.9.2008)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde