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Hessian World War I Primary Sources

↑ Der erste Kriegsmonat im Offenbacher Abendblatt, August 1914

Abschnitt 82: 7.8.1914: Inschriften an Soldatenzügen


Kleines Feuilleton.

Die Inschriften an den Soldatenzügen.

Eine Frankfurter Helferin bei der Soldatenfürsorge, die mit am Hauptbahnhof bei der Verpflegung durchreisender Truppen tätig ist, sendet der Fr. Ztg. folgende Plauderei: In endloser Wagenreihe fahren jetzt die Militärzüge zur Grenze, von ihren feldgrauen Insassen festlich mit grünen Zweigen und Feldblumen besteckt, als ging's zum hochzeitlichen Tanze. Farbe und Leben kommt so in die düstere Einförmigkeit des kriegerischen Bildes, und einen fröhlichen hellen Ton mischen auch die leuchtenden Kreide-Inschriften hinein, die an den Wagen zu sehen sind. Auch aus diesen Inschriften spricht, wenn auch in heiterer Tonart, der Geist der Stunde, der enflammte Mannesmut, das kriegerische Draufloswollen, der zuversichtliche Glaube an Sieg, und darum haben sie in ihrer Art historische Bedeutung: Da heißt es: "Immer feste drauf!" oder: "Parole: Auf ihn, haut ihn!" Das Wort Paris spielt natürlich die Hauptrolle. "Auf nach Paris!" liest man unzählige Male. "Frachtgut nach Paris" oder nur: "Nach Paris!" Auch: "Parole: nach Paris!" - sowie das ein bißchen sehr kühne: "Paris muß deutsch werden!" So wird auch verkündet: "Uebermorgen in Paris!" und weiter: "Wenn wir in Paris fertig sind, geht's nach London!" An einer Stelle prangt die freundliche "Einladung" am "1. September" zum "großen Ball im Spiegelsaal zu Versailles", auch ein "Tanzvergnügen in Moulin rouge" wird angezeigt. Eine andere Verheißung lautet: "In Eile, Frankreich kriegt Keile!" und an einem Wagen grüßt das Verslein: "Es lebe hoch das Regiment, das sich mit Stolz das -te nennt!" - "Sehn wir uns nicht in dieser Welt, so sehn wir uns in Bitterfeld!" steht dort, wehmütig-schnoddrig. Und man lächelt und denkt: Sicher von einem Berliner! - Humor schmunzelt uns an aus dem lustigen Titel: "V. Galoppschwadron" und lacht schallend aus der famosen Variante:
"Die Serben sind alle Verbrecher,
Ihr Land ist ein finsteres Loch,
die Russen sind auch nicht viel besser,
Aber Keile kriegen sie doch!"

[Offenbacher Abendblatt vom 7. August 1914]


Recommended Citation: „Der erste Kriegsmonat im Offenbacher Abendblatt, August 1914, Abschnitt 82: 7.8.1914: Inschriften an Soldatenzügen“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/en/purl/resolve/subject/qhg/id/161-82> (aufgerufen am 06.05.2026)