Hessian Biography
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GND-ID
111345359
Hessen, Wolfgang Moritz Prinz von [ID = 8721]
- * 6.11.1896 Rumpenheim, † 12.7.1989 Frankfurt am Main, evangelisch
Rittmeister, Bankkaufmann, Landrat - Biographical Text
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Der jüngere Zwillingsbruder Philipps verbrachte mit diesem die erste Kindheit in Rumpenheim, später in Frankfurt am Main, wo beide ab 1906 das Gymnasium besuchten. 1911 kam Wolfgang auf eigenen Wunsch auf die Hauptkadettenanstalt nach Berlin-Lichterfelde, die seine älteren Brüder Friedrich und Max bereits besuchten. Im August 1914 wurde er aus der Unterprima als Fähnrich zum Ulanenregiment Nr. 6 versetzt, mit dem auch Bruder Friedrich den ersten Einsatz in Frankreich erlebte. Nach der Beförderung zum Leutnant im November 1914 und seiner Versetzung zum Generalkommando des XVIII. Armeekorps an der Westfront legte Wolfgang 1915 in Frankfurt am Main sein Notabitur ab und nahm 1916 mit dem Regiment am Serbien-Feldzug teil. Im September desselben Jahres rückten die Ulanen in Rumänien ein, wo Wolfgang den Tod des Bruders Friedrich erlebte. Den Rest des Krieges verbrachte er als Ordonnanzoffizier in der Operationsabteilung des Oberkommandos Feldmarschall August von Mackensens (1849–1945) in Bukarest und erhielt dort seine Beförderung zum Oberleutnant. Einen Monat vor dem Zusammenbruch des Kaiserreichs erfuhr Wolfgang, dass er zum finnischen Thronfolger designiert sei. Doch die Episode fand mit dem Thronverzicht seines Vaters Landgraf Friedrich Karl bereits im Dezember 1918 ihr Ende.
Nach dem Krieg war Prinz Wolfgang zunächst in der Abwicklungsstelle des Oberkommandos Mackensen in Kassel tätig. 1920 machte er eine Lehre beim Bankhaus Bethmann in Frankfurt am Main. In den folgenden Jahren arbeitete er bei Banken in Hamburg und New York und studierte in Frankfurt am Main einige Semester Jura und Geschichte. 1925 heiratete er in Schloss Salem Prinzessin Marie Alexandra von Baden, die Tochter des letzten kaiserlichen Reichskanzlers, Prinz Max. Bis 1933 war Wolfgang bei der Industrie- und Handelskammer in Wiesbaden tätig. Dann wurde er von Hermann Göring, den er von der Kadettenzeit her kannte, zum Landrat des Obertaunuskreises in Bad Homburg vor der Höhe ernannt. Im gleichen Jahr vollzog er den Beitritt zu NSDAP und SA. Nach Kriegsbeginn meldete sich Wolfgang 1940 als Rittmeister (Hauptmann) der Reserve zur Wehrmacht und wurde zum Oberquartiermeister des Oberkommandos Norwegen nach Oslo und 1941 nach Rovaniemi im finnischen Lappland versetzt. 1943 auf Grund von Hitlers „Prinzenerlass“ im Majorsrang aus der Wehrmacht entlassen, kehrte er ins Landratsamt Bad Homburg zurück. Im Januar 1944 verlor er seine Frau, Prinzessin Marie Alexandra, bei einem Luftangriff auf Frankfurt am Main. Nach dem Einmarsch der US-Army im März 1945 wurde Wolfgang verhaftet und bis zum Herbst 1946 in verschiedenen Lagern interniert In seinem Entnazifizierungsverfahren 1948 wurde er als „unbelastet“ eingestuft.
Im gleichen Jahr übernahm Wolfgang die Geschäftsführung der Kurhessischen Hausstiftung, deren Bestand durch Kriegseinwirkung stark gelitten hatte. Er verkaufte das bei einem Bombenangriff ausgebrannte Rumpenheim und Schloss Philippsruhe. Die Hauptverwaltung der Hausstiftung verlegte er nach Friedrichshof, das nach seiner Renovierung 1955 als „Schlosshotel Kronberg“ eröffnet wurde. Bereits zuvor hatte Wolfgang auf dem Grundstück seines zerbombten Frankfurter Wohnhauses an der Friedrich-Ebert-Anlage das Hotel „Hessischer Hof“ errichtet. Beide Hotels wurden 1956 aus dem Familienbesitz auf die Hausstiftung übertragen. Der verwitwete Prinz hatte 1948 die Frankfurterin Otti Moeller geheiratet, die vor dem Krieg dort ein Modegeschäft besessen hatte. Seine beiden Ehen blieben kinderlos.
Rainer v. Hessen
(Text identisch mit: Franz, Das Haus Hessen, S. 185 f.)
- Bibliography
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- Renkhoff, Nassauische Biographie, 2. Aufl., Wiesbaden 1992, S. 317 f., Nr. 1777
- GHd fürstlichen Häuser, Bd. VI, 1961, S. 65
- Franz, Das Haus Hessen. Ein biographisches Lexikon, Darmstadt 2012, Nr. HK 91, S. 185 f. (Rainer v. Hessen)
- Franz, Das Haus Hessen. Eine europäische Familie, Stuttgart 2005, S. 199, 204
- Klein, Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte: 1815–1945. Reihe A, Bd. 11, Preußen. Hessen-Nassau, 1979, S. 470 und Abb. Nr. 203
- Anders Huldén, Finnlands deutsches Königsabenteuer 1918, 1997
- Klein, Leitende Beamte der allgemeinen Verwaltung in der preußischen Provinz Hessen-Nassau, Darmstadt/Marburg 1988, S. 142 f.
