Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

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5118 Marburg
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 60. Marburg

Further Information

Wehrda

Stadtteil · 185 m über NN
Gemeinde Marburg, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Settlement | Statistics | Constitution | Property | Church and Religion | Culture | Economy | References | Citation
Settlement

Settlement Type:

Dorf

Localization:

3 km nördlich Marburg

Geographical Situation:

Geschlossene Siedlung mit regellosem Grundriss in Talmündungslage am rechten Lahnufer. Auf breitem Mittelterrassenvorsprung im Süd-Eck zwischen Lahnaue und ausmündendem Teufelsgraben Wehrkirche mit Wehrkirchhof. Nördlich unterhalb des Kirchhofs kleine Platzbildung auf Wegespinne (,Männerstätte", vgl. Gerichtsplatz in Wehrda im Modul Gerichtsstätten in Hessen). Moderne Wohnsiedlung im Nordwesten, Westen und Süden.

Straße Marburg-Goßfelden (alte Landstraße Frankfurt-Bremen) mit Abzweigung nach Cölbe zur B 3.

Earliest Reference:

1232

Historical Names:

Naming:

  • villa 1232

Settlement Sites:

  • In der Gemarkung: Wüstung Weißer Stein. Auf wüste Siedlungen deuten die Flurnamen Breidenhäuser Holz, Wächterod (östlich Wehrda), Uttershausen (1 km nordwestlich Wehrda). Im Bereich der Flurorte Breidenhäuser Holz und Uttershausen karolingerzeitliche Keramikfunde.

Land Consolidation:

1933/36

Earliest Local Map:

1840; Dorfkarte von 1815

Coordinates:

Gauß-Krüger: 3483171, 5633500
UTM: 32 U 483103 5631687
WGS84: 50.83664245° N, 8.760045051° O OpenLayers

Statistics

Location Code:

534014160

Frühere Ortskennziffer:

534014311

Land Usage Statistics:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1010 stellbares Land, 235 Wiesen, 73 Gärten, 40 Triesche. 800 Wald. 1885 (Hektar): 885, davon 357 Ackerland, 99 Wiesen, 325 Holz. 1961 (Hektar): 814, davon 318 Wald.
  • 1885 (Hektar): 885, davon 357 Acker (= 40.34 %), 99 Wiesen (= 11.19 %), 325 Holzungen (= 36.72 %)
  • 1961 (Hektar): 814, davon 318 Wald (= 39.07 %)

Population Statistics:

  • 1400: 27 Einwohner
  • 1577: 56 Einwohner
  • 1604: 59 Hausgesessene
  • 1630: 2 vierspännige, 1 dreispännige, 8 zweispännige, 6 einspännige Ackerleute, 23 Eind.
  • 1630: 45 Gemeindsmänner, dazu 10 Haushalte, die von Witwen geführt werden.
  • 1681: 35 hausgesessene Mannschaften
  • 1746: 32 Ackerleute, 2 Schmiede, 2 Wagner, 3 Schneider, 8 Leineweber, 2 Gastwirte, 2 Maurer, 5 Zimmerleute, 2 Fischer, 2 Müller, 18 Tagelöhner. 1838 (Familien): 39 Ackerbau, 43 Gewerbe, 10 Tagelöhner, 56 nutzungsberechtigte, 22 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 14 Beisitzer. 1961 (Erwerbspersonen): 120 Land- und Forstwirtschaft, 316 Produzierendes Gewerbe, 191 Handel und Verkehr, 396 Dienstleistungen und Sonstiges 3 a.
  • 1747: 84 Hausgesessene
  • 1793: 393 Einwohner
  • 1861: 433 evangelisch-lutherisch, 2 römisch-katholisch, 18 jüd. Einwohner
  • 1885: 529, davon 513 evangelisch (= 96.98 %), 2 katholisch (= 0.38 %), 14 Juden (= 2.65 %)
  • 1961: 2414, davon 2124 evangelisch (= 87.99 %), 242 katholisch (= 10.02 %)

Charts:

Wehrda: Einwohnerzahlen 1834-1967

Data source: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Constitution

Administrative Area:

  • 1386: Gericht
  • 1570: Untergericht Wehrda
  • 1577: Gericht Wehrda und Marbach im Amt Marburg
  • 1662: dem Marburger Stadtgericht eingegliedert
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Caldern
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Former Administrative District:

Marburg

Court:

  • 1821: Landgericht Marburg
  • 1850: Justizamt Marburg
  • 1867: Amtsgericht Marburg
  • Ursprünglich wohl selbständiges Dorfgericht, das vermutlich nach 1280 mit dem Gericht Marbach verbunden wurde. Wehrda als Gerichtsitz anzusehen. Gerichtherrschaft stets landgräflich geblieben; nachweisbar nur niedere Gerichtbarkeit.
  • Gerichthaus 1581
  • Schöffe, Heimbürge 1389
  • Landschöffe 1396
  • Schultheiß 1411
  • Grebe 1498
  • Wehrda war eines der 4 sogenannten Hausdörfer, die seit ca. 1458 ungemessene Hausdienste auf dem Marburger Schloß zu leisten hatten; 1700; ungemessene Handdienste auf dem landgräflichen Schloß, in der herrschaftlichen Mahlmühle und dem Renthof in Marburg sowie im landgräflichen Vorwerk Schwanhof.
Property

