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Grabdenkmäler

Übersichtskarte Hessen
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Johann von Hohenweisel 1485, Martinsthal

Marienthal · Gem. Geisenheim · Rheingau-Taunus-Kreis
Standort | Merkmale | Beschreibung | Inschrift | Nachweise | Zitierweise
Standort

Standort:

Marienthal

Angaben zum Standort:

Ursprünglich vor dem im Seitenschiff der Klosterkirche stehenden Kreuzaltar bestattet. Heute befindet sich die Platte aufrecht stehend an der überdachten nördlichen Außenwand der Kirche.

Heutiger Aufbewahrungsort:

Kloster Marienthal, Kirche

Merkmale

Datierung:

28. Juni 1485

Typ:

Grabplatte

Material:

roter Sandstein

Erhaltung:

erhalten

Größe:

125 x 252 cm (B x H)

Größe der Buchstaben:

5 cm

Beschreibung

Beschreibung:

Kastenartig eingetieftes Feld mit der reliefierten, leicht nach links gedrehten Figur des gerüsteten Ritters, mit in die Schriftzone hineinragender Sturmlanze und Schwert. Zu Häupten und zu Füßen der Figur beidseitig je ein Wappenschild. Auf dem erhabenen Rand umlaufende Grabinschrift mit deutlich sichtbarer Vorlinierung. Einzelne Fehlstellen mit Inschriftverlusten, beschädigte Randleiste beigeputzt und mit roter Steinfarbe übermalt. Im oberen Steindrittel Einzelbuchstaben aus späterer Zeit.1)

Der Vergleich des geschlossenen Formulars mit dem zur Verfügung stehenden Platz auf der Platte läßt den Schluß zu, daß die untere Querseite des Steines von Anfang an inschriftlos konzipiert war. Die Drehung der Ritterfigur legt nahe, daß das Denkmal an der südlichen Innenwand so aufgerichtet war, daß der Ritter auf den Altar bzw. zum Sakramentshaus blickte.2)

2) Vergleichbare Ritterfiguren etwa in der Ingelheimer Burgkirche, vgl. Christian Rauch, Die Kunstdenkmäler des Kreises Bingen. Darmstadt 1934 (Die Kunstdenkmäler im Volksstaat Hessen. Provinz Rheinhessen.) 504-506 m. Abb. 419; zur Ewigen Anbetung am Untermain vgl. Fritz Arens, Gotische Grabmäler mit der Darstellung der Ewigen Anbetung in Deutschland. In: Das Münster 25 (1972) 333-341.

1) Die Kritzeleien bestehen meist aus Einzelbuchstaben und befinden sich oberhalb der Schulter der Grabfigur. Erkennbar ist ein eingeritztes Wappen mit einem achtstrahligen Sternchen und dem Datum A(nn)° 1688.

Geschlecht, Alter, Familienstand:

männliche Person(en)

Stand:

Adlige

Enthaltene Wappen:

Hohenweisel, Riedesel; Rheinberg, Hattstein.

Dargestellte Personen:

Ritter Johann von Hohenweisel.

Verwandtschaftlich mit den Winter von Rüdesheim verbunden,3) erbte Johann von Hohenweisel, Sohn Hermanns und der Margarethe von Rheinberg,4) von deren Geisenheimer Familienzweig umfangreiche Besitzungen in Lorch und Geisenheim.5) Vom 2. Oktober 1467 bis zum 6. Februar 1470 versah Hohenweisel das Geisenheimer Oberschultheißenamt und ist wiederholt als Bürge und Darlehensgeber für den Mainzer Erzbischof Adolf II. von Nassau urkundlich belegt, auf dessen Seite er während der Mainzer Stiftsfehde stand.6) Für seine Verdienste bei der Eroberung von Mainz erhielt er 1463 vom Erzbischof den Hof Zur kleinen Eiche in Mainz als Lehen, den er drei Jahre später zurückgab.7) Nach Humbracht war Hohenweisel in erster Ehe mit Katharina von Engelstadt, 1456 in zweiter mit Clara Wolf von Lahnstein verheiratet.8)

3) Durch Henne Winter von Rüdesheim.

4) Humbracht Taf. 282.

5) Vgl. zu den Gütern Liedke, Marienthal 31; zu Geisenheim Struck, Geisenheim 110 mit Anm. 130.

6) Schulz, Marienthal 26; zu seinen Darlehen vgl. Struck, Geisenheim 27 und 29.

7) Liedke 3If.

8) Humbracht Taf. 282; auch Bodmann l, 324 Anm. a. Sein Sohn Bruno soll angeblich Rheingauer Viztum gewesen sein; dies läßt sich jedoch nicht bestätigen, vgl. Viztumliste bei Witte 228ff. Zur Grabplatte von Johannes' 1487 verstorbener Schwester Elisabeth (Lisa) und ihres Ehemannes Philipp von Lindau vgl. Nr. 283.

Inschrift

Umschrift:

In dem gar alsz man schrybet / nach cryst gebert m cccc Ixxxv vf sant pete[r vnd pauelß /] abet starp der veste hene von hoenwyszel dem got genad

Kommentar:

Die Minuskelschrift wurde vom Steinmetz sorgfältig vorbereitet, da feine Vorlinien erkennbar sind, mit denen sowohl die Höhe der Einzelbuchstaben als auch die Größe der oberen und unteren Hastenbrechungen festgelegt wurde. Die Buchstaben tragen teilweise kleine, an den Enden gerollte Zierstriche. Das /-Versal am Textbeginn zeigt eine eigenwillige, schreibschriftlichen Vorbildern entlehnte Form. Eine Kennzeichnung der Worttrennung erfolgt nicht.

Ergänzt nach Helwich.

Schrift:

Gotische Minuskel

Nachweise

Literatur:

  • Helwich, Syntagma 379
  • Roth, Geschichtsquellen III 300
  • Kdm. 181
  • Schulz, Marienthal 27.

Sachbegriffe:

Wappen · Männer · Adlige · Ritter

Wappen:

Hohenweisel · Riedesel · Rheinberg · Hattstein

Bearbeitung:

Die Inschriften des Rheingau-Taunus-Kreises. Gesammelt und bearbeitet von Yvonne Monsees (Die Deutschen Inschriften 43), 1997, S. 228 f., Nr. 269.

Zitierweise
„Johann von Hohenweisel 1485, Martinsthal“, in: Grabdenkmäler <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1943> (Stand: 4.10.2006)
 
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