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Christoffel Eitel Schutzbar genannt Milchling 1622 und seine Frau Eva Dorothea geb. von Schwalbach 1624, Treis

Treis (Lumda) · Gem. Staufenberg · Landkreis Gießen | Historisches Ortslexikon
Standort | Merkmale | Beschreibung | Inschrift | Nachweise | Zitierweise
Standort

Standort:

Treis (Lumda)

Heutiger Aufbewahrungsort:

Treis, Evangelische Pfarrkirche.

An der südlichen Innenwand des Chores.

Merkmale

Datierung:

1622, 25. August / 1624, 28. Oktober

Typ:

Epitaph

Material:

Sandstein, bemalt

Erhaltung:

erhalten

Größe:

238 x 500 cm (B x H)

Größe der Buchstaben:

3 cm

Beschreibung

Beschreibung:

Die Höhe des Epitaphs konnte nur ungefähr ermittelt werden.

Die Anlage und Aufteilung dieses Epitaphs in zwei umrahmte Figurenfelder unter einem bekrönenden Abschluß mit der Wiedergabe einer biblischen Szene ist gut mit anderen Arbeiten des frühen 17. Jahrhunderts zu vergleichen.

Die untere Inschrift (A) ist wie in der Regel geteilt, um Sterbedaten und Eigenschaften von Mann und Frau mitzuteilen. Rollwerkornamente mit mittlerem Engelkopf dienen der Akzentuierung und Verbindung mit der durchgehenden Figurenbasis. Die betende Ehefrau mit langärmeligem, dunklen Gewand trägt den Witwenschleier. Ihre sieben Töchter mit Namensbeischriften auf den Säumen der Kleider (B) umstehen sie dicht aneinander gedrängt. Die beiden linken sind deutlich kleiner, so daß die Reihe möglicherweise rechts mit der Ältesten einsetzt. Alle betend, in langen Gewändern mit hellen Kragen und Manschetten.

Ihr Ehemann ist gerüstet, der Degen verläuft hinter dem Körper. Er trägt eine diagonale Schärpe und einen Mühlsteinkragen. Neben dem linken Fuß ist der Helm abgelegt, vor dem rechten Unterschenkel steht der älteste Sohn, betend wie der Vater, in kurzem Mäntelchen und Mühlsteinkragen. Zwei Wickelkinder auf einem gemeinsamen Kissen werden, da auf der Seite des Vaters wiedergegeben, weitere Söhne sein. In dem mittleren Zwickelfeld, welches von den Rundbögen ausgespart wird, erscheint in genauer Einfügung der Gekreuzigte.

Die schmalen, seitlich rahmenden senkrechten Felder haben unterhalb des abschließenden Gesimses je einen konsolartig ausgearbeiteten Stein mit der Wiedergabe eines Kopfes. Darunter stehen auf kleinen Sockeln, die sich über der Standfläche der Verstorbenen befinden, weibliche, allegorische Figuren. Die linke hält eine Kanne in der erhobenen Hand, in der anderen einen Pokal. Es ist die Mäßigkeit (Temperantia). Die rechte gibt sich durch die geschulterte Säule als Stärke (Fortitudo) zu erkennen. Beide sind von auffallender Bewegtheit und Körperbildung, welche von den zum Teil sehr eng anliegenden Gewandpartien noch hervorgehoben wird. Sie dürften von einem anderen Bildhauer stammen (Anm. 1). Auf den äußeren Rändern je acht Vollwappen mit Namensbeischriften (D) übereinander. Sechzehn waagrecht gereihte mit Namensbeischriften (D) bilden den oberen Abschluß des auf die Verstorbenen bezogenen Teils.

