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Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

↑ Robert Wolfgang Wallach, Aus dem Tagebuch eines Kriegsfreiwilligen 1914/15

Abschnitt 14: Schlachtmorgen

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Schlachtmorgen.

Kann ich den Arm, die Beine noch bewegen?
Bin ich noch lebend, unverwundet?
Ja, es scheint. —
Und doch? —
Was ist mit mir? —
Kann ich noch denken? —
Sonderbar. —

Und unwillkürlich, langsam schließe ich die Augen
Und decke mit den Händen sie,
Doch schneller als sie müd geschlossen,
Öffn' ich sie wieder:
Himmel! Da war sie wieder
Diese fürchterliche rote Linie!
Da war es wieder,
Dieses grausig, fürchterliche Bild:

Die schwarze, undurchsichtigstumme Nacht. —
Wir sind im Vorgehen
Und stampfen ahnungslos durch weite Rübenäcker — Da — plötzlich, —
Wie ein Feuerstrich durchzuckts die Nacht,
Gleichwie ein roter Strich durch tausend Menschenleben,
Wie eine abertausendfingerige Knochenhand des Todes —
Ein Krach
Und dann ein Todesschrei von tausend Kameraden — — — —

Himmel! — Ich darf mich nicht erinnern!
Ich darf nicht denken. —
Ich will mich in die warme Sonne legen,
Vielleicht löst sie den Bann von mir,
Vielleicht löst sie dies furchtbare Erinnern
Aus meinem armen Menschenhirn.


Frankreich, November 1914


Empfohlene Zitierweise: „Robert Wolfgang Wallach, Aus dem Tagebuch eines Kriegsfreiwilligen 1914/15, Abschnitt 14: Schlachtmorgen“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/de/purl/resolve/subject/qhg/id/134-14> (aufgerufen am 07.05.2026)