Hesse in the 19th and 20th Centuries

Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus, 31. Oktober 1893
Bei der Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus werden die Konservativen nach deutlichen Zugewinnen im Vergleich zur Wahl von 1888 mit 143 von 433 Mandaten stärkste Kraft (1888: 128). Zweitstärkste Kraft bleibt die katholische Zentrumspartei, die drei Sitze verliert und nun 94 Abgeordnete stellt. Die Nationalliberalen bleiben fast gleich stark (89 statt 90 Mandate), Reichspartei und Freisinnige Parte verlieren Sitze, letztere gar fast ein Drittel (20 statt 29 im Jahr 1888).1
In der Provinz Hessen-Nassau können die Nationalliberalen ihre Führungsposition behaupten und sogar ausbauen: Sie gewinnen ein Mandat dazu und entsenden nun zwölf Vertreter nach Berlin. Auch die Reichspartei legt zu und erringt nun vier statt vorher zwei Mandate. Verlierer sind die Konservativen, die zwei Sitze verlieren und nun fünf Mandate stellen und die Freisinnige (ehemals Fortschritts-)Partei, die nun nur noch einen Vertreter stellt (1882 waren sie mit zehn Mandaten noch stärkste politische Kraft in der Provinz Hessen-Nassau).2 In den Wahlkreisen der heute auf dem Gebiet des Landes Hessen liegenden Teile der Provinz Westfalen (Wahlkreis Arnsberg 1) und der Rheinprovinz (Wahlkreis Wetzlar) erringen erneut ein Frei- und ein Deutschkonservativer die Mandate.3
Gewählte Abgeordnete
Bei der Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus wird in jedem Wahlkreis nach absolutem Mehrheitswahlrecht (Persönlichkeitswahl) ein Abgeordneter gewählt.
Provinz Hessen-Nassau – Regierungsbezirk Kassel
Baumbach-Roppershausen, Ferdinand von (1851–1912; Deutschkonservative); Rittergutsbesitzer; Großroppershausen/Kreis Ziegenhain; Wahlkreis Kassel 8: Homberg – Ziegenhain
Beinhauer, Wilhelm Albert (1832–1906; Nationalliberale Partei); Gutsbesitzer; Vollmarshausen/Kreis Kassel; Wahlkreis Kassel 4: Kassel-Land – Witzenhausen
Christen, Hermann (1841–1919; Freikonservative/Deutsche Reichspartei); Rittergutsbesitzer; Werleshausen/Kreis Heiligenstadt; Wahlkreis Kassel 5: Eschwege – Schmalkalden
Dasbach, Friedrich (1846–1907; Zentrumspartei); Buchdruckereibesitzer; Trier; Wahlkreis Kassel 11: Hünfeld – Gersfeld
Enneccerus, Dr. jur. Ludwig (1843–1928; Nationalliberale Partei); Professor der Rechte; Marburg; Wahlkreis Kassel 3: Kassel-Stadt
Gleim, Franz (1842–1911; Nationalliberale Partei); Fabrikant; Melsungen; Wahlkreis Kassel 7: Melsungen – Fritzlar
Junghenn, Emil (1850–1911; Nationalliberale Partei); Rentner; Hanau; Wahlkreis Kassel 14: Hanau
Kircher, Robert (1852–1911; Zentrumspartei); Kaufmann; Fulda; Wahlkreis Kassel 12: Fulda
Paasche, Hermann (1851–1925); Professor der Staatswissenschaften; Marburg; Nationalliberale Partei; Wahlkreis Kassel 1: Rinteln
Rabe von Pappenheim, Karl (1847–1918; Deutschkonservative); Rittergutsbesitzer; Liebenau/Kreis Hofgeismar; Wahlkreis Kassel 2: Hofgeismar – Wolfhagen4
Riesch, Friedrich (1840–1912; Freikonservative/Deutsche Reichspartei); Landrat; Frankenberg (Eder); Wahlkreis Kassel 9: Kirchhain – Frankenberg
Seyfarth, Ferdinand (1818–1901; Deutschkonservative); Landwirt; Friedrichshütte/Kreis Rotenburg; Wahlkreis Kassel 6: Rotenburg – Hersfeld5
Trott zu Solz, Dr. h.c. mult. August (1855–1938; Deutschkonservative); Landrat; Marburg; Wahlkreis Kassel 10: Marburg
Zimmermann, Hermann (1856–1902; Freikonservative/Deutsche Reichspartei); Amtsrichter; Schlüchtern; Wahlkreis Kassel 13: Schlüchtern – Gelnhausen
Provinz Hessen-Nassau – Regierungsbezirk Wiesbaden
Beckmann, Dr. jur. August (1852–1914; Deutschkonservative Partei); Landrat; Usingen; Wahlkreis Wiesbaden 6: Oberlahnkreis – Usingen
Born, Heinrich Christian (1847–1897; Nationalliberale Partei); Landwirt, Bürgermeister; Erbenheim/Kreis Wiesbaden; Wahlkreis Wiesbaden 8: Wiesbaden-Land – Höchst6
Cahensly, Peter Paul Simon (1838–1923; Zentrumspartei); Kaufmann; Limburg an der Lahn; Wahlkreis Wiesbaden 5: Limburg
Hofmann, Heinrich (1857–1937; Nationalliberale Partei); Amtsrichter; Rennerod/Kreis Westerburg; Wahlkreis Wiesbaden 2: Oberwesterwald – Dillkreis
Lieber, Dr. jur. utr. Ernst (1838–1902; Zentrumspartei); Privatier; Camberg/Kreis Limburg; Wahlkreis Wiesbaden 3: Unterwesterwaldkreis – Westerburg
Lotichius, Dr. phil. Eduard (1847–1908; Nationalliberale Partei); Fabrikant; Sankt Goarshausen; Wahlkreis Wiesbaden 7: Rheingaukreis – Meisenheim – Sankt Goarshausen
Oswalt, Dr. jur. Henry (1849–1934; Nationalliberale Partei); Rechtsanwalt; Frankfurt am Main; Wahlkreis Wiesbaden 11: Frankfurt/Main-Stadt
Rath, Walther (1857–1940); Nationalliberale Partei; Rentner; Frankfurt am Main; Wahlkreis Wiesbaden 11: Frankfurt/Main-Stadt
Schaffner, Wilhelm (1822–1907; Nationalliberale Partei); Fabrikant; Diez/Unterlahnkreis; Wahlkreis Wiesbaden 4: Unterlahnkreis
Schenck, Friedrich (1827–1900); Freisinnige Volkspartei; Genossenschaftsanwalt; Berlin; Wahlkreis Wiesbaden 9: Wiesbaden-Stadt – Untertaunuskreis7
Tepper-Laski, Viktor von (1844–1905; Freikonservative/Deutsche Reichspartei); Regierungspräsident; Wiesbaden; Wahlkreis Wiesbaden 1: Biedenkopf
Wurmbach, Julius (1831–1901; Nationalliberale Partei); Fabrikbesitzer; Bockenheim/Kreis Hanau; Wahlkreis Wiesbaden 10: Obertaunuskreis – Frankfurt/Main-Land
Provinz Westfalen – Regierungsbezirk Arnsberg
Achenbach, Heinrich von (1829–1899; Freikonservative/Deutsche Reichspartei); Vortragender Rat; Berlin; Wahlkreis Arnsberg 1: Wittgenstein – Siegen
Rheinprovinz – Regierungsbezirk Koblenz
Solms-Braunfels, Hermann Prinz zu (1845–1900); Deutschkonservative; Hauptmann a.D.; Schloss Braunfels/Kreis Wetzlar; Wahlkreis Koblenz 1: Wetzlar
(LV)
- Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 55. ↑
- Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 79. ↑
- Die politische Zusammensetzung ändert sich im Laufe der Legislaturperiode nicht – in den insgesamt drei Ersatzwahlen setzen sich jeweils die Kandidaten durch, die auch die Parteien des jeweiligen Mandatsgewinners vertreten. ↑
- Am 2. Mai 1894 wurde das Mandat Pappenheims für ungültig erklärt. In der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl vom 22. Juni 1894 setzte er sich deutlich gegen den antisemitischen Schriftsteller Max Hugo Liebermann von Sonnenberg (1848–1911) aus Berlin durch und behielt das Mandat. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 641. ↑
- Seyfarth schied nach dem 20. Juni 1896 aus dem Abgeordnetenhaus aus. Bei der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl am 13. November 1896 erringt der Gutsbesitzer Ludwig Isenburg (1844–1918; Deutschkonservative Partei) aus Ronshausen/Kreis Rotenburg das Mandat. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 651. ↑
- Born verstarb während der Legislaturperiode am 25. Juli 1897. Bei der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl setzte sich der Kaufmann August Wolff (1844–1914; Nationalliberale Partei) aus Biebrich/Kreis Wiesbaden im zweiten Wahlgang gegen den Kandidaten der Zentrumspartei, den Rechtsanwalt Kellerhoff aus Wiesbaden, durch. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 680. ↑
- Schenck schied nach dem 20. Juni 1896 aus dem Abgeordnetenhaus aus. Bei der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl am 19. Januar 1897 errang der Landwirt Louis Wintermeyer (1859–1901; Freisinnige Volkspartei) aus Wiesbaden das Mandat. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 677. ↑
- Records
- Additional Information
- Wikipedia: Preußisches Abgeordnetenhaus (eingesehen am 21.11.2023)
- Recommended Citation
- „Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus, 31. Oktober 1893“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/edbx/id/7547> (Stand: 31.10.2025)
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