Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Topografie des Nationalsozialismus in Hessen

Übersichtskarte Hessen

Kassel, Sondergericht am Landgericht, Regierungs- und Justizgebäude (heute: „Dr. Fritz-Hoch-Haus“)


Steinweg 6 – In der NS-Zeit: Schloßplatz 8
Klassifikation | Nutzungsgeschichte | Indizes | Nachweise | Abbildungen | Zitierweise
Klassifikation

Kategorie:

Justiz

Subkategorie:

Gericht

Nutzungsgeschichte

Objektbeschreibung:

Auf Grundlage der „Verordnung zur Bildung von Sondergerichten“ vom 21. März 1933 wurde am Landesgericht Kassel ein Sondergericht geschaffen.

Beschreibung:

Vor dem Sondergericht Kassel wurden politische Gegner des Nationalsozialismus (vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten) sowie religiöse Personen, welche aus Glaubensgründen gegen die NS-Machthaber opponierten, angeklagt und zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt.

Das traf auch auf das erste Verfahren mit Urteil vom 31. März 1933 zu: Hier hatten 16 Männer (vor allem Anhänger der SPD) unter der Anklage gestanden, Landfriedensbruch begangen und gegen die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar des Jahres verstoßen zu haben. Das Tatgeschehen hatte sich in der Nacht vom 4. auf den 5. März in Ochshausen zugetragen. NS-Kreisleiter Sempf hatte sich an die Spitze eines SA-Sturms gestellt, um ein Exempel gegen die (sozialdemokratisch eingestellte) Dorfbevölkerung zu statuieren. Im Zuge des Überfalls auf circa 20 Männer im „Mehlhof“ verletzte der Schuss eines SA-Mannes den SA-Sturmführer Most. Die NS-konformen Kasseler Sonderrichter folgten jedoch der Darstellung der Angreifer, derzufolge die Gewalt von den politischen NS-Gegnern ausgegangen sei. So wurden von den 16 Angeklagten zwölf verurteilt - fünf zu drei Jahren Gefängnis und sieben zu acht Jahren Zuchthaus. Vier Angeklagte erhielten einen Freispruch.

Bemerkungen:

Die Funktion der Verfolgung von NS-Gegnern übte auch der politische Strafsenat am Oberlandesgericht aus, der allerdings der sogenannten ordentlichen Strafjustiz zuzuordnen ist.

Nutzungsanfang (früheste Erwähnung):

21. März 1933

Nutzungsende (späteste Erwähnung):

1945

Nutzung vor NS-Zeit:

Das in der Gründerzeit auf den Fundamenten einer Chattenburg erbaute monumentale Gebäude diente seit dem Kaiserreich als Regierungs- und Justizpalast für den preußischen Regierungsbezirk Kassel.

Nutzung nach NS-Zeit:

Der Bau wurde im Zuge der alliierten Luftangriffe auf Kassel 1943 zerstört. Heute steht auf seinem Gelände die Hauptdienststelle des Regierungspräsidiums von Kassel - das „Dr. Fritz-Hoch-Haus“.

Indizes

Orte:

Kassel

Sachbegriffe:

Gericht · Justiz · Verfolgung

Nachweise

Literatur:

Ungedruckte Quellen:

Urteil des Sondergerichts Kassel vom 31.3.1933, S. 3 J 1/33, S. 15 (Archiv des LG Kassel)

Zitierweise
„Kassel, Sondergericht am Landgericht, Regierungs- und Justizgebäude (heute: „Dr. Fritz-Hoch-Haus“)“, in: Topographie des Nationalsozialismus in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/nstopo/id/421> (Stand: 5.1.2016)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde