Historisches Ortslexikon
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- KDR 100, TK25 1900 ff.
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- Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 76. Eiterfeld
Weitere Informationen
Rhina
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Ortsteil · 230 m über NN
Gemeinde Haunetal, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
- Siedlung ↑
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Ortstyp:
Dorf
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Lagebezug:
11,5 km südlich von Bad Hersfeld
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Lage und Verkehrslage:
Geschlossenes Dorf mit einfachem Grundriss unmittelbar am westlichen Zufluss des Rhinabaches in die Haune. Kern der Siedlung entlang des Baches, Kirche in zentraler erhöhter Lage mit kreisförmiger Umfriedung. Jüngere Siedlungsausdehnung nach Süden und Norden. Hauptachse ist die parallel zum Bach durch den Ort führende Wetzloser Straße (K 45), die vor der Haune nach Süden rechtwinklig abknickend in die Wehrdaer Straße (K 46) übergeht. Anbindung über die Haunebrücke an die L 3431 sowie die B 27.
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Ersterwähnung:
1003
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Historische Namensformen:
- Rinaha (1003) [Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld 1,1, S. 144-145 Nr. 76; MGH Diplomata Könige 3, Heinrich II. : Bresslau, S. 60-61, Nr. 51 Digitalisat]
- Rinaha (1070) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 2315; Druck (Digitalisat): MGH D H IV S. 292-293, Nr. 232]
- Ryena an der Hune, zcu (1362) [HStAM Best. Urk. 14 Nr. 13500]
- Ryna (1415) [HStAM Best. Urk. 75 Nr. 730; HStAM Best. K Nr. 432, Nr. 446]
- Ryna (1421) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 831]
- Ryen (1494) [HStAM Best. Urk. 13 Nr. 4178; HStAM Best. Urk. 56 Nr. 1244]
- Reyn (1501) [HStAM Best. Urk. 75 Nr. 1343]
- Reihna, zu (1579) [Salbuch Amt Hauneck HStAM Best. S Nr. 356]
- Rhein (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 16,1]
- Rhiena (1746)
- Rhina (1773) [HStAM, 49 d, Hünfeld 506]
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Bezeichnung der Siedlung:
- villa (1003)
- Dorfschaft (1579)
- Menge Dorf; Menge Dorfschaft (1773)
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Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:
- Ahlertshof
- Im Sinzig
- Sinzig
- Sinzigburg
- Sinzigburg (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
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Umlegung der Flur:
1928
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Älteste Gemarkungskarte:
1768
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Koordinaten:
Gauß-Krüger: 3548238, 5625493
UTM: 32 U 548144 5623682
WGS84: 50.76291° N, 9.682646° O OpenLayers - Statistik ↑
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Ortskennziffer:
632008100
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Flächennutzungsstatistik:
- 1885 (Hektar): 376, davon 221 Acker (= 58.78 %), 43 Wiesen (= 11.44 %), 77 Holzungen (= 20.48 %)
- 1961 (Hektar): 371, davon 68 Wald (= 18.33 %)
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Einwohnerstatistik:
- 1557: 21 steuerpflichtige Güter (mit Ahlertshof und Klebsmühle) und 8 Personen Dienstpersonal (hinzuzuzählen sind die Angaben von 1579: 5 hessische Höfe, 1 Mühle der Herren von Buchenau
- 1569: 18 steuerpflichtige Güter (mit Ahlertshof und Klebsmühle und 1 Person Dienstpersonal, 1 Mühle der von Buchenau
- 1579: 18 Vollbauern (darunter 3 hessische), 6 adlige Beisassen, 2 hessische Beisassen
- 1585: 23 Haushaltungen (davon 5 hessische) [Der ökonomische Staat]
- 1746: 30 adlige Hintersassen (davon 6 hessiche Haushaltungen)
- 1773: zu Hessen gehörig: 7 steuerpflichtige Häuser mit 44 Menschen; Gewerbetreibende: 1 Schmied, so auch Ackermann, 2 Schneider, wovon einer auch ein Ackermann, 2 Leinweber, so Ackerleute und nur ihr Eigentuch machen
