Hesse in the 19th and 20th Centuries

Antisemit Böckel erhält Reichstagsmandat für den Wahlkreis Marburg-Frankenberg-Kirchhain, 21. Februar 1887
Bei der Reichstagswahl am 21. Februar 1887 erhält Otto Böckel (1859–1923), Gründungsvorsitzender des antisemitischen „Reformvereins“, bereits im ersten Wahlgang das Mandat für den Wahlkreis Regierungsbezirk Kassel 5: Marburg-Frankenberg-Kirchhain. Böckel hatte Jura und Nationalökonomie, später neuere Sprachen in Gießen und Marburg studiert, arbeitete als Hilfskraft in der Marburger Bibliothek, promovierte dort 1882 zum Dr. phil. und entdeckte schließlich die antisemitische Bewegung für sich. Im Jahr 1887 erhielt er mit dem Marburger Reformverein das erste Reichsmandat. Die „Antisemitische Volkspartei“ wurde 1893 zur „Deutschen Reformpartei“, die vom „Mitteldeutschen Bauernverein“ unterstützt wurde. Durch den gebürtigen Frankfurter verbreitete sich die antisemitische Bewegung in Hessen, doch als er gezwungen wurde, auf den Vorsitz des Bauernvereins zu verzichten, löste er sich von der Bewegung selbst, blieb aber bis 1903 Mitglied im Deutschen Reichstag und beschäftigte sich schließlich mit Heimatpflege und Volksliedforschung. Die Position des baldigen „Hessischen Bauernbundes“ ging im September 1894 an den Langsdorfer Landwirt Philipp Köhler (1859–1911).
(StH)
- Records
- Eckhart G. Franz (Hrsg.), Die Chronik Hessens, Dortmund 1991, S. 274, 278
- Additional Information
- Wikipedia: Deutscher Reformverein (Antisemitismus) (eingesehen am 7.7.2022)
- Wikipedia: Deutsche Reformpartei (eingesehen am 7.7.2022); Wikipedia: Deutsche Antisemitische Vereinigung (eingesehen am 7.7.2022); Wikipedia: Antisemitenparteien (eingesehen am 7.7.2022)
- Recommended Citation
- „Antisemit Böckel erhält Reichstagsmandat für den Wahlkreis Marburg-Frankenberg-Kirchhain, 21. Februar 1887“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/edbx/id/7175> (Stand: 26.9.2024)
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