Hessian World War I Primary Sources

Contents
- Camberg vor dem Ersten Weltkrieg
- ...
- Einbringen der Ernte, Hamsterfahrten, Lebensmittelkarten
- Bucheckernsammeln, Rohstoffmangel, Lichtsperren
- Städtische Maßnahmen gegen Versorgungsprobleme
- Gefallene, Kriegsanleihen, Kriegswallfahrten
- Günstige Ernteergebnisse, Folgen der Seeblockade
- Staatliche Reglementierungen und Zwangswirtschaft
- Abnahme der Glocken in Camberg
- ...
- Erleichterungen durch Friedensschluss, Vergnügungen
↑ Albert Schorn, Kriegs-Chronik der Stadt Camberg, 1914-1921
Abschnitt 17: Gefallene, Kriegsanleihen, Kriegswallfahrten
◀ An den Fronten nahm der Krieg seinen Fortgang und forderte unerbittlich zahllose Opfer blühender Jugend. 47 junge Männer unserer Stadt starben seit Kriegsbeginn bis zum Ende dieses Jahres den Tod fürs Vaterland. Noch größer war die Zahl derer, die verwundet oder krank darniederlagen. Am 3. Oktober fand in Limburg die Musterung der 18 jährigen sowie aller ungedienten Wehrpflichtigen, die nach dem 8. September 1870 geboren waren, statt. Ende September und Anfang Oktober konnte man während der Sommeschlacht auf der Kreuzkapelle deutlich den dumpfen Widerhall der schweren Geschütze vernehmen.
Die allgemeine nervöse Spannung wurde häufig durch falsche Gerüchte noch verstärkt. Einmal hieß es, daß 6 zurückgekommene Briefe mit dem Vermerk „gefallen" auf der Post lägen, die Postverwaltung jedoch sie über Sonntag liegen lassen wolle, um den betroffenen Familien den Schmerz bis zum Montag zu ersparen. Ein andermal sollte ein Militärzug mit Soldaten aus unserer Gegend in Lothringen verunglückt sein. Im November erzählte man sich, alle Hausschlachtungen seien verboten und die Schweine müßten abgeliefert werden. An alledem war kein wahres Wort. Die Polizeiverwaltung schritt gegen die Erfinder und Verbreiter derartiger haltloser Gerüchte mit schweren Strafen ein.
Trotz aller Leiden war die Opferwilligkeit groß. Am 17. März lud das Amtsgericht die Vormünder, die für ihre Mündel Sparkassenguthaben verwalteten, zu einer gemeinsamen Sitzung zwecks Zeichnung auf die 4. Kriegsanleihe. Nach einer Aussprache wurden sofort 30 800 Mk. gezeichnet. In der Apotheke war eine amtliche Goldankaufsstelle eingerichtet. Viele verkauften ihre goldenen Ketten. Sie erhielten zur Erinnerung gegen Zahlung der Herstellungskosten eiserne Ketten, auf denen die Inschrift angebracht war: „Gold zur Wehr, Eisen zur Ehr".
Gebet und Wallfahrt gaben Trost und Kraft. Am Pfingstmontag wurde von der Kanzel ein Hirtenschreiben der Bischöfe Deutschlands verlesen, das zur Buße und Sühne mahnte. Am 17. September fand die gemeinsame Kriegswallfahrt des Landdekanates Limburg nach der Krenzkapelle statt. Aus der ganzen Umgebung fanden sich die Teilnehmer ein. Bei herrlichem Sonnenschein zog die große Prozession den Kapellenberg hinauf. Droben hielt ein Pater im freien die Predigt. Viele wünschten, diese Wallfahrt möchte zur dauernden Einrichtung werden, um die Erinnerung an die schwere Kriegszeit wachzuhalten. ▶
| Recommended Citation: | „Albert Schorn, Kriegs-Chronik der Stadt Camberg, 1914-1921, Abschnitt 17: Gefallene, Kriegsanleihen, Kriegswallfahrten“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/en/purl/resolve/subject/qhg/id/34-17> (aufgerufen am 06.05.2026) |
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