- 1885: 563, davon 248 evangelisch (= 44.05 %), 1 katholisch (= 0.18 %), 314 Juden (= 55.77 %)
- 1961: 502, davon 406 evangelisch (= 80.88 %), 64 katholisch (= 12.75 %)
- 1970: 443
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Diagramme:

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. - Verfassung ↑
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Verwaltungsbezirk:
- 1494: Fürstentum Fulda, Ritterschaftliches Patrimonialgericht Wehrda (Herren von Trümbach)
- 1579: Mehrherriges Dorf: Herrschaft Wehrda (von Trümbach), Amt Hauneck (Hessen), Gericht Buchenau
- 1787: gehört der größere Teil zum trümbaischen Gericht Wehrda, der kleinere zum landgräflich-hessischen Amt Hauneck
- 1803-1806: Fürstentum Nassau-Oranien-Fulda, Fürstentum Fulda, Cent Neukirchen
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Holzheim
- 1816: Kurfürstentum Hessen, Großherzogtum Fulda, Amt Burghaun
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hünfeld
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fulda
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hünfeld
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hünfeld
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hünfeld
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hünfeld
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
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Altkreis:
Hünfeld
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Gericht:
- 1822: Justizamt Burghaun
- 1867: Amtsgericht Burghaun
- 1932: Amtsgericht Hünfeld
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Herrschaft:
In der Wildbannschenkungsurkunde König Heinrichs II. für die Abtei Hersfeld von 1003, durch die der Forst Eherinevirst seiner Ausdehnung nach bestimmt wird, sind als Fixpunkte der Terminatio u.a. die Orte Odensachsen, Rhina und Mengshausen angegeben. König Heinrich IV. bestätigt dies 1070.
Rhina gehörte seit dem Spätmittelalter zum Territorium der Reichsabtei Fulda im Gericht Wehrda. Durch dauernde Verpfändungen waren die Herrschaftsrechte dem Stift jedoch entglitten und unter mehreren Herren aufgeteilt. In der frühen Neuzeit bildet sich dann eine sogenannte Mengeherrschaft heraus.
1362 übertragen Hartrad und Ludwig von Trümbach dem Grafen von Ziegenhain eine Hufe Land ihres eigenen Gutes, die gelegen ist zu Rhina, und erhalten sie als Burglehen von Neukirchen zurück. Anfang des 15. Jahrhunderts gehörte ein Teil des Ortes Rhina den Rittern von Bimbach. Weitere Anteile haben die von Trümbach, die sie 1421 an die Abtei Hersfeld verpfänden. Die von Buchenau wiederum verkaufen 1451 ein Gut zu Rhina an Landgraf Ludwig von Hessen.
Um 1500 ist das Dorf mehrherrig und unter den Herren von Trümbach zu Wehrda, dem hessischen Amtmann von Hauneck und den Herren von Buchenau aufgeteilt. Außerdem besaßen die Herren von Haune zwei Güter. Die Herren von Buchenau verlieren im Laufe des 17. Jahrhunderts ihren Einfluss. 1579 haben die von Trümbach den größten Anteil der Untertanen und maßten sich die alleinige Herrschaft über das Dorf an. Im 18. Jahrhundert ist Rhina ein "gemeinschaft dorff", in dem sechs hessische Untertanen wohnen und die Herren von Trümbach den größten Einfluss haben. Die Herrschaft bleibt bis zum Ende des alten Reiches aufgeteilt
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Gemeindeentwicklung:
Am 1.2.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Gemeinde Haunetal zusammengeschlossen.
- Besitz ↑
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Grundherrschaft und Grundbesitzer:
- 1421 verkauft Werner von Trümbachmit seinen Brüdern Hartrad und Ludwig u.a. sein Gut in Rhina an Abt Albrecht und den Konvent von Hersfeld.
- 1494: Dorf des fuldischen Gerichts Wehrda (Polit. Akten, Fulda). Um 1612 hatten an Rhina außer Hessen die von Buchenau, von der Tann und von Trümbach Anteil
- Kirche und Religion ↑
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Ortskirchen:
- Um 1500 scheint die Pfarrei aus dem zerstörten Schletzenrod nach Rhina verlegt worden zu sein.