Der giebelförmige Aufsatz mit äußerem Rollwerk und Atlanten – links männlich, rechts weiblich – über sich nach unten verjüngenden Pilastern, gibt im querrechteckigen, mittleren Feld Christus am Ölberg wieder. Dieses Thema begegnet relativ selten in der biblischen Bildwelt der Epitaphien. Zahlreicher sind die Darstellungen der Auferstehung Christi, verbunden mit den inschriftlichen Wünschen um die eigene Auferstehung. Der Vordergrund dieses ebenfalls bemalten Reliefs wird von dem linken, die ganze Höhe ausfüllenden Baum und den schlafenden Jüngern in einer Landschaft mit Pflanzen bestimmt. Christus kniet in der Mitte, seine Haltung ist mit dem vorgestreckten Oberkörper ganz auf den Engel bezogen, der am rechten Bildrand mit dem Kelch erscheint. Als himmlische Gestalt hat er eine mächtige Wolkenumrahmung. Im Hintergrund dieser der zeitgenössischen Malerei verpflichteten Darstellung ist zu erkennen, wie Judas durch das Tor einen Weg betritt, der zum Zentrum des Gartens führt. Ihm folgt eine Schar Bewaffneter, die sich hinter dem Zaun abzeichnet.

Über einem profilierten Gesims befindet sich in querovaler Umrahmung eine weitere Inschrift (C). Seitlich und darüber je eine allegorische Figur. Da die obere einen Kelch und ein Buch (?) hält, könnte sie mit Glaube (Fides) beschrieben werden. Mithin läge es nahe, hier die theologischen Tugenden mit weiterhin Liebe (Caritas) und Hoffnung (Spes) zu vermuten, was sich jedoch aufgrund der Attribute nicht erhärten läßt. Auch diese Figuren zeichnen sich durch auffallende Körperlichkeit aus und sind darin den unteren Tugenden nicht unähnlich (Anm. 2).

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Anm. 1: Möglicherweise sind sie später entstanden bei einer Veränderung des Epitaphs. Auffallend ist, daß sich rechts oben auf der Wand die Aufschrift Prudentia (Klugheit) befindet. Ergänzt man Justitia (Gerechtigkeit), dann wären zusammen mit den Tugenden Temperantia (Mäßigkeit) und Fortitudo (Stärke), die sich, wie beschrieben, erhalten haben, die in der griechischen Philosophie entwickelten Grundtugenden gegeben, die möglicherweise einmal dargestellt oder vermerkt waren.

Anm. 2: Zu den Schwierigkeiten einer eindeutigen Bestimmung gehört u.a., daß in diesem Rahmen die Liebe mit Kindern veranschaulicht wird, welche hier fehlen. Der nach oben geführte Arm der rechten Figur könnte für die Hoffnung sprechen, ist aber nicht sicher. Rätsel gibt auch die linke Figur auf. Sie hält einen Vogel (Papagei ?), ein Winkelmaß (?) und trägt eine Art geschnürter Stiefel. Eine weibliche Figur mit Vogel und Winkelmaß ist mit anderen Allegorien auf einem Brunnen des Heils dargestellt, vgl. Sammler Fürst Gelehrter, Herzog August zu Braunschweig und Lüneburg 1579– 1666. Ausstellung der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel 1979, Katalog S. 33, Abbildung in der unteren Mitte. Ebenda S. 107, Nr. 151 ein Kupferstich mit der Wiedergabe der Kutsche des Herzogs, welche von Tugenden gezogen wird. Hier hält die beschriftete Spes einen Vogel und einen Anker. Weitere Beispiele für Spes mit Vogel siehe Graepler, Catharina: Der Bildhauer Johann Friedrich Sommer in Marburg, Marburg 1992, S. 40 und 56.

