Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen
Bitte beachten Sie: LAGIS hat eine neue Adresse: lagis.hessen.de. Für eine Übergangszeit stehen Ihnen ausgewählte Module über die bekannte Oberfläche zur Verfügung. Alle anderen sind über die neue Version des Informationssystems zugänglich. Bestehende Permalinks behalten ihre Gültigkeit und leiten bereits jetzt oder nach Abschluss aller Migrationsarbeiten automatisch auf das neue System um.

Historisches Ortslexikon

Übersichtskarte Hessen
Messtischblatt
5024 Rotenburg
Moderne Karten
Kartenangebot der Landesvermessung
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
Historische Karten
Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 55. Rotenburg

Rohrbach

Ortsteil · 225 m über NN
Gemeinde Ludwigsau, Landkreis Hersfeld-Rotenburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

4,5 km nördlich von Bad Hersfeld

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit einfachem, kreuzförmigem Grundriss am gleichnamigen in die Fulda führenden Bach, in den von Nordosten kommend der Rödersgraben einmündet. Kirche am Nordrand. Neubaugebiete im Osten und Westen. Am Südwestrand des Ortes verläuft im Zuge der Ortsumgehung die Rotenburger Straße (L 3254)

Ersterwähnung:

1182

Siedlungsentwicklung:

Im 15. und 16. Jahrhundert gab es zwei Dörfer: Ober und Niedern Rorbach (1453, 1456, 1502). Vielleicht war aber auch nur das Ober- und Unterdorf gemeint.

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Die Quellen unterscheiden zwischen dem Gewässer, dem Gericht bzw. Amt in der Rohrbach (vgl. Herrschaft und Mittelpunktfunktion) und dem Dorf Rohrbach. Im 15. und 16. Jahrhundert wird zeitweise zwischen Ober Rorbach und Niedern Rorbach (beides 1453, 1456, 1502) differenziert.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • ville (1215)

Umlegung der Flur:

1909

Älteste Gemarkungskarte:

1788-1789

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3550133, 5642297
UTM: 32 U 550039 5640480
WGS84: 50.913792° N, 9.711799° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

632012120

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 379, davon 199 Acker (= 52.51 %), 47 Wiesen (= 12.40 %), 80 Holzungen (= 21.11 %)
  • 1961 (Hektar): 383, davon 104 Wald (= 27.15 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1576 und 1579: 32 Hausgesessene
  • 1585: 31 Hausgesessene (Hersfeld)
  • um 1610: 38 Hausgesesse
  • 1628: 38 Hausgesesse
  • 1673: 20 Haushaltungen
  • 1747: 40 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1748: 41 Häuser und Feuerstätten, 181 Menschen; Gewerbetreibende: 24 Leineweber, 1 Schmied, 1 Schneider, 3 Zimmerleute, 1 Böttner, 1 Müller, 1 Wagner, 3 Schäfer, 5 Tagelöhner, 7 Tagelöhnerinnen
  • 1885: 317, davon 316 evangelisch (= 99.68 %), 0 katholisch, 1 Juden (= 0.32 %)
  • 1961: 507, davon 485 evangelisch (= 95.66 %), 11 katholisch (= 2.17 %)
  • 1970: 581

Diagramme:

Rohrbach: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1403: Landgrafschaft Hessen, Amt Rotenburg, Gericht in der Rohrbach (jedoch mit Sonderstatus aufgrund konkurrierender Hersfelder Rechte; vgl. auch Herrschaft)
  • 1538: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg, Gericht in der Rohrbach (nicht zum Amt Rotenburg gehörig)
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg, Gericht in der Rohrbach
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Stadt und Amt Hersfeld
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Stadt und Amt Hersfeld
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Hersfeld
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Hersfeld
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis:

Hersfeld

Gericht:

  • In der Rohrbach (1538)
  • vor 1822: Amt Hersfeld
  • 1822: Landgericht Hersfeld
  • 1850: Justizamt Hersfeld II
  • 1867: Amtsgericht Hersfeld
  • 1879: Amtsgericht Bad Hersfeld

Herrschaft:

1182 wird durch kaiserlichen Schiedsspruch zwischen Abt Siegfried von Hersfeld und dem Neffen des Kaiser, Landgraf Ludwig von Thüringen festgehalten, dass der Abt von Hersfeld über die Selbstverwaltung u.a. der Vogtei Rohrbach verfügt. 1215 verzichten Landgraf Hermann und seine Söhne gegenüber dem Kloster Hersfeld auf die Vogtei über die Stadt Hersfeld, St. Petersberg, St. Johannesberg, die Villikation Aula und das Dorf Rohrbach.

