Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

Inhalt
- Gottlieb, Weltlage (Gedicht)
- ...
- Franz Evers, Heilo puhst! (Gedicht)
- Unbekannt, Marianne und der Bär (Gedicht)
- Nanny Lambrecht, Drauf, Deutschland, drauf (Gedicht)
- A. J. Winckler, Furor teutonicus (Gedicht)
- Alexander Beyer, Der Abschied meines Sohnes (Gedicht)
- v. L., Kriegers Abschied (Gedicht)
- Walter Profft, Dem Vaterland (Gedicht)
- ...
- Wilhelm Räderscheidt, Deutsches Fliegerlied (Gedicht)
Abbildungen
↑ Kriegsgedichte in der Zeitung für das Dillthal, Juli / August 1914
Abschnitt 12: A. J. Winckler, Furor teutonicus (Gedicht)
◀ Furor teutonicus.
Wirf den Hammer fort! Wirf die Sense, die Feder fort
Deutschland, steh auf!
Allgewaltig rief des Kaisers Wort,
Schreckliches Schicksal, nun lauf!
Da —
Aus Walzwerk und Hochofen und Häfen und Schacht
Wälzt es heran mit furchtbarer Macht,
Aus der Riesenstädte dunkelm Labyrinth
Millionenhaft steigt es — Sie sind's! Es beginnt!
Sie sind's, die ihr Mark in die Lohe spritzen,
Die wühlend im Bauch der Fabriken sitzen,
In der knochigen Glieder kernstämmiger Wucht,
Die harten Gesichter von Schweiß durchfurcht,
Brüder, Brüder! Helft! Es beginnt!
Da —
Aus Kaufläden und Hörsaal, Amt, Klinik, Kontor,
Aus Palast und Banken bricht es hervor
Mit Grausen und Hurra, alles Tagwerk zerrinnt,
Millionenhaft steigt es — Sie sind's Es beginnt!
Sie sind's, die in Buch und Beruf sich versenken,
Handeln und wandeln, lenken und denken,
Gelehrter und Kaufmann, Student und Kommis,
Die Bürger der Arbeit, wer zählet sie?
Brüder, Brüder! Helft! Es beginnt!
Da —
Aus Wald und Feld bricht es Mann für Mann,
In donnernden Zügen jagt es heran,
Donnernd Gesänge schwellen im Wind,
Millionenhaft steigt es — Sie sind's Es beginnt!
Sie sind's, die in Hof und Hürden hausen,
Wo die Wälder wachsen, die Flüsse brausen,
Sie sind's, die in Sturm und Sonnenglut steh n,
Blond und braun und säen und mäh'n,
Brüder, Brüder! Helft! Es beginnt!
Wir haben uns wieder, wir sind vereint,
Mit Gott und Kaiser hinaus in den Feind!
Zerstampft ist, was uns hadernd getrennt,
Wir sind ein einziges Element.
Ein Volk, mein Volk, zum Klumpen geballt,
Nun gibt es kein Weichen, da gibt es kein Halt,
Das ist wie rollender Berg-Basalt,
Ist wie ein lebendiger, wandernder Wald,
Feuer und Meer, brüllend in Schauer und Blut,
Hosianna der Tat! Hosianna dem Mut!
Hosianna dem Schrecken! Hosianna der Wut!
Hosianna der Rache! Der Arm ist gereckt,
Nun zeigt jedweder, was in ihm steckt,
Nun brause, wie er brausen muß:
Furor teutonicus!
Das Schicksal will's, das Schicksal sprach,
Nun, schrecklich Schicksal, lauf —
Es kracht Europens heiliges Dach,
Deutschland, steht auf!
A. J. Winckler.
[Veröffentlicht in der Zeitung für das Dillthal vom 14. August 1914]
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| Personen: | Winckler, A.J. |
|---|---|
| Sachbegriffe: | Kriegsgedichte · Zeitung für das Dillthal |
| Empfohlene Zitierweise: | „Kriegsgedichte in der Zeitung für das Dillthal, Juli / August 1914, Abschnitt 12: A. J. Winckler, Furor teutonicus (Gedicht)“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/de/purl/resolve/subject/qhg/id/117-12> (aufgerufen am 05.05.2026) |

