Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

Inhalt
↑ Karl Spieß, Die Mobilmachung in Biedenkopf und die Kriegsmonate bis März 1916
Abschnitt 21: Abschnitt 21
◀ Ereignisse von besonderer Bedeutung haben sich in den vergangenen beiden Kriegsmonaten nicht abgespielt. Am 13. Dezember hielt im Auftrage des Volksbildungsvereins Bergschullehrer Hellmann aus Siegen einen interessanten Vortrag über seine Erlebnisse bei einer Autofahrt mit Liebesgaben ins Feindesland und am Sonntag den 20. Dezember fand eine feierliche Weihnachtsbescherung der Kriegerkinde in den Meier’schen Räumen statt. Ueber diese in allen Teilen wohlgelungene Feier, um deren Zustandekommen sich der Kriegerverein und besonders sein Vorsitzender Herr Oberförster Defert, dann aber auch als Helferinnen die Damen Frau Amtsgerichtsrat Fuchs, Frau Bürgermeister Grünewald und Frau Milchsack verdient gemacht hatten, ist in Nr. 151 (vom 22.12.14) des „Hinterländer Anzeigers“ berichtet. Eine weitere vaterländische Veranstaltung war die Geburtstagsfeier unseres Kaisers und Königs am 27. Januar (Nr. 13 des Kreisblatts vom 30.1.15). Die Sonderberichte über diese Feiern werden der Ortschronik einzuverleiben sein.
Die Liste der zu den Fahnen eingezogenen Mannschaften kann noch immer nicht abgeschlossen werden, denn unaufhörlich finden neue Einberufungen statt und immer ruhiger wird infolgedessen im Städtchen. Auch so manches andere beginnt sich zu ändern, vor allem tritt die Lebensmittelversorgung in bisher nie gekannte neue Bahnen. Das Brot und de Kaffeebrötchen werden dunkler, sie enthalten Kartoffelzusatz und schmecken anders als in Friedenszeiten und demnächst wird das Brot auch knapp werden, es steht die Zeit bevor, da es den Haushaltungen zugeteilt werden wird nach Verhältnis der Zahl der Familienangehörigen. Die Ernährung des Viehs wird sich schwieriger gestalten. Schon sind die Haferrationen für die Pferde auf ein Minimum herabgesetzt, das Verfüttern von Getreide an das Vieh ist verboten und der Vertrieb von Getreide und Mehl unter amtliche Kontrolle gestellt. Um die Fleischversorgung der Stadt sicherzustellen, wird die Stadtverwaltung Schweinedauerware erwerben und sie wieder verkaufen, wenn die Zeit gekommen ist.
Zehn- und Zwanzigmarkstücke sind uns nachgrade fremd geworden. Man sieht fast nur noch Papiergeld und dieses meistens in recht abgegriffenen Exemplaren. Wir zahlen mit Ein- und Zweimarkscheinen: früher nie gekannte Dinge! ▶
| Empfohlene Zitierweise: | „Karl Spieß, Die Mobilmachung in Biedenkopf und die Kriegsmonate bis März 1916, Abschnitt 21: Abschnitt 21“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/de/purl/resolve/subject/qhg/id/1-21> (aufgerufen am 06.05.2026) |
|---|