Dennoch versuchen die Landgrafen von Hessen als Nachfolger der Thüringer seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ihren Einfluss auszudehnen und die Abtei zurückzudrängen. Das Gericht in der Rohrbach zwischen der Reichsabtei Hersfeld und der Landgrafschaft Hessen ist lange Zeit strittig, so dass die Herrschafts- und Gerichtsverhältnisse nicht einfach darzustellen sind.

Bis zur Auflösung des Stifts Hersfeld 1651 ist das Dorf Rohrbach in dessen grundherrlichen Besitz, der als Lehen ausgeben wird. 1419 etwa belehnt Abt Albrecht von Hersfeld Margarete (Grete) von Heringen auf deren Bitte mit einem Vorwerk in Rohrbach. Verwaltungstechnisch gehörten die niedere Gerichtsbarkeit in Rohrbach und Tann bis zum Ende der Stiftszeit zum Dechanaigericht.

Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts erwerben und reklamieren auch die Landgrafen Gerichtsrechte und geben diese zu Lehen aus. Das Gericht in der Rohrbach war hessisches Lehen der Grafen von Waldeck, die es an die von Benhausen und die von Lilienberg weiter verlehnten. Anfang des 15. Jahrhundert kamen die von Röhrenfurth zunächst in Teilbesitz und ab 1421 in den Lehensbesitz. Seit 1432 werden die von Riedesel mit dem Gericht in der Rohrbach belehnt. Hessen verfügt somit bereits lange vor 1651 über die Landeshoheit, sprich die peinliche Gerichtsbarkeit, während die niedergerichtlichen Rechte dem Stift Hersfeld bzw. den Riedesel verbleiben. 1481 werden in einem Weistum die Gerichtsrechte der Abtei Hersfeld, der Landgrafen von Hessen und der Herren von Riedesel voneinander abgegrenzt. 1576 und 1579 heißt es in den Rotenburger Salbüchern ausdrücklich, dass das Gericht Rohrbach ist ein eigene Gericht und gehört nicht in das Ambt Rotenburg. 1585 ist das Gericht Rohrbach [...] mit ruge, busse, jegerdienst und atzunge Heßisch. Zum Umfang s. Mittelpunkt. Nach 1651 sind die Hoheitsrechte ganz in den Händen der Landgrafen.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden in die neu gebildete Gemeinde Ludwigsau eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1336 verkaufen Dekan und Konvent von Hersfeld den Brüdern von Beenhausen ihre in Rohrbach gelegene Mühle mit dazu gehörender Hufe.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Kirche 1819/20 als klassizistischer Saalbau errichtet, 1905 und 1984 renoviert

Pfarrzugehörigkeit:

1524, 1569, 1585 und 1872 zu Mecklar, zeitweise, so 1560, auch zu Obergeis. 1893 wird Rohrbach eigenes Kirchspiel mit den Filialen Tann und Gerterode, 1994 wird auch noch Biedebach als Filialgemeinde dazugerechnet

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Mecklar, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Mecklarer Pfarrer Johannes Mel um 1527.

Kultur

Schulen:

1748 ist ein Schulhaus vorhanden

1910 einklassige Volksschule

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1403 umfasst das Gericht in der Rohrbach die Dörfer Rohrbach, Oberthalhausen, Beenhauen, Niederthalhausen, Gerterode und Tann sowie den Hof Heigenroda.

1585 werden folgende Orte genannt: Rohrbach, Tann, Gerterode, Oberthalhausen, Niederthalhausen, Beenhauen, Hof Gertners und Hof Heigenroda. Die Bewohner sind dem Abt von Hersfeld abgabepflichtig

Mühlen:

1748 wird die Rohrbacher Mühle am Nordausgang von Rohrbach mit einem oberschlächtigen Mahl- und Schlaggang genannt. Betrieben wurden ein Walzenstuhl, ein Mahl- und ein Schrotgang. 1840 wird das alte Gebäude durch ein neues ersetzt.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Rohrbach, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3278> (Stand: 23.2.2026)