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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 17. Ermschwerd
Gerichtsstätten
Tanzplatz in Blickershausen

Weitere Informationen

Blickershausen

Stadtteil · 134 m über NN
Gemeinde Witzenhausen, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

6 km nordwestlich von Witzenhausen

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriß und geringer Siedlungsdichte an der Rautenbachmündung in die Werra, unmittelbar an der heutigen Landesgrenze zu Niedersachsen gegenüber von Hedemünden. Viereckig ummauerte Kirche in zentraler, leicht erhöhter Lage mit eng angrenzender Bebauung. Südlich des Rautenbaches als Dorfmittelpunkt der Gänsemarkt mit freiem Platz über rechteckigem Grundriss. Jüngere Siedlungsentwicklung nach Norden und Westen. Verkehrsanbindung über Kreisstraßen zur L 3302 und zur 3238.

Ersterwähnung:

1292

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Die in der Literatur (850 Jahre Blickershausen, S. 5-7) auf Blickershausen bezogenen Belege aus dem 12. Jahrhundert beziehen sich auf eine gleichnamige Wüstung Blickershausen westlich von Kassel.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • Dorf (1350)
  • villa (1409)
  • wüst (um 1440)
  • Dorf (1456)

Umlegung der Flur:

1966 und 1969

Älteste Gemarkungskarte:

1783

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3555357, 5694409
UTM: 32 U 555261 5692571
WGS84: 51.381688° N, 9.794075° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636016030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1744: 1136 1/3 Acker
  • 1885 (Hektar): 321, davon 252 Acker (= 78.50 %), 27 Wiesen (= 8.41 %), 0 Holzungen
  • 1961 (Hektar): 321, davon 0 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1466: 16 Hausgesesse
  • 1575/85: 22 Mannschaften
  • 1681: 30 Mannschaften
  • 1747: 42 Mannschaften mit 43 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1837 (Gewerbetreibende): 1 Schmied, 1 Schreiner, 1 Wirt, 1 Müller, 1 Maurer
  • 1885: 243, davon 243 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1925: 208 (davon 199 evangelisch)
  • 1961: 280, davon 216 evangelisch (= 77.14 %), 57 katholisch (= 20.36 %)
  • 1970: 288 Einwohner

Diagramme:

Blickershausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1456 und 1466: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Ziegenberg
  • 1569: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Witzenhausen
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Ludwigstein, Adelsdorf (von Buttlar)
  • 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Witzenhausen
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Witzenhausen
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Witzenhausen
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Witzenhausen
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Witzenhausen
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Witzenhausen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Witzenhausen

Gericht:

  • 1456 Landgräfliches Gericht Ziegenberg
  • 1494: von Buttlar'sches Gericht Ziegenberg
  • um 1570: Niederes und peinliches Gericht von Buttlar
  • 1747: Niederes und peinliches Gericht von Buttlar
  • 1807: Friedensgericht Witzenhausen
  • 1814: Amt Witzenhausen
  • 1822: Justizamt Witzenhausen
  • 1834: Justizamt Witzenhausen II
  • 1837: Justizamt Witzenhausen
  • 1867: Amtsgericht Witzenhausen
  • 1879: Amtsgericht Witzenhausen

Herrschaft:

1329: Die von Rusteberg durch Fulda mit dem halben Dorf Blickershausen belehnt.

(um 1376) gibt der Landgraf von Hessen ein Lehen in Blickershausen an den Witzenhäuser Bürger Heinrich von Hungershuasen aus.

1456 hat der Landgraf von Hessen Gericht, Gebot, Verbot und Dienst inne. 1470: Landgraf Ludwig belehnt die von Berlepsch mit zum Schloss gehörenden Gefällen und Gerechtigkeiten u.a. zu Blickershausen, es folgen Belehnungen bis 1828.

1409 verkaufen der Kanoniker des Martinsstifts zu Kassel Konrad Melers und seine Mutter Elsa dem Kloster Kaufungen ihre Erbgüter in Blickershausen. 1489 erhalten die von Buttlar zu Ziegenberg vom Stift Kaufungen das freie Vorwerk zu Blickershausen verschrieben, seit 1494 ist es hessisches Lehen der von Buttlar.1510 geben die von Buttlar das Vorwerk wieder an das Stift Kaufungen zurück, das es an Heinrich von Bodenhausen überträgt. 1521 ist das Vorwerk aber wieder im Besitz der von Buttlar, bei dem er auch verbleibt. Sie üben hier die niedere Gerichtsbarkeit und damit die Ortsherrschaft aus.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.1.1974 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingemeindung in die Stadtgemeinde Witzenhausen, deren Stadtteil Blickershausen wurde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1350: Die auf Ziegenberg sitzenden von Berlepsch kaufen von den von Hanstein das halbe Dorf Blickershausen, das von Fulda zu Lehen ging.
  • 1353: Landgraf Heinrich verpfändet an Wilheminerkloster Witzenhausen den Zehnten zu Blickershausen.
  • 1373: Landgraf Heinrich verpfändet den Zehnten an Günther von Berlepsch, der 1387 dem Landgraf die Einlösung des halben Zehnten zugesteht.
  • Weitere Verpfändungen und Verkäufe durch Hessen zu Blickershausen:
  • 1374 an von Kindehausen, 1414 an Wickershausen, 1458 an Gensing

Zehntverhältnisse:

1344 und 1345: Das Wilhelmitenkloster Witzenhausen verpflichtet sich, dem Landgraf den halben Zehnten zu Blickershausen zu lösen zu geben, den es von den von Höxter gekauft hatte.

Ortsadel:

1292 bis ca. 1365

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Kirchhof (1456)
  • 1626: Kirche verbrannt
  • 1779: Gotischer Turm der Kirche mit Neubau des Schiffes, 1959-61 renoviert

Patrozinien:

  • Nikolaus (1456)

Pfarrzugehörigkeit:

1538: Pfarrer Kurt Geilfuß aus Ermschwerd versieht Blickershausen.

1585: Filialen Laubach und Ziegenberg

1611: aufgehoben

1747, 1872 und 1994 Filiale von Ermschwerd

Patronat:

1585 und heute von Buttlar

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts.

Kirchliche Mittelbehörden:

Archpresbytariat vielleicht Witzenhausen

Archdiakonat Heiligenstadt

Kultur

Schulen:

1837 Schulhaus und eigenen Lehrer

1910 einklassige Volksschule

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Wirtschaft

Wirtschaft:

1744: Eisensteinabbau, dann nach Veckerhagen verlegt

1804: Steingutfabrik

Mühlen:

1456 hat Kurt Messerschmied die Mühle

1837 wird die Mühle mit dem Wasser des Rautenbaches über ein, seit 1855 über zwei oberschlächtige Wasserrad angetrieben. Um 1959 wird der Betrieb eingestellt und die Gebäude werden abgebrochen

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Blickershausen, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/5419> (Stand: 13.12.2024)