Manorial System and Landholding:

  • 1374 hat der Landgraf ein Haus in Wehrda verpachtet. 1481 befreit der Landgraf sein der Marburger Schloßkapelle zinsendes Gut von allen Abgaben; 1540 als landgräflicher Erbhof, 1570 als landgräflicher gefreiter Hof bezeichnet, der stets verpachtet war und zu dessen Zubehör 1600 ca. 10 Hektar Land gehörten; der Hof lag auf einem spornähnlichen Vorsprung südlich der Kirchhofsmauer. Bis ins 17. Jahrhundert scheint mit diesem Hof das Schultheißenamt des Gerichts verbunden gewesen zu sein. Seit 1643 ist der Hof gedrittelt, später in einer Hälfte und 2 Vierteln verpachtet. - 1266 verzichtet der Landgraf gegenüber dem Deutsche Orden Marburg auf seine lehnsherrlichen Rechte auf einige bei Wehrda gelegene Äcker, Wächterode genannt, die der Deutsche Orden vom Marschall Gottfried von Reichenbach und von den Nodung von Wehrda erworben hatte. 1285 überläßt der Landgraf im Tausch den Platz, der zwischen dem Deutschhaus und Wehrda liegenden Mühle liegt und den der Marschall Heinrich von Romrod von ihm zu Lehen hatte. 1358 besitzt der Deutsche Orden 10 Äcker in Wehrda. Der westlich der Kirche liegende Hof des Deutschen Ordens, 1608 ca. 15 Hektar umfassend, war bis zur Auflösung des Ordens (1809) verpachtet; weiterer umfangreicher Streubesitz des Deutschen Ordens in der Wehrdaer Gemarkung - 1450 bekennen der Marburger Bürger Konrad Synnig und seine Angehörigen, daß sie dem Kloster Haina ein Viertel eines kleinen Gutes, an dem das Kloster Mitbesitzer ist, sowie Einkünfte von einem weiteren Gut verkauft haben. 1499 vertauscht das Kloster dem Landgrafen ein Gut zu Wehrda; ein benachbartes, weiteres Klostergut bleibt von dem Tausch ausgeschlossen. 1494 sind dem Landgrafen 7 Pflüge in Wehrda dienstbar. 1527 erhält Haina ein Gut von der Marburger Bürgerin Bertha von Battenfeld. - Um 1475 hat Heinrich Imhof genannt Rode Güterbesitz in Wehrda - 1559 sind die Schutzbar genannt Milchig in Wehrda begütert. - 1574 verleiht der Marburger Schultheiß Hartmann Riedesel das sog. Nodungsgut in Wehrda an Caspar Rohne.

Local Nobility:

Nodung von Wehrda um 1120-1805

Church and Religion

Local Churches:

  • sacerdos, plebanus 1232. Pfarrkirche
  • cluse 1389 genannt
  • 1909-1923: Niederlassung der Taborbrüder; seit 1908 bzw. 1914 Gemeinschafts-Diakonissen-Mutterhaus "Hebron".
  • 1968 Bau der katholischen Kirche St. Martin und 1980 Bau der Trinitatiskirche im Neubaugebiet unter Aufsicht des Pfarrers Dr. Jens Friedrich Mommsen.

Guardianships:

  • Martin

Parochial Affiliation:

seit 1509 Vikariat von Goßfelden, seit 1638 Vikariat von Cölbe, seit 1690 wieder mit Goßfelden, seit 1927 wieder mit Cölbe verbunden. Selbständige Pfarrei seit 1963.

Patronage:

1250 schenkt Lgfin. Sophie den Patronat der Kirche dem Deutsche Orden Marburg; 1363-1809 dem Deutsche Orden inkorporiert.

Conversions:

Erster evangelischer Pfarrer: Johann Schmidt 1527-1533

Intermediate Church Authorities:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Michelbach

Jews:

Ort der Gemeinde Marburg angeschlossen

Jude 1817 genannt; 1835: 6; 1861: 18; 1905: 7 Juden

Economy

Mills:

Mühle (am Wehr) 1299 erwähnt.

1357 hat der Landgraf Einkünfte aus der Mühle zu Wehrda.

1570: 2 Mahlgänge und 1 Schlaggang; später noch eine Schleifmühle auf dem gegenüberliegenden Lahnufer.

Eine Schneidemühle 1716 erwähnt; besitzrechtlich wie die Schleifmühle mit der Mahl- bzw. Ölmühle verbunden. Seit 1892 ist die Wehrdaer Mühle Pumpstation.

1682 wird am linken Lahnufer auf dem Gelände des landgräflichen Freihofes neben der Schleifmühle eine Pulvermühle mit 4 unterschlächtigen Rädern errichtet. Um 1764 zum Gasthaus umgebaut.

Bis zum Dreißigjährigen Krieg befand sich unter dem Weißen Stein an der Einmündung des Kaltenbachs in die Lahn eine weitere Schleifmühle, auch Pletschmühle genannt.

Eine Wehrer Steinmühle 1665 erwähnt.

References

Bibliography:

Citation
„Wehrda, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/ol/id/9377> (Stand: 17.5.2019)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde