Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

Inhalt
- 1.8.1914: Die Sozialdemokratie und der Krieg
- ...
- 11.8.1914: Aufruf für guten Lesestoff in den Lazaretten
- 11.8.1914: Wiedersehensgruß an ausziehende Genossen
- 11.8.1914: Aufruf zur Kleider- und Wäschespende
- 12.8.1914: Der Krieg und die Konsumvereine
- 12.8.1914: Hohe Opferbereitschaft der Arbeitervertreter
- 12.8.1914: Freigabe der Beförderung mit Militärzügen
- 12.8.1914: Wiederaufnahme des Schulbetriebs
- ...
- 12.8.1914: Aufruf an die Arbeiterjugend
Abbildungen
↑ Der erste Kriegsmonat im Offenbacher Abendblatt, August 1914
Abschnitt 106: 12.8.1914: Der Krieg und die Konsumvereine
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Der Krieg und die Konsumvereine.
Oft ist in Friedenszeiten das Wort gefallen, daß die Konsumvereine im Falle eines Krieges einen besonders wertvollen Rückhal- für die minderbemittelte Bevölkerung bilden würden, daß sie dann zu den sichersten Unternehmungen gehören würden, die das Wirtschaftsleben überhaupt kennt. Diese Worte sollen sich jetzt bewahrheiten. Unendliches Elend, seelisches Leid und wirtschaftliche Not wird der jetzt ausgebrochene Krieg über unser Volk bringen. Trotz der Einberufung von Millionen im praktischen Erwerbsleben stehender Männer werden wir mit einer alle gewohnten Begriffe übersteigenden Arbeitslosigkeit zu rechnen haben, denn alle Exporte, alle Luxusindustrien, das Baugewerbe usw. stocken. Dazu gesellt sich bei längerer Dauer des Krieges die Gefahr einer ungenügenden Versorgung mit Lebensmitteln, die sich schon jetzt in teilweise ganz enormen Preissteigerungen ankündigt.
Es ist eine erfreuliche Tatsache und ein Beweis für das durch die außerordentlichen Umstände gesteigerte soziale Pflichtgefühl, daß sofort die Gesetzgebung, Behörden, private Organisationen und freiwillige Hilfskräfte sich vereinigt haben, um die drohende Not zu bekämpfen.
Außerordentlich zu begrüßen ist dabei das Vorgehen der Behörden gegen jene im schlimmsten Sinne des Worte vaterlandslosen Gesellen, die die Not des Landes benützen, um für sich im Trüben zu fischen. Wir meinen jene Geschäftsleute, die, ehe noch dazu ein objektiver Anlaß vorlag, die im Publikum ausbrechende Panik benutzten, um in der unverschämtesten Weise ihre Preise zu erhöhen. Wurde doch aus manchen Orten gemeldet, daß beispielsweise das Salz auf 40 Pfg. pro Pfund gestiegen sei, also ein Artikel, den wir in unerschöpflichen Vorräten im Lande besitzen, daß Kartoffeln eine Preiserhöhung von 100, ja 200 Prozent erfahren hätten. Teilweise hat ja das Volk eine ihm unter diesen Umständen wahrhaftig nicht zu verübelnde Lynchjustiz an diesen edlen Seelen. verübt. Weit wirkungsvoller aber ist das Vorgehen der Behörden, die schon für eine Reihe von Provinzen und Staaten für einige wichtige Waren Höchstpreise festgesetzt und diejenigen Händler, die sich nicht an diese Festsetzungen halten, mit Schließung ihrer Geschäfte bedroht haben.
[Offenbacher Abendblatt vom 12. August 1914]
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| Empfohlene Zitierweise: | „Der erste Kriegsmonat im Offenbacher Abendblatt, August 1914, Abschnitt 521: 12.8.1914: Der Krieg und die Konsumvereine“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/de/purl/resolve/subject/qhg/id/161-106> (aufgerufen am 05.05.2026) |
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