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Hessen im 19. und 20. Jahrhundert

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Einrichtung eines „Maler-Ateliers für Frauenzimmer“ an der Städelschule, 1869

An der Städelschule in Frankfurt am Main, die nach dem Stiftungsbrief von 1815 Schülern „ohne Unterschied des Geschlechts“ Elementarunterricht im Zeichnen anbieten sollte, wurden Frauen desungeachtet lange Zeit nicht offiziell unterrichtet. Nachdem der Maler Johann Christian Heerdt (1812–1878) mit dem Hinweis auf die Stiftungsurkunde die Aufnahme seiner Tochter Emma Heerdt (1849–1936) erstritten hatte, eröffnete man schließlich 1869 ein eigenes „Maler-Atelier für Frauenzimmer“. Leiter dieser besonderen Klasse wurde Heinrich Hasselhorst (1825–1904), der seit 1860 an der Städelschule unterrichtete und 1871 seinem Lehrer Jakob Becker (1810–1872) auf die Professur für Malerei nachfolgte. 1872 wurde auch Philippine Wolff-Arndt (1849 1944), die sich später in Leipzig in der deutschen Frauenbewegung engagierte, zum Studium zugelassen.

Zur damaligen Zeit waren die deutschen Akademien mit Ausnahme der Kunstakademie in Kassel, die schon seit 1777 Schülerinnen in der zweiten Klasse (Porträt, Landschafts- und Stillebenmalerei) zuließ, den Frauen verschlossen und diese mussten sich mit privatem Kunstunterricht begnügen. Auch an der Städelschule war der Unterricht zunächst eingeschränkt, – so war es den Frauen streng untersagt, Akte zu zeichnen, wie Philippine Wolff-Arndt in ihren 1929 erschienenen Lebenserinnerungen berichtete: „Wir Damen durften nicht Akt zeichnen. Es war uns ausdrücklich verboten. Als wir es wenigstens für den weiblichen Akt durchsetzten, bat uns unser die Korrektur übender Meister, doch strengstes Geheimnis zu wahren. Die Administration dürfe so etwas nicht ahnen.“1.
(UH)


  1. Philippine Wolff-Arndt, Wir Frauen von einst. Erinnerungen einer Malerin, München 1929, S. 11
Belege
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„Einrichtung eines „Maler-Ateliers für Frauenzimmer“ an der Städelschule, 1869“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edbx/id/6874> (Stand: 16.8.2024)
Ereignisse im Dezember 1868 | Januar 1869 | März 1869
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