Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

Inhalt
- Keine Fastnacht in Dieburg, Hirtenbrief, Siegesnachrichten
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- Hoffnung auf gute Heuernte, Notstandsferien
- Allgemeine Teuerung, Feldbriefe nur 14-täglich
- Kriegswallfahrt, Auszeichnungen, Gefallene
- Sammlung von Kräutern und Blättern, Fliegerübungen
- Gauturnfest in Dieburg, Aufzeichnungen
- Missionssonntag in Dieburg, Kräutersegnung
- Kriegswallfahrt der Jungfrauen-Sodalität nach Dieburg
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- Sauerkrautausgabe, Kriegsanleihe, Hungertote
↑ Jakob Ebersmann, Berichte aus der Heimat in den Dieburger Feldbriefen, 1915-1917
Abschnitt 54: Sammlung von Kräutern und Blättern, Fliegerübungen
◀ [Nr. 54] Feldbrief vom 30. Juli 1916
Während der Kriegszeit wurde schon vielerlei gesammelt, was sonst als Abfall wenig Beachtung fand: alte Wollwaren, Blech und Eisen, Papier u.dgl. Jetzt sammeln die Kinder Heilkräuter verschiedener Art. Im Mädchenschulhaus ist ein Saal mit lauter solchen Kräutern belegt: Schachtelhalm, Lindenblüten, Schafgarbe, Pfeffermünz, Holunder, Pimpernell, Kamille, Königskerze, Seifenkraut und noch zehnerlei andere Pflänzlein. Auf dem Speicher des Knabenschulhauses werden Brennessel, Brombeer-, Himbeer- u. a. Blätter gedörrt. Wenn nun die liebe Jugend auch noch lernt, wie der Tee daraus bereitet und für welche Krankheiten er angewandt wird, wird sie bald so gescheit sein, wie die Herren doctores medicinae.
[...] In den Zeitungen kann man jetzt oft lesen, die Ernte des letzten Jahres sei eine der schlechtesten seit vielen Jahren gewesen. Für Dieburg traf das aber nicht zu. Wir hatten hier auch im verflossenen Jahre eine gute Mittelernte. Sollte sie dieses Jahr noch besser ausfallen als die letzte, so werden wir uns umsomehr darüber freuen. —
Dieser Tage weilte der Jesuitenpater Herr Johann Steinmetz in seiner Heimatstadt Dieburg. Wie Euch bekannt ist, war er vor Ausbruch des Krieges Professor der Geschichte und englischen Litteratur an der Universität in Bombay in Vorderindien. Bald nach Beginn des Krieges mußte er als Deutscher seine Professur aufgeben und war dann in verschiedenen Gefangenenlagern, zuerst in Indien und dann in England, interniert. Seine Leidensgeschichte, über die er Sonntag 16. Juli in der Versammlung der Jünglingssodalität sprach, wirft interessante Streiflichter auf die „Hochkultur" Englands.
In letzter Zeit hatten wir hier öfters Gelegenheit, den Übungen unserer Flieger beizuwohnen. Von Darmstadt kommend gingen sie hier nördlich vom Bahnhof auf dem freien Wiesengelände nieder. Dort erfolgte auch wieder der Aufstieg. Selbstverständlich bedeutete dies für Dieburg ein gewaltiges Ereignis. Die halbe Stadt war zur Stelle und es war schon spät in der Nacht, als die letzten Schaulustigen heimkehrten. —
[...]
Die Gefreiten Adam Enders, Anton Kipp und Lorenz Heckwolf wurden zu Unteroffizieren befördert. Musketier Peter Enders, Gefreiter Karl Enz, die Unteroffiziere Adam Enders und Georg Schwebel erhielten die hessische Tapferkeitsmedaille. Durch Verleihung des eisernen Kreuzes wurden ausgezeichnet Assistenzarzt Karl Hofmann, die Brüder Heinrich und Franz Kaiser, Sanitätsgefr. Simon Hitzel und Unteroffizier Hch. Amann.
Auf dem Felde der Ehre fielen Johann Jakob Rührig und Peter Joseph Enders. R. i. p. ▶
| Personen: | Ebersmann, Jakob |
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| Empfohlene Zitierweise: | „Jakob Ebersmann, Berichte aus der Heimat in den Dieburger Feldbriefen, 1915-1917, Abschnitt 54: Sammlung von Kräutern und Blättern, Fliegerübungen“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/de/purl/resolve/subject/qhg/id/19-54> (aufgerufen am 04.05.2026) |
