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Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

↑ Kriegsgedichte in der Oberhessischen Zeitung (Marburg), Juli - September 1914

Abschnitt 24: A.K., Bund edler Seelen (Gedicht)


Bund edler Seelen.

(Mel.; Es ritten drei Reiter zum Tore hinaus.)

1. Im Westen rappelt und zappelt was — aha!
Schon wieder einmal schwappt über das Faß — na, na!
Der gallische Hahn kräht mächtig darein,
Möcht' immer das Hähnchen im Korbe sein —
Ja, ja, juchheirassassa!
Das gibt einen großen éclat.

2. Er lockt mit seinem Revanchegeschrei — he, he!
Die gierigen Russen und Briten herbei — o je!
Sie hetzen sich wechselseitig in Wut
Und schüren zum Weltenbrande die Glut —
O weh und o jemine!
Das heißt man humanité.

3. Sie schlagen an Wortbruch und Meuchelmord — ach, ach!
Beinahe den serbischen Höhenrekord — o Schmach!
Das nennen die Größten der grande nation
Marcher á la tête de la civ(i)lisation" —
Ach, ach, o Schmach, ach, ach!
Doch das Ende, das dicke, kommt nach.

4. A la tête der erhab'ne Poincaré — comme ça!
Der King und sein schändlichster Gauner, der Grey — aha!
Als Dritter der schwächliche Nikolaus,
Die machen ein würdiges Kleeblatt aus —
Sie stehen — ha ha, ha ha!
In voller Beleuchtung schon da.

5. Zwei Majestäten, potz Element — juchhe!
Mit ihnen im Bunde der Präsident — o je!
Der dünkt sich selber fast Majestät,
Der Frosch, wenn er sich nur gehörig bläht —
Hoch fratern- und égalité, br>Armsel'ger Poinearé!

6. Als Friedeneengel gekleidet weiß — so, so!
Wutschnaubend im Herzen, von Mordsucht heiß — oho!
Die lüsternen Wölfe, vom Schafspelz bedeckt,
Sie haben so lange kein Blut mehr geleckt — br>Hallo, halli und hallo!
Wir wissen, weshalb und wieso.

7. Sie schnuppern an unsern Grenzen umher — schau, schau!
Sie treibt ihr Gelüste je länger, je mehr — au, au!
Wie Katzen umschleichen den heißen Brei,
Zum Sprunge bereit, der Getiere drei —
Miau, wau wau, miau!
Haut ihnen auf Schnauz und auf Klau'.

8. Blutsuppe wollen sie schlürfen ein — hu, hu!
Die soll ihnen tüchtig versalzen sein — pu, pu!
Sie möchten zerfleischen uns ganz und gar
Und uns verschlingen mit Haut und Haar —
Laßt uns gefälligst in Ruh!
Maul weg! sonst schlagen wir zu.

9. Da sitzen sie beiderseits am Kanal — hi, hi!
Und pfeifen auf jegliches Ideal — heidi!
O Jean Potage und o John Bull,
Moralisch gesunken tief unter Null —
Von England und Kompagnie
Fleuch, Seele, zum blöden Vieh.

10. Bei dieser sowohl wie jener Nation — oui, oui!
Im Geldsack sitzt ihre Religion — pfui, pfui!
Sie tanzen und springen und singen dabei
Vom goldenen Kalbe die Litanei —
Oui, oui, yes, yes, oui, oui!
Den Mammonsknechten pfui, pfuli!

11. Von Gott und Gewissen entäußert gar — schon gut!
An Herz und Gemüt und Verstande bar — die Brut!
Bourgeois und Gentleman, lügengespickt,
Unheilbar in Blindheit und Wahnsinn verstrickt —
Sie müssen die schwindelnde Wut
Austoben in Mord und in Blut.

12. Ruchloses, perfides Albion — aha!
Winkt endlich einmal der verdiente Lohn? — o ja!
Von Prügeln die beste, bedeutendste Tracht
Sei dir am herzlichsten zugedacht —
Ja, ja, juchheirassassa!
Der Tag der Vergeltung ist nah.

13. Seeräuberische Gevatterschaft — o Schund!
Goddam, God damn ye mit voller Kraft — o Hund!
In den lügengepanzerten Hals dir hinein,
So tückisch und niedrig und hundsgemein —
Mit Schwarzen und Gelben im Bund
Hinab in den Höllenschlund!

14. Wenn's jemals galt in der Zeiten Lauf — gilt's nun!
Für alles, was heilig, nur dran und drauf — kein Nuhn!
Jetzt gilt es zu zeigen Mann für Mann,
Was eiserne Zucht und Begeisterung kann —
Sechs Fliegen auf einen Streich!
Ein Gott, ein Volk und ein Reich!

A.K.


[Veröffentlicht in der Oberhessischen Zeitung vom 5. September 1914]


Sachbegriffe: Kriegsgedichte · Oberhessische Zeitung
Empfohlene Zitierweise: „Kriegsgedichte in der Oberhessischen Zeitung (Marburg), Juli - September 1914, Abschnitt 24: A.K., Bund edler Seelen (Gedicht)“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/de/purl/resolve/subject/qhg/id/118-24> (aufgerufen am 07.05.2026)