Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen
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Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

↑ Adolf Soldan, Das 5. Großherzoglich Hessische Infanterie-Regiment Nr. 168

Abschnitt 11: Rückmarsch von Aachen über Köln nach Butzbach

[81-82]
25. November: Marsch nach Düren1.

26. November: Marsch nach Kelz2.

27. November: Marsch nach Lechenich3 und Ruhetag hier am 28. November.

29. November: Marsch nach Hennühlheim4.

30. November: Marsch nach Köln a.Rh., woselbst auf dem Heumarkt der letzte Vorbeimarsch vor dem Div.-Kommandeur, General von Briesen5, stattfand. Marsch nach Kalb6.

1. Dezember: Marsch nach Olpe7.

2. Dezember: Marsch nach Glashüpper8.

3. Dezember: Marsch nach Wirberg bei Altena9 in Westfalen, hier Ruhetag am 4. Dezember.

5. Dezember: Marsch nach Hemer östlich Iserlohn10, hier Ruhetag bis einschließlich 12. Dezember.

13. Dezember: Marsch nach Attendorn11.

14. Dezember: Marsch nach Olpe12 und Umgebung.

15. Dezember: Marsch nach Weidenau13 bei Siegen.

16. Dezember: Marsch nach Herborn und Niederscheld14.

17. Dezember: Marsch nach Wetzlar - Reiskirchen15.

18. Dezember: Um 2.30 nachm. rückte das Regiment mit klingendem Spiel in Butzbach ein, jubelnd begrüßt von der Bevölkerung. Die Stadt hatte geflaggt. Das Ersatzbataillon hatte dem heimkehrenden Regiment eine Fahnengruppe mit den drei Fahnen des Regiments in Richtung Wetzlar entgegengeschickt. Letztere waren im Jahre 1915 in die Heimat gesandt worden, da sie im Stellungskampf schwierig unterzubringen waren. Unter dem Glockengeläute der altehrwürdigen Markuskirche nahm das Regiment Aufstellung vor dem Rathause. Hier hatten sich bereits die Krieger- und Turnvereine mit ihren Fahnen sowie die Krieger- und Turnvereine mit ihren Fahnen sowie die [S. 82] Mitglieder des Roten Kreuzes und die städtische Fürsorge zur Begrüßung eingefunden. Nunmehr entbot Herr Hauptlehrer Storch als Vertreter des erkrankten Bürgermeisters im Namen des Stadtvorstandes und der ganzen Bürgerschaft dem heimkehrenden Regiment aufrichtge und warme Willkommensgrüße. Er feierte das Regiment als ein vom Feinde unbesiegtes, das in langjährigen, harten aber erfolgreichen Kämpfen den Feind von den deutschen grenzen zurückgeworfen und dadurch die Heimat vor den Verheerungen des Krieges bewahrt habe. Er gedachte ferner der Gefallenen und versicherte, daß die Bürger Butzbachs mit nie vergessendem Dank sie stets in ehrendem Andenken behalten werden. Mit gewaltiger Begeisterung aller Anwesenden wurde das dreimalige Hoch auf das Regiment angestimmt.

Der Kommandeur des Regiments, Oberstleutnant vn Zglinitzki, dankte Herrn Storch und der Stadt Butzbach für den warmen Empfang. Sein dreimaliges Hoch galt der soldatenfreundlichen Bevölkerung der Stadt Butzbach.

Das Regiment rückte dann in die Kaserne, woselbst der letzte Vorbeimarsch vor dem Regimentskommandeur in Gruppenkolonne stattfand. Nachmittags spielte die Regimentsmusik auf dem Kasernenhof. Die Mitglieder des rotes kreuzes verteilten Liebesgaben, und das gute Einvernehmen zwischen Zivil und Militär, wie es in der Vorkriegszeit war, war bald wiederhergestellt.

Im Frühjahr 1919 wurde mit der Auflösung des Regiments begonnen. Die einzelnen Jahrgänge wurden nach und nach entlassen, die Pferde, Geschirre, Wagen usw. öffentlich versteigert. Alles vollzog sich in bester ordnung. Mit dem 1. April 1919 galt das regiment als aufgelöst. Am seine Stelle trat noch für kurze Zeit das Abwicklungskommando.

Hauptmann Habenicht (von September 15 bis Juni 18 Regts. Adj.) trat mit einer größeren Anzahl Freiwilliger in das Freischaar-Bataillon 15 über (heute 10. und 11. Komp. Reichswehr-Inf.-Regts. 15 in Niederzwehren bei Cassel). [...]



Erläuterung:
Der Marsch durch Belgien bis zur ersten Station auf deutschem Boden (Roetgen) war etwa 170 km lang, die in 9 Marschtagen bewältigt wurden. Die Marschstrecke von Roetgen bei Aachen bis Butzbach lag bei etwa 320 km in 15 Marschtagen. Es wurden 11 Ruhetage eingelegt. Insgesamt marschierte die Einheit also etwa 490 km in 24 Marschtagen. Die durchschnittliche Marschleistung pro Tag betrug etwa 20,4 km.


  1. Die Marschstrecke von Düren ist etwa 32 km lang.
  2. Ortsteil der Gemeinde Vettweiß, Kreis Düren. Entfernung von Düren etwa 12 km.
  3. Heute Stadtteil von Erftstadt, Rhein-Erft-Kreis. Entfernung von Kelz etwa 14 km.
  4. Hermülheim, heute Stadtteil von Hürth, Rhein-Erft-Kreis. Entfernung von Lechenich etwa 15 km.
  5. ...
  6. Gemeint ist Kalk, heute rechtsrheinischer Stadtteil von Köln. Entfernung von Hermülheim (ohne zusätzliche Strecken in der Kölner Innenstadt) etwa 12 km.
  7. Olpe, heute Stadtteil von Kürten, Rheinisch-Bergischer Kreis. Entfernung von Köln-Kalk etwa 26 km.
  8. Ort bisher nicht identifiziert.
  9. Ort Wirberg bisher nicht identifiziert. Die Entfernung von Kürten-Olpe nach Altena (2 Tagesmärsche) beträgt etwa 47 km.
  10. Hemer, Märkischer Kreis. Die Entfernung von Altena beträgt etwa 16 km.
  11. Attendorn, Kreis Olpe. Die Strecke von Hemer nach Attendorn ist etwa 49 km lang.
  12. Die Strecke von Attendorn nach Olpe ist etwa 17-20 km lang.
  13. Heute Stadtteil von Siegen. Die Entfernung von Olpe beträgt etwa 27 km.
  14. Niederscheld, heute Stadtteil von Dillenburg. Die Entfernung von Weidenau beträgt etwa 33-35 km.
  15. Reiskirchen, heute Ortsteil von Schöffengrund, südlich Wetzlar. Die Enfernung nach Butzbach beträgt etwa 16 km.

Sachbegriffe: 5. Großherzoglich Hessisches Infanterie-Regiment Nr. 168 · Infanterie-Regiment Nr. 168
Empfohlene Zitierweise: „Adolf Soldan, Das 5. Großherzoglich Hessische Infanterie-Regiment Nr. 168, Abschnitt 11: Rückmarsch von Aachen über Köln nach Butzbach“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/de/purl/resolve/subject/qhg/id/111-11> (aufgerufen am 15.05.2026)