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Historisches Ortslexikon

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KDR 100, TK25 1900 ff.
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 54. Ludwigseck
Gerichtsstätten
Gerichtsplatz in Obergeis

Weitere Informationen

Obergeis

Ortsteil · 275 m über NN
Gemeinde Neuenstein, Landkreis Hersfeld-Rotenburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

9 km nordwestlich von Bad Hersfeld

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss am Ostrand des Knüllgebirges südwestlich der Geis. Der Ort wird von West nach Ost von einer einem schmalen Bachlauf folgenden Hauptachse (Kreuzeichenstraße) durchzogen, von der einige Gassen abzweigen und zu einem ummauerten Kirchhof mit Gerichtsplatz in nördlich versetzter Lage führen. Jüngere Expansion in nördliche Richtung, im Südosten sowie jenseits der Geis. Eine Brücke über die Geis wurde um 1840 errichtet. Im Westen verläuft die BAB 7 (Anschlussstelle Bad Hersfeld-West) an Obergeis vorbei, im Osten die B 324 Richtung Hersfeld

Ersterwähnung:

1142

Siedlungsentwicklung:

Im Bereich der Gemarkung Obergeis fanden sich Hinweise auf Wüstungen, denen bislang keine Namen in Schriftquellen zugewiesen werden konnten.

1928 erfolgt die Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Neuenstein.

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Zu den frühen Belegen vgl. Untergeis

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villula (1252, 1292)
  • villa (1298)
  • Dorf (1432)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1874; 1937

Älteste Gemarkungskarte:

1783

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3541890, 5641088
UTM: 32 U 541799 5639271
WGS84: 50.903581° N, 9.594458° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

632014040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 792, davon 384 Acker (= 48.48 %), 119 Wiesen (= 15.03 %), 200 Holzungen (= 25.25 %)
  • 1961 (Hektar): 1525, davon 906 Wald (= 59.41 %)

Einwohnerstatistik:

  • um 1610: 160 Hausgesesse
  • 1628: 160 Hausgesesse
  • 1639: 25 Hausgesesse
  • 1747: 84 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1749-50: Gewerbetreibende: 60 Leinweber, 2 Schmiede, 1 Fenstermacher, 1 Maurer, 1 Büttner, 1 Zimmermann, 1 Schreiner, 2 Schneider, 1 Strumpfstricker, 1 Wirt, 2 Brandweinschenker, 4 Tagelöhner, 18 Tagelöhnerinnen, 2 Schäfer, 3 Müller, 2 Papiermacher (HStAM Best. 49 d, Hersfeld Nr. 341)
  • 1806: 103 steuerpflichtige Häuser mit 422 Menschen; Gewerbetreibende:
  • 1885: 658, davon 657 evangelisch (= 99.85 %), 1 katholisch (= 0.15 %)
  • 1961: 807, davon 740 evangelisch (= 91.70 %), 64 katholisch (= 7.93 %)
  • 1970: 753

Diagramme:

Obergeis: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1394: Fürstabtei Hersfeld, Amt Geis
  • 1651: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Obergeis
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Obergeis
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Obergeis
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Obergeis
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Obergeis (zuletzt Landgericht Hersfeld)
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis:

Hersfeld

Gericht:

  • 1822: Landgericht Hersfeld
  • 1850: Justizamt Hersfeld II
  • 1867: Amtsgericht Hersfeld
  • 1879: Amtsgericht Bad Hersfeld

Herrschaft:

1292 verzichtet Werner von Reichenbach im Streit mit dem Abt von Hersfeld auf seine Rechte u.a. in Obergeisa und erhält dafür von Abt und Kloster andere Güter. 1367 steht dem Abt die Bede in Geisa zu. 1432 veräußert der Abt von Hersfeld eine jährliche Gülte u.a. in Ober- und Untergeis an die von Wallenstein.

Bis zur Auflösung des Stifts Hersfeld und seinem endgültigen Übergang an die Landgrafschaft Hessen 1651 ist Obergeis formal in hersfeldischem Besitz und wird als Lehen oder Pfand ausgegeben.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.8.1972 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden als Ortsteil zur Gemeinde Neuenstein zusammengeschlossen.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1298 verkaufen Helmerich von Bombach und seine Frau Alheid ihre Güter im Dorf Ober- und Niedergeis mit allem Zubehör der Kirche in Blankenheim für 65 Mark.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • capella (1194/95)
  • ecclesia (1425)
  • Spätgotischer Ostturm mit romanisiertem Saalbau als Schiff (1858)

Pfarrzugehörigkeit:

1425 Pfarrei, zu der 1560 Aua, Untergeis und Gittersdorf gehören. 1747 Mutterkirche, zu der Untergeis als Filial gehört, Aue ist eingepfarrt. 1872 ist Aua eingepfarrt, Untergeis ist Filialort mit den eingepfarrten Dörfern Gittersdorf und Biedebach. 1994 sind Aua, Gittersdorf und Untergeis Filialen

Patronat:

1194 fällt das Patronatsrecht an das Kloster Aua, später Blankenheim. Nach dessen Auflösung fällt es an Hersfeld, dann an Hessen

Diakonische Einrichtung:

1927 - 1955 Diakoniestation (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus)

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Curt Rabe ca. 1535 bis vor 1560

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Peter zu Fritzlar, Erzpriestersprengel Ottrau

Kultur

Schulen:

1806 Schulhaus mit Schulmeister

1910 Volksschule mit zwei Klassen

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Zum Amt Obergeis gehörten 1610 beide Geis (= Ober- und Untergeis), Gittersdorf, Biedebach, Aua und Etzebach (= Erzebach). Landau fügte noch halb Allmershausen hinzu (Hessengau 149). Nach dem hessischen Stadt- und Dorfbuch von 1747 zählte auch Ellingshausen damals zum Amt (Reimer).

Mühlen:

1806 vier Mühlen

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Obergeis, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3267> (Stand: 4.3.2026)