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Grabdenkmäler

Übersichtskarte Hessen

Conrad Lauck und Familie, Ende 16. Jahrhundert, Rauschenberg

Rauschenberg · Gem. Rauschenberg · Landkreis Marburg-Biedenkopf | Historisches Ortslexikon
Standort | Merkmale | Beschreibung | Inschrift | Nachweise | Zitierweise
Standort

Standort:

Rauschenberg

Gebäude:

Rauschenberg, Friedhof.

Heutiger Aufbewahrungsort:

Rauschenberg, Friedhof.

Der Stein steht heute an der Nordwand des Friedhofs in der Nähe der Friedhofskapelle an der ehem. Stadtmauer.

Merkmale

Datierung:

Ende 16. Jahrhundert

Typ:

Epitaph

Erhaltung:

erhalten

Beschreibung

Beschreibung:

Das hochrechteckige Epitaph ist dreigeteilt: Über einem rechteckigen Sockel mit Inschrift (C) befindet sich der figürliche Hauptteil mit zahlreichen Familienmitgliedern zu beiden Seiten des Gekreuzigten, seitlich begrenzt von Pilastern. Das umrahmte Feld darüber trägt eine Inschrift (B). Das profilierte, vorkragende Gesims darüber mit Inschrift (A) bildet mit dem aufgesetzten Giebel mit zwei Wappenschilden in der Mitte den oberen Abschluss des Steines.

Die Sockelzone mit zwei Halbkugeln im Bereich der seitlichen glatten Ränder wird von waagrechten Schmuckleisten begrenzt. Die untere ruht dem Standblock auf, die obere grenzt das Figurenfeld ab. Hier erhebt sich in der Mitte über Stundenglas und Totenkopf das Kreuz mit dem dreigenagelten Christus. Arme und Oberkörper werden von Wolken umgeben, das Lendentuch schwingt nach beiden Seiten aus. Genau über der oberen Mitte des Rundbogens, der dieses Bild hervorhebt, befindet sich die Kreuzesinschrift. Die in flachem Relief gehaltenen Häuser zu beiden Seiten des Kreuzes deuten Jerusalem an, am rechten Rand zeichnet sich ein Kirchturm ab. Diese über die ganze Breite des Relieffeldes sich erstreckenden Architekturen schließen den familiär bestimmten Teil des Epitaphs ab und leiten über zu der Darstellung Christi. Der hier sich erstreckende gegenstandsfreie Reliefgrund weist relativ regelmäßige, kleine, rundförmige Vertiefungen auf, welche möglicherweise dazu dienten, eine Kalkgrundierung für einen Farbauftrag aufzunehmen bzw. dieser besseren Halt zu verleihen (nach freundlicher Auskunft von Herrn Steinbildhauermeister Hans-Ulrich Ehrhardt, Gießen). Das Epitaph wird ursprünglich, wie viele andere, farbig gefasst gewesen sein. Dafür spricht weiterhin die nur wenig kenntliche Stadtansicht.

Sechzehn dicht gedrängte Familienmitglieder werden durch das Kreuz nach Geschlechtern getrennt, links befindet sich der Vater mit acht Söhnen, rechts die Mutter und sechs Töchter. Dies bedingt, dass nur die jeweils vier beziehungsweise drei vorderen Personen in ganzer Figur erscheinen. Sie sind kniend und das Kreuz anbetend wiedergegeben. Diese Haltung wird auch bei den anderen anzunehmen sein, deren Köpfe über den von allen getragenen Halskrausen allein sichtbar sind. Der Kopf einer Tochter am Kreuzesstamm ist zerstört. Nach Maßgabe der Kleidung der vorderen männlichen Familienmitglieder wird die spanische Mode getragen. Die weiblichen Personen tragen lange Gewänder. Die am rechten äußeren Rand des Figurenfeldes kniende Mutter trägt ein um die Kinnpartie geschlungenes Tuch und den seitlich ihrer Kopfpartie herab fallenden Trauerschleier, die sogenannte Heuke1. Zwei der Töchter tragen Hauben, sind demnach verheiratet. Noch unverheiratet die drei weiteren mit jeweils offenem Haar und einem Kränzchen. Möglicherweise war dies auch der Fall bei der vierten Tochter, deren Kopf zerstört ist.

Die seitlichen Pilaster werden im unteren Teil von den Figuren überschnitten. Etwa in der Mitte ihrer Höhe werden die jeweils äußeren Ränder von einer relativ großen, sie plastisch umgebenden Rolle betont. Derartige Formgebilde sind auch bei gemalten und gestochenen Porträtumrahmungen des späten 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts beliebt.

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1 Vgl. Valentin Wagner. Ein Zeichner im Dreißigjährigen Krieg. Aufsätze und Werkkatalog. Herausgegeben und bearbeitet von Holger Th. Gräf und Helga Meise, 2003, S. 96 ff.

Darstellung:

figürlich

Geschlecht, Alter, Familienstand:

weibliche Person(en) · männliche Person(en) · Familie · Kind(er)

Stand:

Bürger

Enthaltene Wappen:

Zwei Wappenschilde im Giebel: links Lauck, rechts von Weitershausen.

Dargestellte Personen:

Conrad Lauck, Mitglied des Rates (Ratsgenosse) zu Rauschenberg, und seine Frau Anna geb. von Weitershausen mit den gemeinsamen acht Söhnen und sechs Töchtern.

Inschrift

Schrift:

Kapitalis

Nachweise

Sachbegriffe:

Wappen · Heuken · Trachten, spanische · Mode, spanische · Kruzifixe · Totenköpfe · Stundengläser · Haarkränze · Haare, offene · Hauben · Familiendarstellungen · Pilaster · Gesimse · Wolken · Stadtansichten · Gebetshaltungen · Blütenkränze · Spanische Mode · Männer · Frauen · Kinder · Familien · Ratsmitglieder · Ratsgenossen

Wappen:

Lauck · Weitershausen

Bearbeitung:

Christa Benedum, Gießen, und Andreas Schmidt, HLGL

Zitierweise
„Conrad Lauck und Familie, Ende 16. Jahrhundert, Rauschenberg“, in: Grabdenkmäler <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1709> (Stand: 21.12.2009)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde