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Hesse in the 19th and 20th Centuries

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Pläne zur Umgestaltung der Frankfurter Wallanlagen, 5. November 1806

Im Auftrag des seit 1806 in Frankfurt am Main residierenden Fürstprimas Carl Theodor von und zu Dalberg (1744–1816) verfasst Jakob Guiollett (1746–1815), der bereits die Entfestigung in Regensburg geleitet hatte, eine Denkschrift über die „Schleifung hiesiger Festungswerke“, die am 5. November 1806 erscheint. Darin propagiert er die Demolition des Frankfurter Festungsgürtels, um an deren Stelle eine Promenade und einen englischen Landschaftsgarten anzulegen.

Auf Verlangen Napoleon Bonapartes war schon ab 1802 mit der Schleifung des Frankfurter Festungsgürtels begonnen worden. Nach der Ernennung Guiolletts zum „Fürstlichen Commissarius bei dem fortzusetzenden hiesigen Festungsbau-Demolitions-Geschäfte“ am 4. Januar 1807 konnte unter Mitarbeit des in Aschaffenburg tätigen Gärtners Sebastian Rinz (1782–1861) der Festungsgürtel eingeebnet und die Wallanlagen angelegt werden. Innerhalb von sechs Jahren entstand der Anlagenring: Bockenheimer Anlage (1806), Eschenheimer Anlage (1807), Friedberger Anlage bis zum Sandweg (1808/09), Taunus- und Gallusanlage (1810), Untermain- und restliche Friedberger Anlage (1811) und Obermainanlage (1812). Sämtliche Befestigungsanlagen bis auf den Sachsenhäuser Kuhhirtenturm und den Eschenheimer Turm wurden abgebrochen, lediglich einige der Tore am Mainufer aus dem 15. Jahrhundert, darunter das mächtige Fahrtor, blieben zunächst bestehen. Sie wurden erst 1840 abgerissen, als man das Mainufer um zwei Meter aufschüttete.

Um die neuen Grünanlagen, die bei den Frankfurtern außerordentlich beliebt waren, dauerhaft vor Bebauung zu schützen, ließ der inzwischen zum „Maire“ ernannte Guiollett die im Prinzip heute noch gültige „Wallservitut“ verfassen, wonach der im Mittel zwanzig Meter breite Grünstreifen unbebaut bleiben muss. Am Anlagenring entstanden in der Folge prächtige Villen mit großen Gärten. Für diese Neubauten hatte Stadtbaumeister Johann Friedrich Christian Hess (1785–1845) in seinem „Baustatut“ von 1809 einen einheitlichen, klassizistischen Baustil festgelegt.

1813 verwüsteten die französischen Truppen auf ihrem Rückzug nach der Völkerschlacht von Leipzig die gerade erst angelegten Wallanlagen. Der seit 1808 als Stadtgärtner angestellte Sebastian Rinz sorgte jedoch umgehend für eine Wiederherstellung der Gärten – in der Friedberger Anlage erinnert noch heute das 1892 aufgestellte Denkmal des Bildhauers Heinrich Petry (1832–1904) an sein unermüdliches Wirken.
(UH)

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„Pläne zur Umgestaltung der Frankfurter Wallanlagen, 5. November 1806“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/edbx/id/6043> (Stand: 26.11.2025)
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