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Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

↑ Kriegsgedichte in der Fuldaer Zeitung, August 1914

Abschnitt 11: Ludwig Nüdling, Das Lied vom Scheiden ... (Gedicht)


Das Lied vom Scheiden und Sterben

Wir saßen zusammen manch fröhlichen Tag
Und kannten nicht Kummer und Sorgen,
Dieweilen das Heute voll Rosen lag
Und voller Knospen das Morgen.

Dann bautet ihr euch in die Zukunft hinein
Viel Schlösser mit Türmen und Zinnen,
Ihr glaubtet an ewigen Sonnenschein,
An Lenze draußen und drinnen.

Nun ist über Nacht der grausame Krieg
Durch unsere Gassen geschritten,
Und eh noch die Sonne am Himmel stieg,
Seid all ihr davon geritten.

Kaum ließ die Trompete mir spärliche Zeit,
Euch scheidend die Hände zu drücken . . .
Da lagen die Gärten der Zukunft verschneit,
Es blieb keine Knospe zum Pflücken.

Die Rosen entblättert, verwelkt der Kranz,
Der Freudenbecher in Scherben
So sangt ihr beim leuchtenden Frührotglanz
Das Lied vom Scheiden und Sterben.

Ich sah euch noch lange vereinsamt nach,
Die Hände zum Himmel erhoben,
Indeß eine zitternde Träne sprach:
„Auf Wiedersehen — dort oben!"

Aufenau Ludwig Nüdling.


[Veröffentlicht in der Fuldaer Zeitung vom 22. August 1914]


Personen: Nüdling, Ludwig
Sachbegriffe: Kriegsgedichte · Fuldaer Zeitung
Empfohlene Zitierweise: „Kriegsgedichte in der Fuldaer Zeitung, August 1914, Abschnitt 11: Ludwig Nüdling, Das Lied vom Scheiden ... (Gedicht)“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/de/purl/resolve/subject/qhg/id/120-11> (aufgerufen am 14.05.2026)