Hessian World War I Primary Sources

Contents
- 1.8.1914: Die Sozialdemokratie und der Krieg
- ...
- 4.8.1914: Radfahrer-Gesellschaft Einigkeit Offenbach
- 4.8.1914: Bleibt besonnen! Wahret Eure Würde!
- 4.8.1914: Hilfsaktionen des Gewerkschaftskartells
- 4.8.1914: Die Offenbacher Metallarbeiter in der Kriegszeit
- 4.8.1914: Aufruf des Großherzogs Ernst Ludwig
- 4.8.1914: Sturm auf die Sparkassen hat sich gelegt
- 4.8.1914: Gewerkschaftliche Unterstützung, Verschiedenes
- ...
- 12.8.1914: Aufruf an die Arbeiterjugend
Illustrations
↑ Der erste Kriegsmonat im Offenbacher Abendblatt, August 1914
Abschnitt 45: 4.8.1914: Die Offenbacher Metallarbeiter in der Kriegszeit
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Die Offenbacher Metallarbeiter in der Kriegszeit.
Gestern abend fand im Gewerkschaftshaus eine Mitgliederversammlung des Metallarbeiterverbandes statt, die sich mit der gegenwärtigen Situation beschäftigte. Kollege W. Weber schilderte die allgemeine Geschäftslage in der Offenbacher Metallindustrie. Infolge des bevorstehenden Krieges sei besonders die Metallwarenfabrikation stark beeinträchtigt. Es haben eine Anzahl Betriebe bereits bestimmt, daß nur halbe Tage oder nur 3 Tage in der Woche gearbeitet werden soll. Das Geschäft sei vollkommen lahm gelegt und wir haben in den nächsten Wochen mit Hunderten von Arbeitslosen zu rechnen. In der Maschinenindustrie seien einige Betriebe ebenfalls sehr schlecht beschäftigt, und es sei angedroht worden, daß die Betriebe ganz geschlossen werden sollen. Andere Betriebe haben voll zu tun und es werde sich möglich machen lassen, daß die Arbeitsplätze, die infolge der zum Militärdienst eingezogenen Arbeiter frei werden, zum Teil wieder besetzt werden. Jedenfalls ist zu hoffen, daß nach einigen Tagen wieder etwas geordnetere Verhältnisse eintreten, als es gegenwärtig der Fall ist. Für die Kollegen, die nicht zum Kriegsdienst herangezogen werden, sei es Pflicht, alles daran zu setzen, daß die Organisation aus ihren Reihen keine Verluste erleidet. Die eventuell arbeitslos werdenden Kollegen müssen sich sofort auf dem Bureau Austraße 11 part. melden. Die Unterstützungen werden nach wie vor ausbezahlt. Es werde Aufgabe der Funktionäre des Verbandes sein, falschen Auffassungen der Mitglieder, als ob der Verband seine Tätigkeit einstellen würde, entgegen zu wirken. Für Familienangehörige verheirateter Kollegen, die als Kriegsteilnehmer eingezogen wurden, werde die Offenbacher Verwaltungsstelle Unterstützungen bereit stellen, soweit dies in ihrer Kraft liegt.
In diesem Zweck empfahl die Ortsverwaltung der Versammlung folgenden Antrag zur Annahme:
„Die Versammlung beauftragt die Ortsverwaltung, zu prüfen, inwieweit eine einmalige Unterstützung an die Familienangehörige der Kriegsteilnehmer, welche Mitglieder unseres Verbandes sind, gewährt werden kann. Die Ortsverwaltung wird durch die Versammlung ermächtigt, zu diesem Zweck den Betrag bis zu 5000 Mk. aufwenden zu können."
Die Versammlung stimmte dem Antrag einstimmig zu. Sowie ein Ueberblick über die Zahl der am Kriege teilnehmenden Mitglieder gewonnen werden kann, wird nach vorheriger Mitteilung an die Familienangehörigen die Unterstützung zur Auszahlung kommen. Es ist aber notwendig, daß alle Mitgliedsbücher auf dem Bureau abgeliefert werden, um die Zusammenstellung vornehmen zu können.
Ob später noch weitere Unterstützung gewährt werden können und sollen, wird einer weiteren Versammlung vorbehalten bleiben. Mit dem Beschluß ist bewiesen, daß der Verband auch hier eingreift, um die Not lindern zu helfen.
[Offenbacher Abendblatt vom 4.8.1914]
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| Recommended Citation: | „Der erste Kriegsmonat im Offenbacher Abendblatt, August 1914, Abschnitt 45: 4.8.1914: Die Offenbacher Metallarbeiter in der Kriegszeit“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/en/purl/resolve/subject/qhg/id/161-45> (aufgerufen am 08.05.2026) |
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