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Hessian World War I Primary Sources

↑ Johannes Struckmann, Mobilmachung und erste Kriegswochen des Thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6 aus Hanau

Abschnitt 18: Gefechte und Patrouillen bei Neufchâteau

[71] Rittmeister v. Günther ritt auf diese Meldung hin mit der Eskadron noch ein Stück weiter und ließ dann seine Eskadron an einem Steinbruch zum Gefecht zu Fuß absitzen, um den gemeldeten Gegner nach Möglichkeit zu beschäftigen und festzuhalten. Bald wurde erkannt, daß es sich hier um stärkere Radfahrerabteilungen handelte und eine entsprechende Meldung wurde zurückgesandt. Etwa drei Stunden dauerte das Feuergefecht, als endlich, auf obige Meldung hin, die ersten Teile der 21. Inf.-Div., die aus Neufchâteau abgebogen waren, mit Teilen des VI. Korps in seiner Gegend eintrafen und sich nun gegen den gemeldeten Feind zum Angriff entwickelten. Bei diesem Fußgefecht der 1. Eskadron wurde dem Leutn. Schelle I. das Okular seines Fernglases weggeschossen, während sein Pferd drei Streifschüsse erhielt. Leutn. Geißler wurde durch Streifschuß an der Oberlippe leicht verwundet. Ferner wurde Sergt. Schramm (jetzt1 beim Finanzamt Hanau) durch Wadenschuß und Ulan Poppelbaum schwer verwundet.

Am Abend fand die 1. Eskadron wieder Anschluß an das Regiment im Biwak bei Tronquoy.

Als der Morgen des 21. August dämmerte, stand das Regiment zum Vormarsch am Walde östlich Verlaine bereit. Die Spitze der 3. Eskadron erhielt am Bahnhof Feuer von feindlichen Radfahrern. Eine Kompagnie der Vorhut, I./Inf.-Regt. 87 unter Hauptmann Thiele, schaffte schnell Luft.

Die Patrouillen am Abend vorher hatten starkes Feuer erhalten. Leutn. v. Unruh sollte gefallen sein. Während wir, auf den Vormarsch wartend, in den Morgennebel spähten, löste sich aus dem dämmerigen Walde der Totgesagte, bleich, auf einem Pferde sitzend, das von einem Ulanen geführt wurde. Durch einen Prellschuß gegen die Tschapka2 betäubt, war er im feindlichen Feuer vom Pferde gestürzt. Die Franzosen hatten ihn für tot gehalten und ihn nur seiner Stiefel und anderer Ausrüstungsstücke beraubt. Treue Ulanen hatten ihren Leutnant gefunden und brachten ihn zurück.

Leutnant v. Unruh, ein schon damals weit bekannter Dichter und Dramatiker, war als Leutnant a. D. in den ersten Augusttagen kriegsfreiwillig in die Reihen des Regiments eingetreten und hatte uns Ulanen und viele deutsche Krieger durch seine flammenden patriotischen Lieder begeistert (s. u. a. zwei am Anfang dieser Schilderungen). In Erinnerung an unsere Regimentstradition der Freiheitskriege glaubten wir 6. Ulanen in ihm einen neuen Theodor Körner zu haben. Die Freude im Regiment, ihn gesund wiederzusehen, war groß.


  1. D.h. zur Zeit der Abfassung des Buches.
  2. Kopfbedeckung der Ulanen, eigenmtlich polnischen Urprungs.

Persons: Struckmann, Johannes · Günther, von, Rittmeister · Schelle, Leutnant · Geißler, Leutnant · Schramm, Sergeant · Poppelbaum, Ulan · Thiele, Hauptmann · Unruh, Fritz von · Körner, Theodor
Places: Neufchâteau · Hanau · Tronquoy · Verlaine
Keywords: Thüringisches Ulanen-Regiment Nr. 6 · Ulanen-Regiment Nr. 6 · Rittmeister · Eskadrons · Radfahrerabteilungen · Infanterie-Division Nr. 21 · Leutnante · Ferngläser · Pferde · Verwundete · Sergeanten · Biwak · Infanterie-Regiment Nr. 87 · Tschapka · Franzosen
Recommended Citation: „Johannes Struckmann, Mobilmachung und erste Kriegswochen des Thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6 aus Hanau, Abschnitt 18: Gefechte und Patrouillen bei Neufchâteau“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/en/purl/resolve/subject/qhg/id/91-18> (aufgerufen am 05.05.2026)