Hessian World War I Primary Sources

Contents
- Camberg vor dem Ersten Weltkrieg
- ...
- Städtische Maßnahmen gegen Versorgungsprobleme
- Gefallene, Kriegsanleihen, Kriegswallfahrten
- Günstige Ernteergebnisse, Folgen der Seeblockade
- Staatliche Reglementierungen und Zwangswirtschaft
- Abnahme der Glocken in Camberg
- Versorgungsprobleme, Mangelernährung und Fastengebot
- Mangelwirtschaft und Zwangsmaßnahmen, Diebstähle
- ...
- Erleichterungen durch Friedensschluss, Vergnügungen
↑ Albert Schorn, Kriegs-Chronik der Stadt Camberg, 1914-1921
Abschnitt 19: Staatliche Reglementierungen und Zwangswirtschaft
◀ Währenddessen war die deutsche Regierung weiter bestrebt, durch planmäßige Erfassung der vorhandenen Bestände die Rohstoff- und Lebensmittelversorgung sicherzustellen. Am 5. Januar wurden Heu und Klee für den Kommmunalverband beschlagnahmt. Vom 9. Januar ab durften Web-, Wirk- und Schuhwaren von den Gewerbetreibenden nur gegen Bezugscheine, die bei Nachweis dringenden Bedarfs vom Bürgermeisteramt ausgestellt wurden, verkauft werden.
Am Sonntag, den 18. Februar, mußten die Leute ihre Vorräte an Brotgetreide und Mehl, an Heu, Hafer, Gerste und Hülsenfrüchten im Rathaus anmelden. Sie mußten angeben, wieviel Zentner Heu und Grummet sie zur Durchhaltung des Viehbestandes, der genau aufzuzählen war, benötigten. Anfang März kamen die Kartoffeln an die Reihe. Jeder Haushaltungsvorstand mußte persönlich im Rathaus erscheinen, um die befohlenen Angaben zu machen. Jeder Kartoffelerzeuger mußte obendrein berichten, wieviel Säcke Kartoffeln er geerntet, welche Sorten er angebaut, welche "Anbaufläche er im Jahre vorher bestellt, wieviel Haushaltungsangehörige er zu versorgen, wieviel Kartoffeln er für die kommende Saat nötig hatte. Mitte Mai erschien die Kartoffelkommission (1 Offizier, 1 Gendarm und 4 Soldaten) und durch stöberte sämtliche Keller, bei vielen Familien auch die Wohnräume, Speicher, Ställe und Scheunen. Am 16. Mai mußten alle Besitzer von Kartoffelvorräten ins Rathaus kommen, um ihren Bestand sowie die Größe der zu bestellenden Fläche für Früh- und Spätkartoffeln aufs neue anzugeben. Am 21. Mai erfolgte zur Deckung des unbedingt notwendigen Heeresbedarfs die Ablieferung alles verfügbaren Heus und Strohs. Eine Bekanntmachung des Kreisausschusses vom 29. Mai teilte mit, daß der Kreis Limburg 650.00 Eier für die Industriestädte mit größter Beschleunigung zu liefern habe. Von Montag, den 12. Juni ab sollten daher bis auf weiteres wöchentlich 2 Eier pro Huhn abgegeben werden. Für Camberg ergab das eine wöchentliche Summe von 3942 Eiern. Für das Ei wurden 28 Pfg. gezahlt. Ende Juli wurden die Frühkartoffeln beschlagnahmt. Soweit sie ihren Besitzern verkäuflich waren, mußten sie der Stadt zum Ankauf angeboten werden. Familien, die über keine Kartoffelvorräte verfügten, er hielten auf den Kopf 1 Pfund. Auf Anordnung des Kreisausschusses vom 2. August wurde für das Dreschen der diesjährigen Ernte sowohl bei der Dreschmaschine wie auch beim Flegeldrusch ein Vertrauensmann bestimmt, der das Ergebnis genau festzustellen hatte. Drusch in der Scheune erforderte vorherige amtliche Anmeldung. Am 1. September fand eine Erhebung über Bestand und Bedarf an Heiz- und Brennstoffen statt, am 5. Dezember eine Aufnahme des Bestandes an Heu, Stroh und Kartoffeln. ▶
| Recommended Citation: | „Albert Schorn, Kriegs-Chronik der Stadt Camberg, 1914-1921, Abschnitt 19: Staatliche Reglementierungen und Zwangswirtschaft“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/en/purl/resolve/subject/qhg/id/34-19> (aufgerufen am 06.05.2026) |
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