Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

Inhalt
↑ Johannes Struckmann, Mobilmachung und erste Kriegswochen des Thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6 aus Hanau
Abschnitt 16: Abschnitt 16
◀ [69-70] Vizewachtmeister Herrmann ritt mit dem Rest feiner Patrouille auf schnellstem Wege zum Div.-Stab und machte hier ausführliche Meldung. Vom Div.-Kommandeur wurde ihm eine Belobigung erteilt. Er erhielt alsdann den Befehl, mit dem Artillerieführer Generalmajor Scherbenmg vorzureiten, um ihn behufs Ausfuchung von Artilleriestellungen für das kommende Gefecht zu orientieren. Abends 8 Uhr rückte die Patrouille, mit Freuden begrüßt, in Tronquoy beim Regiment wieder ein.
Am 20. August 5.45 Uhr morgens war das Regiment ohne die 1. Eskadron unter Oberstleutnant v. Kaufmann als Vorhut-Kavallerie vor der Brigade von der Esch von Fauvillers abgeritten. Bei herrlichem Wetter trabten die Ulanen, die 2. Eskadron als Vorhut voraus, auf den von dieser erkundeten Wegen über Fraimont—Juseret—Molinfaing auf Tronquoy. Hinter dem Dorf wurde gegen 10 Uhr vormittags Rast gemacht, da das Tagesziel erreicht war. Da flackerte bei Longlier Jnfanteriefeuer auf. Die Patrouillen des Regiments waren auf den Feind gestoßen. Es waren Sicherungen der französischen 4. und 9. Kavallerie-Division. Zu gleicher Zeit meldete auch Leutnant Reckleben von der Spitze der 2. Eskadron, die den Auftrag hatte, durch den Wald in Richtung Tournay—Neufchäteau vorzufühlen, daß feindliche Kavallerie und Radfahrer im Vormarsch auf Longlier wären. Auch wir sahen etwa eine halbe Eskadron aus Longlier vortraben, in einer Mulde absitzen und Schützen nach links entwickeln, anscheinend um unsere Patrouillen mit Feuer in der Flanke zu überfallen. Von dem nahen Vormarsch unserer Division schien der Feind noch keine Kenntnis zu haben.
Wie der Blitz waren die 2. und 4. Eskadron vom Pferde herunter und entwickelten Schützen. Die 3. Eskadron blieb als Reserve zu Pferde zur Ver-fügung. Wir faßten im Feuerüberfall die feindliche Eskadron, die auf etwa 800 Meter ein glänzendes Ziel bot. Wie ein Bienenschwarm fuhr sie auseinander. Stürzende Reiter, ledige Pferde, laufende Schützen, ein wirres Durcheinander. Unter Verlusten gewannn die Franzosen ihre Pferde und jagten nach Longlier zu in Deckung.
Es sollte nicht lange dauern, bis wir von drüben Antwort erhielten. Der Feind nahm aus dem Waldrand westlich das Feuer gegen uns auf. Zum erstenmal hörten wir das eigenartige Piepen der feindlichen Gewehrgeschosse. Bald mischte sich auch das abgehackte Hämmern französischer Maschinen-gewehre in den Gefechtslärm. Das Feuer wurde auf etwa 1000 Meter gegen feindliche Schützenlinien ausgenommen. Der Feind schoß zu hoch. [S. 70] Wir mochten uns jo eins Stunde lang herumgeschossen haben, als eine Gruppe Infanteristen in die Lints der 2. Eskadron einschwärmte. Es war die Spitzengruppe der 4. Kompagnie des Inf.-Regts. 87 des Hauptmanns Frhr. v. Puttkamer. Bald darauf schritt unsere Infanterie zum Angriff. In vollkommener Ruhe, trotz des feindlichen Feuers, gingen die Wellen der Schützenlinie wie auf dem Exerzierplatz gegen den Feind. Ein unvergeßliches Bild dieses ersten Gefechtstages. ▶
| Personen: | Struckmann, Johannes |
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| Sachbegriffe: | Thüringisches Ulanen-Regiment Nr. 6 · Ulanen-Regiment Nr. 6 |
| Empfohlene Zitierweise: | „Johannes Struckmann, Mobilmachung und erste Kriegswochen des Thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6 aus Hanau, Abschnitt 16: Abschnitt 16“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/de/purl/resolve/subject/qhg/id/91-16> (aufgerufen am 05.05.2026) |