Darstellung:

figürlich

Geschlecht, Alter, Familienstand:

weibliche Person(en) · Ehepaar · männliche Person(en)

Stand:

Adlige

Enthaltene Wappen:

Insgesamt 32 Vollwappen, von denen die 16 links der gedachten Vertikalachse des Denkmals die Ahnen Christoffel Eitel Schutzbars, diejenigen rechts davon die Ahnen seiner Frau anzeigen.

a) Ahnenwappen des Christoffel Eitel Schutzbar genannt Milchling:

1) Schutzbar genannt Milchling (Vater), 2) Steffan von Orb (Mutter), 3) von Bellersheim (Vatersmutter), 4) Kottwitz von Aulenbach (Muttersmutter), 5) von Hattenbach, 6) Wolfskehl, 7) von Lehrbach, 8) Schenk zu Schweinsberg, 9) Döring, 10) nochmals Döring, 11) von Brobeck ("Braubach"), 12) Diede, 13) von Weitershausen, 14) von Büches, 15) Döring und 16) Voit von Rieneck.

b) Ahnenwappen der Eva Dorothea geb. von Schwalbach:

1) von Schwalbach (Vater), 2) von Hohenstein (Mutter), 3) von Heusenstamm (Vatersmutter), 4) Rode von Burgschwalbach (Muttersmutter), 5) Brendel von Homburg, 6) von Werdorf, 7) Wais von Fauerbach, 8) von Schönborn, 9) von Brambach, 10) Erlenhaupt von Saulheim, 11) Brendel von Homburg, 12) von Selbach, 13) Kalb von Reinheim, 14) von Hattstein, 15) von Hochweisel und 16) Weyer zu Nickenich.

Dargestellte Personen:

Christoffel Eitel Schutzbar genannt Milchling, Ganerbe zu Treis, gestorben am 25. August 1622 im 50. Lebensjahr, und seine Frau Eva Dorothea geb. von Schwalbach, gestorben am 28. Oktober 1624 im 51. Lebensjahr.

Christoffel Eitel war ein Sohn des Johannes Schutzbar genannt Milchling und der Anna Steffan von Orb. Seine Frau Eva Dorothea ging aus der Ehe des Gernand von Schwalbach mit Anna von Hohenstein hervor. Der Ehe entstammten 3 Söhne und 7 Töchter, die alle auf dem Epitaph figürlich dargestellt sind. Von den Söhnen starben zwei im Säuglingsalter; nur Gernand Eberhard überlebte die Eltern, blieb aber unverheiratet.

Inschrift

Umschrift:

A:

ANNO DOMINI 1622 DEN 25 AUG:(UST) IST DER /

WOHL EDLE GESTRENG UND VESTE, CHRISTOFFEL /

EITEL SCHUTZSPER GENANT MILCHLING GANERB /

ZU TREIS, SELIG ENTSCHLAFFEN, SEINES ALTERS /

IM 50 IAHR, DEM GOTT EIN FROLICHE /

AUFFER STEHUNG VERLEIHEN WOLLE /

AMEN • //

ANNO DOMINI 1624 DEN 28 OCTOB:(ER) IST DIE /

WOHLEDLE EHRN UND TUGENDREICHE FRAWE EVA DO /

ROTHEA SCHUTZSPER GNAND MILCHLING GEBORNE /

VON SCHWALBACH IM HERN SELIG ENTSCHLAFFEN /

IHRES ALTERS IM EIN UND FUNFFZIGSTEN IAHR /

DEREN GOTT EIN FROLICHE AUFERSTEHUNG /

VERLEIHEN WOLLE • /

AMEN

B: (von rechts nach links dem Alter nach)

Catharina / Margretha

Anna / Sibilla

Maria / Vrsula

Catharina / [Elisa]betha

[Ag]ned[a] (?) / Magdalena

Elisabetha

[..........] (nicht mehr erkennbar oder nie ausgeführt)

C:

HIOB • 12 • /

ICH WEIS DAS MEIN /

ERLOSER LEBET UND ER /

WIRD MICH HERNACH AUS DER /

ERDEN AUFFERWECKEN UND WER /

DE DARNACH MIT DIESER MEINER /

HAUT UMBGEBEN WERDEN UND /

WERDE IN MEINEM FLEISCH GOTT /

SEHEN DEN WERD ICH MIR SE /

HEN UND MEIN AUGEN WER /

DEN IHN SCHAWEN UND /

KEIN FREMBDER

D:

