Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

Inhalt
↑ Karl Spieß, Die Mobilmachung in Biedenkopf und die Kriegsmonate bis März 1916
Abschnitt 18: Abschnitt 18
◀ [Sp. 255] Das früher veröffentlichte Verzeichnis der Feldzugsteilnehmer erfährt eine nennenswerte Erweiterung durch die Aufnahme der im Laufe der letztvergangenen beiden Monate weiter eingerückten Ersatzreservisten und Landstürmler. Einen besonders ehrenvollen Platz in diesem Verzeichnisse verdienen die jüngsten unserer Kriegsfreiwilligen. Es sind dies der inzwischen verwundete Otto Ruppert, geboren am 8. November 1898 und Adolf Metzger, geboren am 26. November 1897. Die Bilder dieser bei 136. Infanterieregiment stehenden mutigen Söhne unserer Stadt sind der Ortsgeschichte einverleibt.
Im letzten Berichte wurden die Namen der Gefallenen aufgeführt. Der stille Wunsch, daß ihre Reihe damit geschlossen sein möchte, hat sich nicht erfüllt. Der Krieg hat leider noch mehr Opfer gefordert. Es fiel in der Schlacht bei Opahow am 4. Oktober der Reservist Carl Einolf vom Infanterieregiment 167, Hüttenbeamte, der hoffnungsvolle Sohn unseres Mitbürger Wilhelm Einolf. Am 21. Oktober starb im Feldlazarett in Lille an seinen Verwundungen der Leutnant der Reserve, Landmesser Adolf Wild, der Bruder des acht Wochen zuvor gefallenen Oberlehrers Gustav Wild. Den Heldentod bei Comines in Frankreich fand am 10. November der Reservist Hermann Angersbach1 und an den Folgen ihrer Verwundungen starben am 19. November der Unteroffizier Adolf Kraft vom Feldartillerieregiment 80 und am 16. November Otto Diacont2vom 11. Jägerbataillon. Er wurde am 19. November unter Begleitung des Kriegervereins, der hier anwesenden verwundeten Krieger und der schlesischen Flüchtlinge – von denen weiter unten die Rede sein wird – hier zu Grabe getragen. Ein ähnliches, ebenso feierliches und eigenartiges Leichenbegängnis hatte am 15. Oktober stattgefunden. Damals galt es, die sterbliche Hülle der Auguste Weygand zu bestattet, die am 13. Oktober auf dem Bahnhofe zu Betzdorf bei Ausübung ihrer Samariterpflicht einen jähen Tod gefunden hatte. Auch ihrem Sarge folgten der Kriegerverein und die verwundeten Feldzugsteilnehmer, die sich damals hier und im Lazarett Wilhelmshütte befanden. ▶
- Der 27jährige Hermann Angersbach war Reservist und Tambour der 11. Kompanie des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 83. Der Sohn des Biedenkopfer Schreiners Justus Angersbach und seiner Frau Wilhelmina war Maurer. Er fiel in den Kämpfen bei Wijtschaete am 11.11.1914 (HStAMR Best. 915 Nr. 961 Standesamt Biedenkopf Sternebenebenregister 1914, S. 45). Wijschaete liegt in der Provinz Westflandern südlich von Ypern. Der hier genannt französische Ort Comines war möglicherweise Standort eines Lazaretts. Die Kämpfe, bei denen Hermann Angersbach fiel, waren Teil der Ersten Flandernschlacht, bei der vom 20. Oktober – 18. November 1914 auf französischer und britischer Seite etwa 108.000 und auf deutscher Seite etwa 100.000 Soldaten ums Leben kamen. ↑
- Nach dem standesamtlichen Eintrag im Sterbenebenregister Biedenkopf 1914 gehörte Otto Diacont zur 5. Kompanie Ersatz-Abteilung des Jägerbataillons Nr. 11 in Marburg. Der 21 Jahre alte Diacont, Sohn des Stadtförsters Ludwig Diacont und seiner Frau Luisa, von Beruf Elektromonteur, starb am 16.11.1914 im Reservelazarett in Marburg an seinen Verwundungen (HStAMR Best. 915 Nr. 961 Standesamt Biedenkopf Sternebenebenregister 1914, S. 49). ↑
| Empfohlene Zitierweise: | „Karl Spieß, Die Mobilmachung in Biedenkopf und die Kriegsmonate bis März 1916, Abschnitt 18: Abschnitt 18“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/de/purl/resolve/subject/qhg/id/1-18> (aufgerufen am 06.05.2026) |
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