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Historisches Ortslexikon

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KDR 100, TK25 1900 ff.
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 25. Allendorf
Gerichtsstätten
Gerichtsplatz in Hundelshausen

Weitere Informationen

Hundelshausen

Stadtteil · 202 m über NN
Gemeinde Witzenhausen, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

6 km südlich von Witzenhausen

Lage und Verkehrslage:

Straßendorf mit unregelmäßigem Grundriss im Gelstertal westlich des Baches. Kirche mit Anger und zwei Linden östlich nahe des Baches, mehrere Stichgassen. Die jüngere Siedlungsentwicklung orientiert sich stärker nach Westen entlang der in in N-S Richtung verlaufenden B 451 (Kasseler Straße).

Bahnhof der Eisenbahnlinie Hessisch Lichtenau/Velmeden – Großalmerode/Ost – Neu-Eichenberg/Eichenberg ("Gelstertalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 15.12.1915) (Einstellung des Personenverkehrs am 3.6.1973). Bahnhof 1914 fertiggestellt

Ersterwähnung:

1111

Siedlungsentwicklung:

1928 erfolgt die Eingemeindung des aufgelösten Gutsbezirks Rückerode und von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Allendorf.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1111: villa
  • 1366: Dorf

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1897

Älteste Gemarkungskarte:

um 1780

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3559367, 5684672
UTM: 32 U 559270 5682838
WGS84: 51.293775° N, 9.850047° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636016090

Flächennutzungsstatistik:

  • 1588: 37 1/2 Hufen genannt
  • 1961 (Hektar): 1935, davon 1289 Wald (= 66.61 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1466: 32 Hausgesesse
  • 1542: 35
  • 1575/85: 61
  • 1681: 38
  • 1747: 75 Mannschaften mit 73 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1748: 384 Einwohner; Gewerbetreibende: 2 Hufschmiede, 1 Wagner, 2 Müller, 2 Weisbinder, 2 Maurer, 2 Schneider, 6 Korbmacher, 2 Zimmerleute, 10 Leineweber, 17 Ackerleute und Leineweber, 5 Brantweinbrenner, 1 Wirt, 1 Schumacher, 1 Fassbinder, 9 Tagelöhner, 9 einzelne Weibspersonen, 1 Fahrmann
  • 1925: 1006 (968 evangelisch, 35 landeskirchliche Gemeinschaft, 3 römisch-katholisch, 1 Baptist)
  • 1961: 1281, davon 1128 evangelisch (= 88.06 %), 131 katholisch (= 10.23 %)
  • 1970: 1371 Einwohner

Diagramme:

Hundelshausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1466: Landgrafschaft Hessen, Amt Ludwigstein
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Ludwigstein
  • 1627-1834: Landgrafschaft Hessen-Rotenburg (sogenannte Rotenburger Quart), teilsouveränes Fürstentum unter reichsrechtlicher Oberhoheit der Landgrafschaft Hessen-Kassel bzw. des Kurfürstentums Hessen
  • 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Ludwigstein
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Ludwigstein
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Ludwigstein
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Witzenhausen
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Ludwigstein
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Witzenhausen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Witzenhausen

Gericht:

  • 1569 und 1747: Niederes und peinliches Gericht Hessen
  • (1583: Untergericht Wendershausen)
  • 1807: Friedensgericht Witzenhausen
  • 1814: Amt Ludwigstein
  • 1821-1834: Fürstlich Rotenburgisches Oberschultheißenamt Witzenhausen mit Justizamt Ludwigstein
  • 1834: Justizamt Witzenhausen I
  • 1837: Justizamt Witzenhausen
  • 1867: Amtsgericht Witzenhausen
  • 1879: Amtsgericht Witzenhausen
  • Gerichtsplatz unter zwei alten Linden, Platte des Gerichtstisches, in unregelmäßigem Rund zum Teil von Sandsteinquadermauer umzogen

Herrschaft:

1327: Hundelshausen ist zum Schloß Rusteberg lieferungspflichtig.

1357: Landgraf Heinrich belehnt Hermann von dem Berge mit Gut zu Hundelshausen.

1359: Verkauf einer Gülte zu Hundelshausen mit landgräflicher lehnsherrlicher Genehmigung

1365: Landgraf Hermann versetzt dem Werner von Hanstein Dorf Hundelshausen.

1366: Die von Berlepsch verkaufen die vom Landgrafen zu Lehen rührenden Gefälle zu Hundelshausen an die von Halle.

1374: Die von Hundelshausen haben Zinsgüter zu Hundelshausen. Im gleichen Jahr tauschen die von Berlepsch mit dem Landgrafen das Dorf Hundelshausen gegen Gertenbach.

1378: Landgraf Hermann versetzt dem Werner von Hanstein seine Teil des Dorfes Hundelshausen.

1382: Landgraf Hermann versetzt diesem das Dorf Hundelshausen.

Ende 14. Jahrhundert: Hermann von dem Berge besitzt 2 Hufen zu Hundelshausen vom Landgrafen Hermann zu Lehen.

1452: Gottschalk von Plesse belehnt Philipp von Hundelshausen mit allen Gerechtigkeiten zu Hundelshausen; folgend Belehnungen bis 1521.

1538: Die von Hundelshausen tauschen dem Landgrafen Philipp ihr Dorf Hundelshausen ohne Pfarrei und Zehnten ein.

1545: Rechte und Zinsen werden durch Landgraf Philipp an Christoph Hülsing verliehen.

1575/85: Zinsen und Güter zu Hundelshausen hessisches Lehen der von dem Berge.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.10.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingemeindung in die Stadtgemeinde Witzenhausen, deren Stadtteil Hundelshausen wurde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1111: Kloster Fulda erhält von einem Gundolf 1/2 Hube und eine Mühle zu Hundelshausen.
  • 1423: Hartrad von Hundelshausen ist Lehnsmann des Klosters Kaufungen zu Hundelshausen.

Zehntverhältnisse:

1305: Heinrich von Ziegenberg belehnt Siegfried von Hundelshausen mit dem halben Zehnten zu Hundelshausen.

1369: Brosius von Hundelshausen verkauft den halben Zehnten zu Hundelhausen, den er von den von Plesse zu Lehen trägt.

Ortsadel:

Seit 1260

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • sacerdos (1277, 1296)
  • plebanus (1297)
  • Neugotischer Bau nach den Plänen G. G. Ungewitters 1863-67 an der Stelle eines Vorgängerbaus errichtet, 1990 renoviert

Patrozinien:

  • Martinus (1517)

Pfarrzugehörigkeit:

Vor der Reformation tragen die Filiale Berge und Rückerode zum Predigtamt Hundelshausen bei.

1613: Meiergut Carmanshausen zahlt zum Pfarrer von Hundelshausen.

1702: Mutterkirche mit Vikariat Dohrenbach

1747: mit Filiale Trubenhausen und Vikariat Dohrenbach

1780: Vikariat Dohrenbach, eingepfarrt Rückerode

1872 und 194: desgleichen

Patronat:

1543 - 1836: von Hundelshausen, dann Hessen durch Tausch gegen Harmuthsachsen.

Diakonische Einrichtung:

1938 - 1961 Schwesternstation (Landeskirchliches Archiv Kassel, D 2.2 Witzenhausen Dekanat Witzenhausen)

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Priester: Georg Helwig ca. 1540 bis vor 1569, ehemaliger katholischer Priester

Kirchliche Mittelbehörden:

Erzbistum Mainz, Archdiakonat Heiligenstadt

Archpresbytariat vielleicht Witzenhausen

1585: Superintendentur Rotenburg-Allendorf

1780 und 1872: Klasse Witzenhausen

1923 und heute: Kirchenkreis Witzenhausen

Kultur

Schulen:

1748 befindet sich das Schulgebäude neben der Kirche

1910 Volksschule mit drei Klassen

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1646: Gericht Hundelshausen (von Hundelshausen zu Harmuthsachsen) aus 8 Dörfern: Harmuthsachsen, Hasselbach, Wollstein, Küchen (ganz), Epterode, Diemerode (Kreis Melsungen), Stadthosbach und Rechtebach, soweit die von Hundelshausen Anteil daran hatten.

Wirtschaft:

1530: Gläserei und Gipsabbau

Mühlen:

1111 wird bereits eine Mühle genannt

1588 werden die Oberiste Müllen und die Underste Müllen [HStAM Best. S Nr. 469, fol. 35v] erwähnt.

Auch 1748 werden die Ober- und die Untermühle genannt, beide werden vom Gelsterbach angetrieben, die Obermühle über einen oberschlächtigen Mahl- und Schlaggang, die Untermühle nur unterschläglich. In der Obermühle am Südausgang des Ortes wird das Wasserrad um 1935 gegen eine Turbine ausgetauscht, In der Untermühle erfolgt der Ausstausch schon 1913, 1962 aber ist der Betriebsgraben bereits teilweise verfüllt und der Betrieb eingestellt.

Nachweise

Quellen:

  • Cal. Or. 81 h, Staatsarchiv Hannover
  • Kopiar Mariengarten Nr. 267f., 280, 291, Landesbibliothek Hannover
  • Hundelshauser Kopiar fol. 78V, Landesbibliothek Kassel

Literatur:

Zitierweise
„Hundelshausen, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/6076> (Stand: 18.12.2024)