Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen
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Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

↑ Wilhelm Egly, Kriegstagebuch eines Soldaten aus Friedberg, 1916-1917

Abschnitt 32: V. Schicksal und Leben

[91] 25. Juni.
Gibt es geheimnisvolle Zeichen, durch die der Mensch vom Schicksal gekennzeichnet ist?

Ich weiß es nicht.
Aber ich ahne, fast weiß ich es bestimmt: Dieser wird fallen, auch der hier wird nicht wiederkommen, der andere dort trägt auch das Siegel.
Nur wie das Siegel aussieht und wo der Mensch es trägt, das vermag ich nicht zu sagen.
Ein rasch vorübergehender Gesichtsausdruck, ein Blick, eine Bewegung, die Körperhaltung beim Marsch zur Front, irgend etwas sagt mir in seltenen Augenblicken: Der ist gekennzeichnet.

27. Juni.
Der erste Tote. So wie er jetzt in einer kreideverstaubten Zeltbahn von Kameraden weggetragen wird, so sah ich ihn sekundenlang mit bloßgelegtem Hirn vor mir liegen — vor zwei Monaten schon, als er mir an einem sonnigen Tag im Wald Mort Mare einen Tisch zimmerte, den eine Woche später ein Schrapnell zersplitterte. —
Es ist schmerzlich, solche Ahnungen zu haben. Fast möchte ich manchmal an der zuversichtlichen Gewißheit zweifeln, daß mir nichts widerfahren wird.


Orte: Friedberg
Sachbegriffe: Front · Gehirn · Kameradschaft · Marsch · Schicksal · Schrapnell · Tagebücher · Tote
Empfohlene Zitierweise: „Wilhelm Egly, Kriegstagebuch eines Soldaten aus Friedberg, 1916-1917, Abschnitt 1: V. Schicksal und Leben“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/de/purl/resolve/subject/qhg/id/65-32> (aufgerufen am 04.05.2026)