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KDR 100, TK25 1900 ff.
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Heringen (Werra)
Historische Karten
Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 68. Philippsthal
Gerichtsstätten
Anger in Heringen

Weitere Informationen

Heringen (Werra)

Stadtteil · 232 m über NN
Gemeinde Heringen (Werra), Landkreis Hersfeld-Rotenburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

22 km östlich von Bad Hersfeld

Lage und Verkehrslage:

Ursprünglich Dorf mit regellosem Grundriss am rechten Uferhang der mittleren Werra, im Osten der Gemarkung unmittelbar an die heutige Landesgrenze zum Freistaat Thüringen grenzend. Hauptachse ist die im Zuge der L 3172 verlaufende Hauptstraße, von der in der Mitte der Siedlung mit Kirche nach Nordwesten die Pfarrstraße (L 3255) über die Werra zum gegenüberliegenden Kalibergwerk und von dort nach Süden abknickend weiter nach Bad Hersfeld führt. Eine grundlegende strukturelle Veränderung erfährt der Ort durch den um 1900 einsetzenden Kalibergbau (Kaliwerk Wintershall) und den damit verknüpften Ausbau durch Werkswohnungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg regelhafte Siedlungsentwicklung nach Osten (hier auch die katholische Pfarrkirche St. Robert) und Südosten.

Bahnhof Haltepunkt der Eisenbahnlinie Gerstungen – Vacha ("Werratalbahn I") von 1904 bis zur endgültigen Stilllegung der Strecke 1986 (Die Teilstrecke Dankmarshausen - Heringen wurde am 30.3.1904 eröffnet, die Teilstrecke Heringen - Vacha am 2.10.1905).

Ersterwähnung:

1015-1050

Siedlungsentwicklung:

Im Bereich der Gemarkung Heringen fanden sich Hinweise auf Wüstungen, denen bislang keine Namen in Schriftquellen zugewiesen werden konnten.

Heringen lag von 1945-1990 an der innerdeutschen Grenze, abseits der Durchgangsstraßen und war somit von der Teilung in besonderem Maße betroffen.

1928 erfolgt die Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Heringen.

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Mit Gockel, Die urkundliche Überlieferung des Klosters Fulda zu Thüringen in der Karolingerzeit, S. 184-185, sind die an anderer Stelle im Codex Eberhardi genannten Privatschenkungen aus Heringen mit hoher Sicherheit auf Großheringen nö. Bad Sulza zu beziehen.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (1015-1050)
  • Dorf (1354, 1553, 1807)
  • Marktflecken (1770)
  • Flecken (1818)
  • Stadt (1977)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1873

Älteste Gemarkungskarte:

1703

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3571253, 5639550
UTM: 32 U 571150 5637734
WGS84: 50.886886° N, 10.011532° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

632009030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1192, davon 718 Acker (= 60.23 %), 220 Wiesen (= 18.46 %), 44 Holzungen (= 3.69 %)
  • 1961 (Hektar): 3203, davon 2001 Wald (= 62.47 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1553: 106 Feuerstätten
  • 1585: 114 Haushaltungen (Der ökonomische Staat, S. 80)
  • 1747: 175 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1770: 194 ganze und 6 einfache Häuser mit 788 Menschen; Gewerbetreibende: 2 Müller, 1 Drechsler, 49 Leinenweber, 3 Zimmermeister, 9 Schmiede, 4 Maurer, 1 Färber, 2 Schreiner, 1 Wirt, 4 Wagner, 3 Büttner, 2 Fenstermacher, 7 Schneider, 3 Seifensieder, 1 Näherin, 2 Wollkämmer, 10 Wollspinner, 19 Tagelöhner, 1 Handelsmann, 7 Handelsjuden, 1 Stickerin
  • 1885: 1102, davon 1094 evangelisch (= 99.27 %), 0 katholisch, 8 Juden (= 0.73 %)
  • 1961: 4768, davon 4069 evangelisch (= 85.34 %), 642 katholisch (= 13.46 %)
  • 1970: 6974

Diagramme:

Heringen (Werra): Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1432: Landgrafschaft Hessen, Amt Friedewald, Gericht Heringen
  • 1553: Landgrafschaft Hessen, Gericht/Amt Friedewald
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederfürstentum, Amt Friedewald, Gericht Heringen
  • 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald, Unteramt
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Heringen
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Friedewald
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis:

Hersfeld

Gericht:

  • 1822: Justizamt Friedewald
  • 1867: Amtsgericht Friedewald
  • 1879: Amtsgericht Friedewald
  • vor 1945: Amtsgericht Friedewald
  • 1945: Amtsgericht Bad Hersfeld

Herrschaft:

Das Stift Fulda besaß nachweislich seit dem 11. Jahrhundert Dienste und Abgaben, die seit Mitte des 12. Jahrhunderts als Lehen an die Ministerialen von Heringen ausgetan waren. 1354 tritt auch Ulrich von Hanau Lehnsherr im Gericht Heringen auf. Das Stift Fulda ist bemüht, seinen Einfluß zu bewahren und den Drang der niederadligen Herren zur Verselbständigung zu hemmen. Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts scheint es als Lehen an die Grafen von Ziegenhain ausgetan. 1432 verkaufen die von Heringen das gesamte Gericht Heringen mit dem Dorf an die Landgrafen von Hessen, bei denen es faktisch bis zum Ende des Alten Reiches verbleibt.

