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Historisches Ortslexikon

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5119 Kirchhain
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KDR 100, TK25 1900 ff.
Historische Karten
Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 61. Kirchhain
Gerichtsstätten
Gerichtsplatz in Kleinseelheim

Kleinseelheim

Stadtteil · 204 m über NN
Gemeinde Kirchhain, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

8 km östlich von Marburg

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss auf der Mittel- bzw. Niederterrasse eines nach Nordosten zur Ohm-Niederung hängenden schmalen Feldrückens; beiderseits flankiert von Seitentälchen

Kirche mit wehrhaft ummauertem rechteckigen Kirchhof an der Südost-Ecke des Ortes; westlich daneben Gutshof; durch umlaufende Gassenführung mit der Kirche zu einem Komplex verbunden

Straße Marburg-Kirchhain (jüngerer Zweig der alten Köln-Leipziger Messestraße) mit Abzweigung nach Großseelheim und Schröck

Ersterwähnung:

750/779

Siedlungsentwicklung:

Am Nord-Rand des Dorfes frühmittelalterliche Keramikfunde des 8.-10. Jahrhundert

Flurnamen: Krötenburg (0,7 km nördlich Klein-Seelheim), Ziegenburg (1 km östlich Klein-Seelheim)

Historische Namensformen:

  • Seleheim (750/779, nach Abschrift des 12. Jahrhunderts) [Urkundenbuch des Klosters Fulda 1, Nr. 116]
  • Seliheim (920)
  • Selheim et Selheim (1292)
  • minor Selham (1296)
  • Wenigen Selheim (1350)
  • Nidern Selhelm (1350)
  • Wenigin Seylheim, z (1357)
  • Cleynen Selheyen (1478)
  • Klein Selheim (1577)
  • Seelheim, Klein-

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1869

Älteste Gemarkungskarte:

1751

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3492026, 5629975
UTM: 32 U 491955 5628163
WGS84: 50.805146° N, 8.885825° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534011080

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 3010 stellbares Land, 810 Wiesen, 94 Gärten
  • 1885 (Hektar): 712, davon 521 Acker (= 73.17 %), 122 Wiesen (= 17.13 %), 0 Holzungen
  • 1961 (Hektar): 713, davon 0 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1542: 16 Schafhalter genannt
  • 1577: 48 Hausgesessene
  • 1697: 32 Häuser
  • 1747: 48 Hausgesessene
  • 1767: 2 Schmiede, 4 Schneider, 5 Leineweber, 3 Wirte, 4 Tagelöhner(-innen)
  • 1767: 288
  • 1838 (Familien): 30 Ackerbau, 5 Gewerbe, 20 Tagelöhner 40 nutzungsberechtigte, 14 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 10 Beisitzer
  • 1861: 434 evangelisch-lutherische, 9 römisch-katholische Einwohner
  • 1885: 460, davon 452 evangelisch (= 98.26 %), 7 katholisch (= 1.52 %), 1 andere Christen (= 0.22 %)
  • 1961 (Erwerbspersonen): 172 Land- und Forstwirtschaft, 133 Produzierendes Gewerbe, 26 Handel und Verkehr, 20 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 662, davon 623 evangelisch (= 94.11 %), 32 katholisch (= 4.83 %)

Diagramme:

Kleinseelheim: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1235 und später: Zubehör der Vogtei und des Gericht Seelheim (-> Groß-Seelheim)
  • 1809-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Amöneburg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Justizamt Kirchhain
  • 1867: Amtsgericht Kirchhain

Gemeindeentwicklung:

Am 1.2.1971 wurde Kleinseelheim im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der neu gebildeten Stadtgemeinde Kirchhain eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 750/779 schenkt (Graf?) Argoz Kloster Fulda den dritten Teil seines Besitzes in Klein- (oder Groß-)Seelheim. Nach 1015 ist Seelheim als Zubehör der fuldischen Villikation Seelheim zu erschließen, die im Kern wohl auf Reichsbesitz zurückgeht. 1292 verkauft Friedrich von Kalsmunt dem Deutsche Orden Marburg Güterbesitz. 1303-1358: Zahlreiche Gütererwerbungen des Deutschen Orden. 1358 verfügt der Deutsche Orden über 15 Hufen, 14 Bauerniehen und über 6 Höfe, die zusammen 350 Morgen Ackerland und 38 Morgen Wiesen umfassen; 2 Höfe gehören zur Deutsche Orden-Pietanz.
  • 1707: 7 ganze und 10 halbe Höfe
  • 1296 haben die Hofherren einen Vogthof in Seelheim. 1351-1358 verkaufen die Hofherren Vogtgüter an den Deutsche Orden. 1360 haben die von Bicken, 1388 die Rau von Holzhausen mainzische Lehen in Seelheim.

Zehntverhältnisse:

Feld. Zehnte 1309 erwähnt;

1398 feld. Lehen der von Bicken

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Patrozinien:

  • Jakob

Pfarrzugehörigkeit:

1577 und später: Filiale von Groß-Seelheim

Patronat:

Patronat: nach 1296 Deutsche Orden Marburg

Beginen:

1304 und 1305 wird eine Begine Hetta Cletten de Selheim genannt.

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Großseelheim, Einführung der Reformation vermutlich ab 1527.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1605, 1624 wieder lutherisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Amöneburg

Dekanat Amöneburg

Kultur

Schulen:

1910 einklassige Volksschule

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Kleinseelheim, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9323> (Stand: 29.3.2022)