Hessian World War I Primary Sources

Contents
- 1.8.1914: Die Sozialdemokratie und der Krieg
- ...
- 4.8.1914: Sturm auf die Sparkassen hat sich gelegt
- 4.8.1914: Gewerkschaftliche Unterstützung, Verschiedenes
- 4.8.1914: Wirtschaftliche Folgen des Krieges
- 4.8.1914: Frankfurt Maßnahmen gegen Kriegselend
- 4.8.1914: Mehrere Selbstmorde in Offenbach
- 4.8.1914: Bisheriger Verlauf der Mobilmachung
- 5.8.1914: Nicht Schnaps - sondern Nahrung!
- ...
- 12.8.1914: Aufruf an die Arbeiterjugend
Illustrations
↑ Der erste Kriegsmonat im Offenbacher Abendblatt, August 1914
Abschnitt 50: 4.8.1914: Frankfurt Maßnahmen gegen Kriegselend
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Frankfurt, 3. Aug. Maßnahmen gegen das Kriegselend. Die hiesige Stadtverordnetenversammlung unterbrach ihre Ferien und beschloß in außerordentlicher Sitzung Maßnahmen für den Kriegszustand. Die Parteien brachten einen gemeinschaftlichen Antrag ein, der den Magistrat ersuchte, schleunigst eine diesbezügliche Vorlage zu unterbreiten. Der Magistrat konnte diesem Wunsche bereits nachkommen. Er beantragte, zwei Millionen Mark für die nächste Zeit infolge des Kriegszustandes im Interesse der Bevölkerung erforderlich werdenden Maßnahmen zur Verfügung zu stellen. Eine gemischte Kommission aus Magistratsmitgliedern und Stadtverordneten soll über die einzelnen Ausgaben beschließen. Der Oberbürgermeister erklärte hierzu, die Stadt habe bereits größere Mengen Salz und Mehl angekauft, die zum Einkaufspreis an die Bevölkerung abgegeben werden. Auch habe sie die Zahlungsgarantie für die erste Lieferung von Mehl an die kleineren Bäcker übernommen. Zu der Fleischversorgung seien ebenfalls Schritte unternommen. Zu den Preissteigerungen bemerkte der Oberbürgermeister, der Magistrat werde nicht scheuen, entsprechende Maßregeln gegen Händler zu ergreifen, die hohe Preise für die Waren nehmen. Die städtischen Arbeiter, die einrücken müssen, erhalten sofort für 14 Tage Lohn ausbezahlt. Ihre Familienangehörigen erhalten ferner zu den vom Militär erhaltenen Unterstützungen einen Zuschuß bis zur Hälfte des Gesamtbetrags des derzeitigen Diensteinkommens. Die zurückgebliebenen Familienangehörigen der aus der Stadt Frankfurt a. M. zur Fahne einberufenen Mannschaften erhalten zu der Reichsunterstützung 50 Prozent dieses Betrages. Zu diesen Anträgen gaben die einzelnen Fraktionen zustimmende Erklärungen ab. Für die sozialdemokratische Fraktion erklärte Genosse Zielowski, in diesem Augenblick seien alle Parteirücksichten hintenan zu halten. Die Sozialdemokratie sei Gegner des Krieges und habe ihn bekämpft. Nachdem der Krieg aber da sei, wären die Sozialdemokraten gleich den Bürgerlichen bereit, den Kampf mit den Gegnern aufzunehmen. Hohe Kulturarbeiten wären zu verteidigen, die zu erhalten im Interesse aller sei. Die Stadtverordnetenversammlung nahm diese Erklärung mit lebhaftem Beifall auf. Die Anträge des Magistrats fanden einstimmige Annahme.
[Offenbacher Abendblatt vom 4. August 1914]
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| Recommended Citation: | „Der erste Kriegsmonat im Offenbacher Abendblatt, August 1914, Abschnitt 50: 4.8.1914: Frankfurt Maßnahmen gegen Kriegselend“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/en/purl/resolve/subject/qhg/id/161-50> (aufgerufen am 08.05.2026) |
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