Gemeindeentwicklung:

Am 15.9.1968 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung der Gemeinde Wölferhausen in die neu entstehende Gemeinde Heringen (Werra). Zu deren Entwicklung s. Heringen (Wera), Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Heringen (Werra), dem 8. März 1977 von der Hessischen Landesregierung die Stadtrechte verliehen wurden.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Kloster Fulda gehören in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts zahlreiche Güter in Heringen der Reichabtei Fulda. Genannt werden 2 Territorien, 16 Halbfreie (-Hufen), 34 Hufen, insgesamt 22 Kolonen und 73 Slawen, 1 Zehntkirche, 7 Mühlen, 4 Fischer und 3 zu Lehen ausgetane Hufen (Gockel, Die urkundliche Überlieferung des Klosters Fulda zu Thüringen in der Karolingerzeit, S. 184).
  • 1553 werden folgende Grundherren aufgeführt: Kloster Fulda, von Reckerodt, von Boyneburg, das Spital in Vacha, Familie Gottschalck, von Diede (Erben der Hornsberger), von der Thann, Murhardt (Amtmann von Vacha), Kloster Kreuzberg und Greth Moelle

Ortsadel:

1153 - nach 1432

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1015-1050 ist eine Zehntkirche belegt
  • Pfarrer 1251
  • 1502 entsendet Landgraf Wilhelm II. einen Spendenaufruf an alle Kurfürsten, Fürsten, Grafen, Herren, Ritter, Knechte, Pfarrer, Amtleute, Bürgermeister, Räte und Gemeinden und bittet darin, die Einwohner seines Dorfes beim Bau der Kirche in Heringen zu unterstützen (Landgrafen-Regesten online Nr. 4977). Mächtiger Chorturm aus dieser Zeit noch vorhanden, das Schiff der ehemals dreischiffigen Basilika 1912 und 1971 durch Neubauten ersetzt
  • 1951 wird die katholische St. Robert-Kirche geweiht

Patrozinien:

  • Robert (1951)

Pfarrzugehörigkeit:

1585 gehören Lengers, Widdershausen, Wölfershausen, Vitzeroda, Bengendorf, Leimbach, Abteroda, und Gospenroda zu Heringen, 1624 noch Harnroda und Dippach. So, bis auf Dippach, auch 1872. 1950 wird Herfa aus dem Kirchspiel Friedwald als Filialgemeinde nach Heringen umgegliedert.

Patronat:

1468 ist der Abt von Fulda Patron, 1585 und 1770 der Landgraf von Hessen

Diakonische Einrichtung:

Bau einer Diakonissenstation mit Wohnräumen für Schwestern, Kleinkinderschule, Vereinstätigkeit seit 04.02.1910 Schwestern für Krankenpflege, Vereinsbetreuung, Gemeindearbeit Sardemann, Geschichte des hessischen Diakonissenhauses zu Cassel, S. 288-289; 1926 zwei Krankenpflege- und eine Schulschwester, Kleinkinderschule, Diakoniestation Ritter, Kirchliches Handbuch, S. 315; Fortbestand bis 1974 (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus)

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Caspar Mosebach 1519 bis ca. 1557, seit 1526 evangelisch

Kirchliche Mittelbehörden:

1506: Erzbistum Mainz, Archidiakonat Dorla, Erzpriestersprengel von Heringen (zum Umfang s. Mittelpunktfunktion)

Kultur

Schulen:

1770 ist ein Schulhaus vorhanden

1910 Volksschule mit sechs Klassen

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Als die von Heringen 1432 das Gericht Heringen an Hessen verkauften (GR Heringen) gehörten dazu die Dörfer Heringen, Widdershausen und Lengers, der Hof zu Harnrode und die Wüstungen Wulfershusen, Fronhof, Mutelsdorf, Gytzenrode, Thennichendorf, Leimbach, Igelsdorf, Buren, Gastenrade, Apterade, Winczenrade, Geyserstadt, Stigkens, Mespens, Hamme, Benegarte, Witerade und drei Vorwerke zu Dieppach. Es war Lehen vom Abt von Fulda und wurde als besonderes Gericht mit dem Amt Friedewald vereinigt (Reimer).

1506 gehören zum Archipresbyterat von Heringen die Pfarreien Berka, Dankmarshausen, Gerstungen, Großensee, Heerda, Heringen, Obersuhl und Sollmannshausen.

Wirtschaft:

Ursprünglich Landwirtschaft, Köhlerei und Leinenweberei, seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist der Kalibergbau (Kaliwerk Wintershall) der wichtigste Erwerbszweig der Region.

Mühlen:

Außerhalb der Dorfgemarkung auf der anderen Werraseite befand sich 1770 die Aumühle. Die herrschaftliche Lehnmühle, die Große Mühle genannt, betreibt mit dem Wasser der Werra zwei unterschlägige Mahl- und einen Schlaggang. 1910 wird sie von der Gemeinde erworben und 1924-27 zur leistungsfähigen Mahlanlage mit Turbine ausgebaut

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Heringen (Werra), Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3251> (Stand: 13.8.2026)