Hessian World War I Primary Sources

Contents
- Umzug der Familie nach Dillenburg 1912
- ...
- Kontakt zur Familie des Ingenieurs Thiele in Dillenburg
- Entwicklung in der Familie Merkel, Erkrankung der Frau
- Wanderung über den Westerwald nach Koblenz
- Wanderung und Fahrt entlang der Mosel
- Wanderung durch die Eifel nach Daun
- Fahrt von Daun nach Niedermendig
- Wanderung zurück nach Dillenburg
- ...
- Vorrücken über die Warthe
↑ Otto Merkel, Geschichte der Familie Merkel 1912-1919
Abschnitt 14: Wanderung und Fahrt entlang der Mosel
◀ [100-101] Da uns aber unser Weg nun moselaufwärts durch das Kirschenland führte, konnten wir uns in Dieblich1, dem Hauptkirschenort für die entgangene Sehenswürdigkeit schadlos halten. Für 50 Pf. erhielten wir die Erlaubnis von einem Kirschbaumbesitzer, uns nicht nur vom Baum satt zu essen, sondern auch noch eine Tüte voll mitzunehmen, was wir gern und reichlich taten. Immer auf dem rechten Moselufer entlang marschierten wir so bis Moselkern2, ließen uns hier in Ruhe überfahren und statteten der in einem reizenden Seitentälchen versteckt liegenden Burg Eltz3 einen Besuch ab. Leider gelang es uns nicht, die inneren Räume zu besichtigen, doch von der gegenüber liegenden Ruine Trutzeltz4 genossen wir noch einmal die ganze Schönheit der romantischen Lage der Burg. Auf dem Rückweg kochten wir uns im Wiesengründchen an dem Elzbach unser Mittagessen, rasteten wie üblich ein Stündchen und benutzten dann von Moselkern aus die Bahn bis Kochem5. Hier kehrten wir in einem Hotel unmittelbar am Moselufer ein, brachten unseren äußeren Menschen in Ordnung und teilten nun die Rollen. Fink und Grävenstein stiegen zur Badeanstalt hinab und nahmen in den Fluten der Mosel ein erfrischendes Bad, während Metz und ich die Vorbereitungen zu einer Erdbeerbowle trafen. Nach dem Abendessen setzten wir uns dann auf die Terrasse, tranken unsere Bowle und schauten auf die Mosel u. die gegenüber liegenden Berge, die im Schein der untergehenden Sonne erglühten. Ein wundervoller Abend, den ich nie vergesse. O, Deutschland, wie bist du so wunderschön! An diesem Abend nahm Fink Abschied von uns, da er wegen anderer Reisepläne uns bis hierher nur begleiten konnte. Am andern Morgen fuhren wir durch den langen Kaiser-Wilhelm-Tunnel6 nach Bullay7 und begannen dann unsere Wanderung wieder. Durch das liebliche Üsstalchen(?)8 aufwärts erreichten wir bald Bad Bertrich9, erklommen dann links den hohen Berg, auf dem die Burgruine Arras10 liegt. Von der Spitze des Wachtturmes, den wir erstiegen, sahen wir schon von weitem die Marienburg11 herüberwinken, zu der wir heute noch hin wollten. Unser (?) blieb dann immer auf der Höhe des Rückens, das die lange Moselschleife ausfüllt, und führte uns endlich zu der Marianburg, der Ruine eines alten Nonnenklosters. Nachdem wir hier kurze Zeit die wundervolle Aussicht auf das Moseltal und die umliegenden Berge genossen hatten, begannen wir den steilen Abstieg durch die Weinberge nach Pünderich12. Diese hatte uns so heiß gemacht, dass wir in Pünderich in das erstbeste Haus stürzten, um uns einmal satt Wasser zu trinken. Von Pünderich benutzten wir das Kleinbähnchen auf dem rechten Moselufer bis Traben-Trarbach13. Hier verließen wir wieder das Moseltal [S. 101] einstweilen und bogen in ein Seitentälchen ein, das nach Bad Wildstein14 führt. In Trarbach verschafften wir uns ein Kalbsschnitzel und einige Kartoffel und hielten dann oberhalb des Städtchens unter einigen Erlen unsere Mittagspause. Eben fing das Schnitzel an zu braten und die Kartoffel an zu kochen, da entlud sich das dunkle Gewölk, das schon geraumer Zeit den Himmel bedeckte in einem heftigen Gewitter. Zum Glück war der Regen nicht sehr bedeutend, sodass wir unser Essen wenigstens erträglich gar brachten und im Stehen verzehren konnten. Nun ging der Weg wieder bergauf, führte über das charakteristische Moselplateau und am späten Nachmittag ging es drüben auf der Seite wieder durch die Weinberge von Bernkastel15 zur Mosel hinab. Gern hätten wir den „Bernkasteller Doktor“16, der auf jener Höhe wächst, einmal versucht, doch unsere schmale Reisekasse konnte sich solche Extravaganzen nicht gestatten und so begnügten wir uns mit einem Glas Bier, verabschiedeten uns dann endgültig von der Mosel und fuhren eifeleinwärts mit der Bahn nach Wittlich17. ▶
- Dieblich, Verbandsgemeinde Rhein-Mosel, Kreis Mayen.Koblenz. ↑
- Moselkern, Verbandsgemeinde Cochem, Kreis Cochem-Zell. ↑
- Burg in der Gemarkung Wierschem in der Vordereifel. ↑
- Burgruine in unmittelbarer Nähe der Burg Eltz. ↑
- Cochem, Kreis Cochem-Zell. ↑
- 1874-1877 erbauter, 4,2 km langer Tunnel der Moselstrecke Koblenz-Trier bei Cochem. ↑
- Ort in der Verbandsgemeinde Zell, Kreis Cochem-Zell. ↑
- Ueßbachtal zwischen Bad Bertrich und Alf. ↑
- Kurort in der südlichen Eifel, Kreis Cochem-Zell. ↑
- Burg Arras, Höhenburg an der Mosel bei Alf, Kreis Cochem-Zell. ↑
- Befestigungsanlage auf der Moselschleife im Zeller Hamm. ↑
- Ort an der Mosel im Kreis Cochem-Zell. ↑
- Stadt im Landkreis Bernkastel-Wittlich. ↑
- Ortsteil von Traben-Trarbach, Kreis Bernkastel-Wittlich. ↑
- Bernkastel-Kues, Stadt an der Mosel im Kreis Bernkastel-Wittlich. ↑
- Berühmte Weinlage in der Gemarkung Bernkastel. ↑
- Kreisstadt des Kreises Bernkastel-Wittlich in der Eifel. ↑
| Recommended Citation: | „Otto Merkel, Geschichte der Familie Merkel 1912-1919, Abschnitt 14: Wanderung und Fahrt entlang der Mosel“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/en/purl/resolve/subject/qhg/id/5-14> (aufgerufen am 06.05.2026) |
|---|