(Namensbeischriften zu den Ahnenwappen des Christoffel Eitel Schutzbar genannt Milchling:)

MILCHLING •

STEFFAN V(ON) • URB

BELLERSHEIM •

KOTWITZ •

HATTENBACH •

WOLFSKELL •

LAYRBACH •

SCHENCK V(ON) • / SCHWEINSBERG

DÖRING •

DÖRING •

[B]RAUBACH

DIET •

WEITTERSHAUSEN

BUCHES •

DÖRING •

VOIT V(ON) • RINECK

(Namensbeischriften zu den Ahnenwappen der Eva Dorothea geb. von Schwalbach:)

SCHWALBACH •

HOENSTEIN •

HEUSENSTAM •

RODT V(ON) • BURG,, / SCHWALBACH •

BRENDEL VON / HOMBERG •

WERTTORFF •

WAIS VON / FAURBACH •

SCHÖNBORN •

BRAMBACH

ERLENHEID •

BRENDEL V(ON) • / HOMBER[G]

SELBACH

KALB V(ON) • REINHEIM

HATTSTEIN •

HOHEWEISSEL •

WEIER ZU / NICKENDICH

Kommentar:

Inschrift C steht bei Hiob im 19. Kapitel, Verse 25 und 26.

Schrift:

Kapitalis

Nachweise

Literatur:

  • Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Hessen, bearb. von Magnus Backes, 2. Aufl. München 1982, S. 794
  • Walbe, Heinrich (Bearb.): Die Kunstdenkmäler im Freistaat Hessen – Provinz Oberhessen – Kreis Giessen, Band 1: Nördlicher Teil, Darmstadt 1938, S. 354

Personen:

Schutzbar genannt Milchling, Johannes · Milchling, Johannes Schutzbar genannt · Steffan von Orb, Anna, verheiratete Schutzbar genannt Milchling · Schutzbar genannt Milchling, Anna, geb. Steffan von Orb · Milchling, Anna Schutzbar genannt, geb. Steffan von Orb · Schwalbach, Gernand von · Schwalbach, Anna von, geb. von Hohenstein · Hohenstein, Anna von, verheiratete von Schwalbach · Schutzbar genannt Milchling, Gernand Eberhard · Milchling, Gernand Eberhard Schutzbar genannt

Sachbegriffe:

Wappen · Wickelkinder · Witwenschleier · Rollwerk · Engelsköpfe · Mühlsteinkragen · Schärpen · Degen · Rüstungen · Kruzifixe · Figuren, allegorische · Temperantia · Fortitudo · Ölbergszenen · Fides · Caritas · Spes · Ehepaare · Männer · Adlige · Frauen

Wappen:

Schutzbar genannt Milchling · Milchling, Schutzbar genannt · Steffan von Orb · Bellersheim · Kottwitz von Aulenbach · Hattenbach · Wolfskehl · Lehrbach · Schenk zu Schweinsberg · Döring · Brobeck · Diede · Weitershausen · Büches · Voit von Rieneck · Schwalbach · Hohenstein · Heusenstamm · Rode von Burgschwalbach · Brendel von Homburg · Werdorf · Wais von Fauerbach · Schönborn · Brambach · Erlenhaupt von Saulheim · Selbach · Kalb von Reinheim · Hattstein · Hochweisel · Weyer zu Nickenich

Bearbeitung:

Christa Benedum, Gießen, und Andreas Schmidt, HLGL

Zitierweise
„Christoffel Eitel Schutzbar genannt Milchling 1622 und seine Frau Eva Dorothea geb. von Schwalbach 1624, Treis“, in: Grabdenkmäler <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/863> (Stand: 26.5.2008)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde