Hesse in the 19th and 20th Centuries

Die „Gründerkrise“, 25. März 1877
Nach einigen Jahren der Hochkonjunktur führte der weltweite Zusammenbruch der Börsen 1873 zu einer Wirtschaftskrise. Steigende Produktion hatte zu einem Überangebot an Waren und zu einem Preisverfall geführt. Eine Wende setzte erst ab 1879 ein.
In den vierteljährlichen Berichten, die das Regierungspräsidium in Kassel an die Regierung in Berlin schickte, schildert Regierungspräsident Heinrich von Brauchitsch (1831–1916) im März 1877 die Auswirkungen der Rezession im Regierungsbezirk Kassel. Die Unternehmen reagierten mit Entlassungen, Lohnkürzungen und Kurzarbeit auf den Rückgang der Produktion. Die daraus resultierende Arbeitslosigkeit und die Lohneinbußen konnten nicht durch freie Stellen in der Landwirtschaft oder bei der Eisenbahn behoben werden. Die Zahl der Tagelöhner, Landstreicher und Bettler nahm ebenso zu wie die Kriminalität. Gefängnisstrafen wurden teilweise als positiv empfunden, da sie eine sichere Unterkunft bedeuteten.
Die einzelnen Branchen waren unterschiedlich stark betroffen. Im Gegensatz zu der Textil-, Zucker- und Zigarrenindustrie hatten die eisenverarbeitende Industrie und die Schmuckherstellung besonders hohe Einbußen zu verzeichnen. Von Brauchitsch beschuldigte die Sozialdemokratie, die Not der Bevölkerung auszunutzen, die Unzufriedenheit zu schüren und sie gegen die Besitzenden aufzuhetzen.
(StF)
- Records
- Judit Pákh, Das rote Hanau, Hanau 2007, S. 95
- Additional Information
- [Bericht des Regierungspräsidenten vom 25. März 1877]
- Recommended Citation
- „Die „Gründerkrise“, 25. März 1877“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/edbx/id/7496> (Stand: 20.4.2026)
- Events in February 1877 | March 1877 | May 1877
-
Thu Fri Sat Sun Mon Tue Wed Thu Fri Sat Sun Mon Tue Wed Thu Fri Sat Sun Mon Tue Wed Thu Fri Sat Sun Mon Tue Wed Thu Fri Sat 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31