- Vorgängerbau unter Verwendung des Mauerwerks 1814 durch klassizistischen Saalbau ersetzt
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Pfarrzugehörigkeit:
Vikariat von Wehrda. Bis 1570 war Rhina die Mutterkirche, danach Filial bzw. Vikariat von Wehrda, so 1773, 1872 und 1994 (Haunetal-Rhina)
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Patronat:
Das Patronatsrecht üben im 18. Jahrhundert der Abt von Fulda und die von Trümbach zu Wehrda aus
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Bekenntniswechsel:
Einführung der Reformation vermutlich um 1530.
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Juden:
Provinzial-Rabbinat Fulda
1835:177; 1861: 319; 1905: 297; 1932/33: 182. Nach 1933 sollen insgesamt rund 70 Personen nach Nordamerika ausgewandert sein.
Möglicherweise lebten schon im 14. Jahrhundert Juden in Rhina. Sicher jedoch zogen Juden unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Kriege nach Rhina. Eine eigenständige Gemeinde bestand im Ort seit 1682.
1782 Errichtung eines Synagogengebäudes. 1938 wird die Synagoge (Dorfstraße) niedergebrannt.
Der Anteil der jüdischer Mitbürger an der Gesamtbevölkerung war in Rhina bereits im 19. Jahrhundert sehr hoch. Um 1829 waren es 40 Familien mit 190, 1855 63 Familien mit 322 Personen, 1919 253 Personen in 59 Familien, 1927 52 Familien mit 211 Personen. Noch wenige Jahre vor der NS-Machtübernahme 1933 lebten fast 200 Juden am Ort; dies entsprach etwa einem Drittel der Gesamtbevölkerung.
Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, Gemeinde Rhina, Hessen
1862 wurde die Religionsschule in eine öffentliche jüdische Elementarschule umgewandelt.. 1939 wurde die Schule aufgelöst.
Berufe: Vieh- und Fellhandel, Hausierhandel, aber auch Handwerk
Im Ort gab es einen jüdischen Friedhof, der seit 1847 bestand und zwischen der Bahnstrecke Bebra-Frankfurt und B 27 liegt. (alemannia-judaica)
- Kultur ↑
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Schulen:
1773 ist ein gesamtschaftlich betriebenes Schulhaus vorhanden, das der Schulmeister bewohnt
1910 einklassige Volksschule
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Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):
- Wirtschaft ↑
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Mühlen:
In Rhina befanden sich zwei Mühlen, die Haune- und die Rhinmühle.
Die Haunemühle am östlichen Rand der Ortschaft wird seit 1494 von einem abgeleiteten Mühlbach mit dem Wasser der Haune bis heute betrieben. Sie gehörte ursprünglich den Herren von Buchenau. Bis 1919 wurde sie von drei oberschlächtigen Wasserrädern angetrieben, 1984 wurde das letzte Wasserrad gegen eine Turbine ausgetauscht.
Die Rhinmühle wird bereits 1454 erwähnt und wurde mit dem Wasser des Rhinabaches über ein oberschlächtiges Wasserrad angetrieben. Sie wurden von den Herren von Trümbach als Lehen ausgegeben. Der Betrieb wurde 1975 eingestellt.
- Nachweise ↑
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Literatur:
- H. Neuber, Haunetaler Geschichte, S. 32-35, 71-72, 91-92, 151ff., 225 (Statistik)
- H. Neuber, Mühlen im unteren Haunetal, S. 79-118
- Scholz, Wasser- und Windmühlen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, S. 88
- Denkmaltopographie Landkreis Hersfeld-Rotenburg 1, S. 341-348
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 385 > vgl. Wüstung Rhina
- Fundberichte aus Hessen 1991, S. 449 (Verweis)
- Fundberichte aus Hessen 1996 , S. 442 (Sippel) > Gemarkungsfund
- Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen: Anfang, Untergang, Neubeginn, Bd. 2, S. 220-222
- Zitierweise ↑
- „Rhina, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3330> (Stand: 16.9.2026)

